Sonntag, 15. Juni 2014

Landschaften der Seele: Tremiti. Oder: Die vergessenen Inseln.

Eine der vier Inseln der Inselgruppe: San Nicola mit Kloster und Festung.
Italien hat - ganz anders als Kroatien oder Griechenland oder die Türkei - viele Häfen, aber wenige Inseln. Aber die paar Handvoll Inseln Italiens haben sich mir immer wieder besonders eingeprägt. Capraia gehört dazu, 7 Segelstunden vor Livorno gelegen. Giglio mit seinem Rummel. Und auch die Tremiti-Inseln. Sie sind die einzigen Inseln an der Ostküste Italiens und liegen etwa 5 Segelstunden nördlich des Gargano.

Die Tremiti-Inseln habe ich mit dem Segelboot zu ganz verschiedenen Jahreszeiten besucht: Einmal, als der ganz große Rummel vorbei war, Ende August. Einmal ganz ohne jeden Rummel, Anfang November. Da war es so richtig einsam. Und jetzt, wo der große Rummel noch nicht begonnen hat, Anfang Juni. Die Fähren, die hier anlegen, bringen zwar jeden Tag mehr und mehr Urlauber, aber die bleiben alle auf San Domino, da, wo sich Hotels und Pensionen und Restaurants konzentrieren. Auch wenn auf dem Gargano überall Ausflüge zu den Tremitis angeboten werden: Man ist dort ziemlich allein. Die Tremitis sind irgendwie die vergessenen Inseln. 

    San Nicola, diesmal von der Inseln San Domino aus. Richtigen Hafen gibt es keinen: Man ankert zwischen den Inseln, die   
     fast immer im Schwell liegen. Oder Abends ab 19 Uhr an den Fähranlegern, wenn die Fähren weg sind. Aber da muss   
     man Morgens gegen 8 Uhr wieder weg sein.

Die Tremiti-Inseln bestehen bestehen aus vier verschiedenen Inseln: Neben San Domino noch San Nicola mit Festungsmauer und Kloster und alter Kirche - aber da leben von den 400 Tremitianern gerade mal 150, in dem Festungsort, den man auf dem Bild ganz oben sieht. Mönche haben den Ort besiedelt, Mönche haben ihn im Mittelalter auch befestigt gegen kroatische und türkische Piraten, wie man ihn heute sehen kann. Und wurden doch dafür umgebracht.

Und dann gibt es noch Capraia und den gelben Sandsteinfelsen Cretaccio mittendrin. Sowie einige Felsen weit draussen. Aber Menschen leben hier keine, die Möwen mit ihrem Geschrei bleiben unter sich.

    Das einzige Haus auf Capraia: die Ruine des Leuchtturms.

Die Tremiti-Inseln waren auch immer ein Ort der Verbannung. Augustus schickte seine Enkelin Julia hierher, offiziell wegen Sittenlosigkeit, aber vermutlich hatte sie gegen den mächtigen Herrn Großvater opponiert, oder Schlimmeres. Und mußte bis zu ihrem Tod 28 Jahre später bleiben. 1912 deportierte Italien 1.200 unbotmässige Libyer hierhin, weil sie sich der italienischen Eroberung Nordafrikas widersetzten. Der freche Muammar Al-Ghaddafi reklamierte deshalb die Inseln regelmässig als libysches Territorium, ohne Erfolg, aber sehr zum Ärger der italienischen Politik.

Vielleicht sind es auch deshalb die vergessenen Inseln: wer hier blieb, der blieb, um vergessen zu werden.

    Der Sandsteinfelsen Cretaccio mitten in den Tremiti-Inseln. Bei Regen färbt der abgewaschene Sand das Meer ringsum beige - also schnell hinfahren, solange es Cratccio noch gibt.



Und so klingen die Vergessenen Inseln.

Kommentare:

  1. Hallo Thomas,
    schöner Artikel. Ich hatte heuer im Juni auf Grund eines starken anhaltenden Südwinds Gelegenheit, mir die Tremiti Inseln einmal genauer anzusehen. Eine eher unbekannte aber durchaus sehenswerte Inselgruppe, die wir bei unserem Besuch sofort ins Herz geschlossen hatten.

    Ich habe darüber uach einen umfangreichen Blogartikel erstellt mit vielen Stimmungsbildern...

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    1. hallo markus,

      Danke für Deinen Kommentar. Ich habe auch Deinen Post auf www.untersegeln.eu gelesen und fand ihn in seiner Ausführlichkeit sehr umfassend, inklusive des Hinweises auf Ghadafi. Die Tremiti-Inseln sind ganz sicher immer ein Highlight, das ich lieber ansteuere als die Nordküste des Gargano, Ausnahme Peschici, über das ich ja auch schrieb. Weiterhin gute Reise mit Eurer NAMBAWAN, Thomas

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