Sonntag, 28. August 2016

Einhand um Sizilien, Teil VIII.: Mit der Pinne in der einen. Und dem Gelato in der anderen Hand!

In lockerer Folge erzähle ich in dieser Artikelserie meine Reise 
um Sizilien auf meiner 31-Fuß-Yacht LEVJE im Sommer 2016. 
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Unterwegs in den Gelaterien von Trapani ganz im Westen Siziliens.












Meinen New Yorker Bekannten, nennen wir ihn Rob, denn so heißt er wirklich, treibt sein Interesse alle paar Jahre nach Deutschland. Er ist über 60, Anwalt, und ihn treibt seine Lust, dieses unser Deutschland zu verstehen, regelmäßig für fast einen Monat landauf, landab. Am Ende verfasst Rob für die Freunde in USA einen Bericht über dieses Deutschland, in dem er mich mit klugen Beobachtungen jedes Mal verblüfft.
Rob hält fest:
Was die Deutschen über den VW-Skandal dächten.
Warum die Deutschen lieber in den kleinen Hotelzimmern privat geführter Hotels statt Ketten übernachten.
Warum deutsche Supermärkte in Qualität und Auswahl keineswegs an ihr US-Pendant ran kämen. Nur bei Schokolade und Süßwaren, allenfalls.
Recht so.
Auch was Rob über das Essen in Deutschland schreibt, ist lesenswert. Nur an einer Stelle, lieber Rob, da stutzte ich: "Das beste Eis überhaupt", schreibt er, das gäbe es in Frankfurt, in der Bockenheimer Landstraße. Grapefruit-Eis.

Nichts gegen Frankfurt. Und schon gar nicht gegen die Bockenheimer Landstraße. Und auch wenn es richtig ist, dass das liebe Deutschland uns gelegentlich, gelegentlich mit umwerfendem Gelato zu verblüffen weiß, so muss doch festgestellt werden: Das ist alles nichts. Gegen Sizilien.

Bei Franco in Marsala: Eis aus pürierten schwarzen (!) Brombeeren (!!) vom Ätna (!!!) und zuletzt mit einem Stich heißer Schokolade übergossen.

Beginnen wir mal mit den verschiedenen Grundsorten: In jeder sizilianischen Gelateria sind Milcheis und Wassereis in verschiedenen Vitrinen getrennt. Wassereis heißt Granita. Eigentlich kann man es eher als intensiv schmeckendes Sorbet bezeichnen. Vereinfacht gesagt, ist Granita einfach zermatschte Frucht, ohne weitere Zutaten (naja, ein bisschen Zucker, vielleicht...) eingefroren. Und zu klitzekleinen gefrorenen Eissplittern gecrushed.

Nehmen wir zum Beispiel die "Gelsi neri del Aetna", ("Brombeeren vom Ätna"), das ich bei Franco in Marsala bekam und die nicht einfach nur Wasser mit Himbergeschmack sind. Nein. Am Gaumen kommt eine Ladung schockgefrosteter pürierter Brombeeren an, in einer Kälte und einer Geschmacksdichte, die 37 Grad Außentemperatur ganz schnell vergessen lässt. Nie werde ich diesen Geschmack vergessen. Und mich darüber zu freuen, dass sogar die zermahlenen Brombeer-Körnchen zu spüren sind, die das ganze so echt machen.

Aber damit nicht genug: Bei Franco läuft wie aus einem Wasserhahn heiße Schokolade, mit der er erst den Keks und dann die eiskalte Granita benetzt. Kaum dass die flüssige Schokolade das Eis berührt, ist sie auch schon zu einer knusprigen Kruste erstarrt. Ich werde noch des öfteren darauf zu sprechen kommen, dass Marsala kulinarisch schon ein ganz besonderes Highlight darstellt in einer Region, wo man meint: Dass es da längst nichts mehr zu toppen gäbe.



Und dann das Milcheis. All die Kreationen zwischen "Sette Veli" (benannt nach der legendären "Torta Setteveli") und "Cheesecake con Fragola" ("Käsekuchen-Geschmack, natürlich mit ganzen Stücken von Käsekuchen drin, und eingerührtem Erdbeer-Kompott", seuffzz!), das gute alte Pistazien-Eis. Dann Nocciola, mit dicken Streifen Nutella eingerührt (Doppel-Seuffz!!), es ist, als ob diesen Sommer noch mal ein Feuerwerk an Eissorten-Erfindungswut am wolkenlosen Himmel über Sizilien abginge. Über Schweinereien, denen ich mich gelegentlich nur verschämt und heimlich hingebe, wenn meine Frau nicht guckt, wie "Kinder-Pingui" ("Kinderschokolade"-Eis), "Rocher" (Ist voller zerquetschter Rocher-Kugeln) "Mars" und "Twix" (alle mit zerquetschten Stückchen!) rede ich nicht.

Das Eis. Es ist dem Menschen quasi in die Wiege gelegt. Denn schon die alten Chinesen, jawohl, die schon wieder, die gerade unsere schöne KUKA-Roboterfertigung geschluckt haben, die haben angeblich das Eis erfunden, indem sie frisch gepressten Fruchtsaft mit kaltem Neuschnee vermengten. Das konnte man vor 2.000, 3.000 Jahren noch tun, weil es noch kein VW gab, das in frischem Neuschnee weitaus mehr Abgaspartikel hinterließ als erlaubt.
Bei den Römern, den Leckermäulern, gab es Eis natürlich auch: Schnelle Läufer brachten Schnee von den Gipfeln des Appenin in die Stadt, wo der Schnee ebenfalls mit Fruchtsaft gemixt wurde. Granita.

Mit den Römern, genauer: Mit den Segnungen des Christentums, verschwand das Eis dann wieder für ganze 600 Jahre von der Bildfläche. Spätestens hier muss endlich einmal ausgesprochen werden, was niemand sagt: Eis-technisch war die Erfindung des Christentums ein Rückschritt. Eis, Gelato kam erst wieder in unsere Hände, als brave Christen während der Kreuzzüge zu Eroberungszwecken im Heiligen Land auftauchten. Und die Muslime sich dafür mit den neuesten Eisrezepten bei den Christen revanchierten. Sie hatten von den Römern die Kunst bewahrt, "Scherbet" herzustellen - Schnee und Fruchtsaft. Und das teilten sie mit den Christen.

Es war schon mal alles besser in der Welt. Danach war das Eis in der westlichen Welt. Und aus ihr nicht mehr wegzudenken. Vor allem die Amerikaner machten sich keine zwei Jahrzehnte nach dem revolutionären Sieg über die britischen Kolonialherren daran, ihre Unabhängigkeit durch Erfindung der Eismaschine zu krönen und der Welt hinfort in der Erzeugung von Eissorten ein Vorbild zu sein.



Kehren wir zurück nach Sizilien. Milchreis und Granita. Aber wer denkt, dass damit alles erledigt wäre, der irrt. Gewaltig. In Mazara del Vallo, sonst eher etwas herb, verführte mich Paolo von der GELATERIA COPPETTA dazu, ein "Brioche con Gelato" zu probieren. Ein süßes Rosinen-Brötchen, in der Mitte halbiert. Und mit verschiedenen Eissorten - in diesem Fall "Sette Veli" und "Cheesecake" -  gefüllt. So eine Art "Eis-Döner" in süß. Brüller! Bedächtig darüber sitzend vergesse ich Welt und BREXIT und Umwelt.

Wie alles in der Welt kennt natürlich auch das Eis nicht nur Erfolg und Wachstum und grenzenlose Renditen. Der Softeis-Boom der Siebziger führte zu Problemen mit der Hygiene - heftige Magen-Darm-Infekte waren die Folge, wenn Ei im Eis verwendet wurde. Oder Eis mehrfach auftaute und wieder eingefroren wurde. Oder wenn der Portionier-Löffel drei Tage im gleichen Wasserbecher schwamm. Man erkennt den Profi heute daran, dass er derlei nicht mehr verwendet und den Löffel unter fließendem Wasser reinigt. Ei ist im Gelato eh keins mehr enthalten. Und so schlemme ich mich bedenkenlos einen sizilischen Segelsommer lang von Gelateria zu Gelateria.



Nicht jeder Eishersteller ist gleichermaßen stolz auf die gleichen Dinge. Im schönen Piana degli Albanesi führte mir Giuseppe die Qualität seines Eises vor Augen, indem er das Hörnchen einfach auf den Kopf stellte. "Schau", sagte er, "So muss das sein! Es muss fest sein. Und darf nicht rausfallen vor lauter Milch." Ich war beeindruckt. Aber weniger über Giuseppe's Theorie, was gutes Eis ausmacht. Sondern über den Dreh mit "Das Eis auf den Kopf stellen". Ich wage derlei nicht. Weil ich mich eh immer mit dem schmelzenden Eis einsaue. Es ist oft ein Kampf: Wer ist nun schneller: Das Eis? Oder die Hitze? Oder ich mit "Eis-Aufessen". Neben meinen ständig eingesauten Hosen, die meine Frau genussvoll fotografiert, läuft ständig Gianduia (gesprochen: "Dddschschannduja", das italienische Wort für Nougat) über meine Pfoten. Am schlimmsten war Eis essen mit der reizenden Desiree. Ich hatte ihr ein Schokoladeneis mitgebracht in der Hitze. Aber da ein heißer Wind wehte, saßen Desiree und ich nur noch zu zweit in einer tröpfelnden Pfütze aus Schokoladen-Eiscreme - sowas verbindet.

Chefin und Mitarbeiterin: Margherita und Francesca in Trapani in der Gelateria PANNA & Co.

Bei all den Schwierigkeiten wird definitiv außer acht gelassen, was für ein Wirtschaftsfaktor das mit dem Gelato mittlerweile in Italien ist. Fünf Milliarden Euro setzt die Branche mittlerweile jährlich um. Das ist mit "Zwei-Euro-Artikeln" mehr als der halbe Jahresumsatz der Buchbranche in Deutschland. In den 40.000 Gelaterien Italiens arbeiten 150.000 Mitarbeiter - und die Branche verzeichnet: "Wwwwwachstum!" Dabei darf man das alles nicht unterschätzen: Denn um Eis herzustellen und zu vertreiben, braucht man Eismaschinen. Und Kühlschränke. Und Milch. Und Läden. Ein ganzer Rattenschwanz an Lieferanten verdient also an diesem Wirtschaftsboom kräftig mit.

Debora in Lipari auf der gleichnamigen Insel. Sie hat sich in diesem Jahr mit einer Gelateria selbständig gemacht.

Und wenn man dann denkt: Nun hätte man in Sizilien wirklich, aber auch wirklich alles gesehen und gekostet, was es an Eis so zu schmecken gäbe: Dann steht in einer kleinen Gelateria im Örtchen Lipari plötzlich Debora vor einem. Debora hat sich mit einer kleinen Gelateria CRISPI AL 61 vor kurzem dort selbständig gemacht, wo die Schwimmpontons im Norden des Städtchens Lipari auf der gleichnamigen Insel liegen. Eine Insel-Gelateria, sozusagen. Weil Debora gerade erst angefangen hat, hat sie in ihrer kleinen Gelaterie auch nur sechs, acht Sorten. Aber die haben es allesamt echt in sich. Nach dem ersten Eis musste dann auch gleich ein zweites her. Und das war dann noch mal mindestens genauso gut. Nach ihrem Geheimnis gefragt, sagt Debora: "Ich nehme nur Früchte, die hier auf der Insel wachsen. Von Leuten, die ich kenne. Und dann", sie kichert verschmitzt, " verkoche ich die Früchte zu Marmelade. Erst dann kommt das in mein Eis."

Herrje.



Dienstag, 23. August 2016

Einhand um Sizilien, Teil VII: Durch die Straße von Messina. Windhosen.Böen. Und die Spur des Odysseus.

In lockerer Reihenfolge erzähle ich in dieser Artikelserie meine Reise 
um Sizilien auf meiner 31-Fuß-Yacht LEVJE im Sommer 2016. 
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Bei der Einfahrt in die Straße von Messina vergangene Woche: Zwei Windhosen. Die weiße links befindet sich gerade in Auflösung, während der kleine bleigraue Schlauch weiter rechts gerade dabei ist, sich auszubilden. Selbst wenn alles weit entfernt ist, wird der Segler auf seinem kleinen Gefährt doch ehrfürchtig.















Das Nachdenken über Homer, über Odysseus und seine wundersame Odyssee und deren genaue Route: Es gehört zum Segeln im Mittelmeer. Unzählige Autoren haben über das Thema geschrieben. Von Göran Schildt's "Im Kielwasser des Odysseus" bis "Terra X", Folge 27 und YOUTUBE: Odysseus und seine Reiseroute bewegen die Gemüter. Bis heute.

Die Felsen vor dem sizilischen Aci Trezza. Und warum sie wegen Odysseus hier liegen...


An kaum einem anderen Abschnitt des Mittelmeeres, nicht in der Ägäis, nicht im türkischen Kleinasien, schon gar nicht im heutigen Ithaka, dessen felsigen Boden die Schliemanns und Dörpfelds vergebens durchgruben, stößt man auf derart viele Hinweise auf Odysseus und die Beschreibung seiner Reise wie im Gebiet zwischen Süditalien und der Ostküste Siziliens.  "Odysseo" hier. "Ulysse" da.

Das hat mit zweierlei zu tun. Erstens damit, dass in diesem geografischen Gebiet zwischen der Schuhsohle des italienischen Stiefels und der Küste unterm Ätna sehr viele Orte sich und ihre Geschichte mit Odysseus in Verbindung bringen. Nehmen wir mal das unschuldige Dörfchen Aci Trezza. Das liegt genau zwischen Taormina und Catania unterhalb des Ätna an einem Küstenstrich,  der dank Goethe zu den Keimzellen und Brutstätten des modernen Tourismus gehört. Dort erzählt man sich und jedem Fremden, der es hören mag, die Geschichte, dass die merkwürdigen Basaltformationen, die den Hafen von Aci Trezza heute so malerisch einrahmen, von Polyphem selbst stammen. Der einäugige Riese hätte sie, berauscht, seines einzigen Auges beraubt und von Odysseus wie ein 'Looser' aufs Kreuz gelegt, wütend dem Flüchtenden ins Meer hinaus nachgeschleudert - wo sie noch heute stehen.

Eine schöne Geschichte. Sie ist natürlich nicht wahr, aber doch bewundernswert gut erfunden. Vermutlich stammt sie von einem hochbegabten Dorfschullehrer, der Anfang des 19. Jahrhunderts im Dorf seine Lümmel endlich mal für lokale Geologie interessieren wollte. Was bei den Lümmeln in der Schule funktioniert, funktioniert erst recht beim Touristen. Und so hielt sich die Geschichte vom geblendeten Polyphem und seinen Steinen in der Welt bis heute. Und ziert jeden Sizilien-Reiseführer. Menschen wollen Emotionen. Sonst funktioniert ihr Hirn schlecht, sagt Hansgeorg Häusl, Gehirnforscher und Marketing-Messias.

Aber auch neue Geschichten kommen hinzu. So benamst das schöne Roccella Ionica, das eigentlich dank Italiens größtem Jazz Festival und einer wunderschönen Küste mit Bergen umwerfender 'Antipasti di Pesce' über mangelnden Touristenzuspruch nicht zu klagen braucht, seine Marina "Porto di Ulisse" - Hafen des Odysseus. Einen Hafen gabs hier, bevor neuzeitliche Investoren im Bund mit Marketing-Genies ihn gebaren, nie.

Es gibt - zweitens - neben diesen gelungenen Kreationen aus alten und neuen Marketing-Lab's aber Orte, an denen sich echte Bezüge herstellen lassen, zu Odysseus.

Nehmen wir mal die Geschichte von Scylla und Carybdis. Scylla, ein widerwärtiges Meerungeheuer, das von einem Felsen am Festland heraus die geifertriefenden Zähne seiner sechs Köpfe in die Leiber der vorbeifahrenden Matrosen schlägt. Und sie frisst. Und gegenüber Charybdis. Der Strudel, der drei Mal am Tag Meerwasser einsaugt und gurgelnd wieder ausspeit und dadurch Mannschaften und Schiffe in Bedrängnis bringt.



Natürlich ist das erstunken und erlogen. Aber eben nicht wirklich schlecht erfunden. Deshalb weil:

Auf Lipari hatten wir herrliche Tage verbracht - siehe die letzten Posts über Vulkane und heiße Quellen. Vor allem hatte ich auf guten Wind gewartet, der sich in Gestalt eines Nordwest 5-6 zeigte und schnelle Fahrt zur 35 Seemeilen östlich gelegenen Einfahrt in die Straße von Messina verhieß. Der Wind kam pünktlich Nachmittags um zwei und trieb uns der Meerenge entgegen. Bis sich - wie schon an der vorherigen Tagen auch - Windhosen genau voraus an der Einfahrt in die Straße von Messina zeigten, wie im ersten Foto sichtbar. Auch wenn ich annahm, dass die Windhosen mit dem Nordwest mit und damit von uns weg zogen, sind sie immer noch ein beeindruckendes Wetterphänomen, auf dem man besser unablässig seine wachsames Auge ruhen lässt statt es einfach auf die leichte Schulter zu nehmen.

Nicht auszudenken, wenn man da hinein segelte in einen der beiden Schläuche, die wie die Schlünde eines Ungeheuers vom Himmel aufs Meer herunter ragen. Und die Mannschaft vom Deck eines Schiffes fressen...

Charybdis, der große Strudel. Noch Rod Heikell zitiert in seinem KÜSTENHANDBUCH ITALIEN  für die Straße von Messina das ihm vorliegende  KÜSTENHANDBUCH DER BRITISCHEN ADMIRALITÄT: "Die aus der Antike bekannten Strömungen und Strudel sind dergestalt, dass eine gewisse Vorsicht beim Befahren der Straße von Messina notwendig ist, außerdem sind Schiffe auf beiden Seiten der Straße in der Nähe des Hochlandes heftigen Böen ausgesetzt, die durch die Täler auf die Wasserstraße mit solcher Stärke einfallen, dass ein kleineres Schiff schon mal in Bedrängnis kommt."

Natürlich laufen vor allem an der Engstelle starke Strömungen, sie sind eher die Ausnahme. Die Versetzung durch Strom stellt man aber immer noch fest, wenn man die Engen passiert. Genauso wie die merkwürdigen "Zipfelmützen" auf dem Wasser, die ich beim ersten Befahren der Meerenge 2004 bemerkt hatte: Wirbel und auffällige Strömungsmuster, die meine damalige Crew faszinierten. Rod Heikell: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Straße von Messina in der Antike viel gefährlicher war" -  bis 1783 ein Erdbeben die Topografie des Meeresbodens veränderte. Und dem Strudel, der sich vor der Ortschaft Scilla befand, den Graus machte. Heikell zitiert den Bericht eines britischen Admirals von 1824: "'Ich habe mehrere Kriegsschiffe gesehen, darunter eines mit 74 Kanonen, die herumgewirbelt wurden, als sie in die Strudel gerieten."

In der Dunkelheit gegen 22 Uhr kamen wir in Messina an und blieben die Nacht über dort. Die Weiterfahrt am nächsten Tag hatte es in sich. Gegen Mittag in Messina erst Windstille. Dann eine Böenwalze von steuerbord achtern von den sizilischen Hängen herunter, die LEVJE wechselweise flach aufs Wasser legte. Und dann ungebremst in den Wind schießen ließ. So ging es das ganze Stück nach Süden von Messina bis hinaus aus der Straße. Wo nach drei Stunden der Spuk ganz plötzlich vorbei war, als hätte jemand den Schalter des Ventilators ausgeknipst. Und den Rest des Tages nur noch endlose Motorenstunden uns nach Taormina brachten.

Was, wenn die Geschichten von Odysseus wahr wären?
Wenn sich in den Erzählungen einfach die Geschichten der Seeleute vor 3.000 Jahren wiederfinden, die sie sich in den Kneipen erzählten? In die sie ihre Erfahrungen mit regionalen Wetteranomalien verpackten? Und an andere Seereisende weitergaben?

Nehmen wir mal die Geschichte vom Windsack des Odysseus. Sie erinnern sich, ja? Odysseus hatte ja sein Fernbleiben vom häuslichen Herd, sein jahrzehntelange Herumtreiberei im Mittelmeer - öffentlich, wohl in Richtung seiner Frau? - so begründet:

Der Windgott Aiolos habe ihm einen Lederbeutel unbekannten Inhalts geschenkt, der keinesfalls vor Ankunft in Ithaka geöffnet werden sollte.
Zwei gierige Matrosen an Bord des Schiffes konnten sich aber nicht beherrschen. Und öffneten den Sack, als Ithaka in Sichtweite war.
Wie durch Zauber entsprangen dem Sack kreuz und quer durcheinander fahrende Böen und Winde, die Odysseus' Boot von der ersehnten Küste und seiner geliebten Penelope weg hinaus aufs Meer trieben. Wo er dann für weitere zehn Jahre herumirren musste. Wir wissen: Es war nicht immer nur zu seinem Leidwesen.

Was an der Geschichte richtig ist, sind die stets wechselnden Winde in und östlich der Straße von Messina. Wer jemals den gleichnamigen Golf bei dem Örtchen Squilace durchsegelte, der weiß, wovon die Rede ist. Wechselnde Winde. Winde von hier nach da. Eben ein Nichts. Dann ein grimmiges Hui. Ein Fauchen. Oder wie italienische Segler heute sagen:

"Il Golfo di Squillace
al Marinaio non da pace!"

Der Golf von Squillace - er lässt dem Seemann keine Ruh'. Nein Homer, Odysseus: Sie haben recht. Die Orte zu identifizieren, an denen Odysseus unterwegs war, wird weiterhin Generationen unterhalten. Und nur gelegentlich gelingen. Aber in seine Lügen-Geschichten von Lotosesssern und einäugigen Riesen und schönen Frauen und bösen Männern sind eine Art 3.000 Jahre alter NAVTEX-Mitteilungen eingeflossen. Regionale Warnungen vor Wind. Und Wetter. Und Wellen. Geschichten, Erfahrungen von Seeleuten, die vor drei Jahrtausenden die Orte, die Meere befuhren und das erzählten. Sie hatten erlebt, was wir heute noch erleben.



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Donnerstag, 11. August 2016

Einhand um Sizilien, Teil VI. Unterwegs im Krater.

In lockerer Reihenfolge erzähle ich in dieser Artikelserie meine Reise 
um Sizilien auf meiner 31-Fuß-Yacht LEVJE im Sommer 2016. 


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Auf der Insel Vulcano, einer der liparischen Inseln nördlich von Sizilien, gibt es zwei Ankerbuchten. Die eine - Porto di Levante - geht nach Osten und schützt vor dem Nordwest. Die andere - Porto di Ponente - geht nach Nordwest. Und beide: Liegen genau zu Füßen des Vulkankraters, der sich genau 499 Meter über dem Meer erhebt und den die Einheimischen respektvoll "Il Cratere", "DEN Krater" nennen. Als würde es sich bei dem Vulkan, der immer noch zu seinen Füßen Schwefeldämpfe aus dem Meer aufsteigen lässt, um einen etwas wunderlichen alten Onkel handeln, der gelegentlich einen über den Durst trinkt.

500 Höhenmeter also. Zuerst entlang der Partymeile des 360-Seelen-Ortes. Denn Vulcano lebt vom Tourismus - vor allem jetzt im Ferragosto. Aber die Partymeile ist eine kleine einfache Teerstraße, die schnurstracks unter schattigen Bäumen zum Fuß des Vulkans, wo ein allererstes Schild "800 Meter" bis zum Krater verheißt.



Wer Italien kennt und das Land zu Fuß bereist, der weiß aus Erfahrung, dass italienische Angaben über "Wegstrecken zu Fuß" immer mehr mit Lottozahlen zu tun haben als mit der tatsächlichen Wegentfernung. Der Hinweis "dieci minuti" beispielsweise sollte beispielsweise immer mit der Näherungszahl 6,59382 multipliziert werden - das entspricht dann eher dem, was man tatsächlich zu laufen hat. Und auch die Startangabe "800 Meter"sind zwar eine durchaus motivierende Angabe für jeden Fußlahmen, haben aber mit der Wirklichkeit soviel zu tun wie PIRATES OF THE CARIBEAN, Teil III.



Der Weg beginnt zwischen Ginsterbüschen. Und im schwarzen Feinsplitt - fein zermahlenen Basaltsplittern, die schnell die Bootsschuhe füllen. Ich aber bin mit meinen geliebten Flipflops unterwegs. Denn: Sie zwingen mich bei jedem Schritt zum sehr konzentriert darauf achten, wohin ich meinen Fuß setze. Zum achtsamen Gehen. Und Steinchen können auch keine reinfallen  ;-)

Keine 200 Höhenmeter später ist es schlagartig vorbei mit Ginsterbüschen und jeglichem Bewuchs, die "Baumgrenze" auf Vulcano liegt deutlich tiefer als in den Alpen. Der Fußweg geht über von splitterndem Geröll in harten rötlichen Fels. Wie mit dem Lineal gezogen endet der Schotter. Beginnt das Gestein. Die Landschaft reduziert sich auf drei Farben schwarz, rosa, tiefblau. Stille umfängt den Wanderer. Und feiner rötlicher Staub seine Füße.

Und dann verheißt das Schild die letzten 100 Meter bis zum Krater. Es ist klar, dass das nicht stimmen kann - trotzdem verleiht so was Flügel. Und plötzlich steht man dann hier:



Etwas, das aussieht wie ein gewaltiger Wumms in der Landschaft. Als hätte ein Meteorit eingeschlagen. Oder ein strafender Gott in allgewaltigem Zorn etwas Großes, sehr Großes hierher geschleudert. Ein paar Unentwegte, Mutige sind hinabgeklettert, auf den Grund. Und haben aus Steinen etwas auf den Grund des Kraters geschrieben, der mit Sonden und Fühlern gespickt ist. Der Krater und seine Ruhe: Sie sind fragil.

Auf dem Karter befindet man sich in einer Wüstenei. Kein Baum, kein Strauch schenkt Trost, der Mensch steht verloren in dieser Landschaft, die ihm deutlich sagt: "Du hast hier nichts verloren. Dies ist ein Garten, der einem höheren Wesen gehört."



Aus hundert Erdlöchern steigt Schwefeldampf auf, der zischend, pfeifend, brodelnd irgendwo aus wer weiß welchen Tiefen der Hexenküche in Mutter Erde seinen Weg durch kilometerlange Spalten nach oben findet. Dort, wo Dampf dem Gestein entweicht und heißen Nebenschwaden gleich vom Wind über das Gestein getrieben wird, lagert sich Schwefel ab. Wer einsam dort oben steht, der steht mitten im Schwefeldampf. Der Weg ist übersät mit großen und kleinen Fumarolen, Hunderte Spalten, Ritzen,



Löcher, Engen, aus denen es zischt und quillt und stiebt. Die Dämpfe, schreibt Wikipedia, sind ein Gebräu verschiedenster Gase und enthalten zu 1% auch "Schwefelwasserstoff. Die Giftigkeit des Gases ist schon im ppm-Bereich erheblich", auch wenn der Wind dort oben die Gase gleich bei deren Austritt verdünnt und verwirbelt.





Ich aber bin fasziniert von dem gewaltigen Garten, in dem ich mich befinde und der mich meist gleichgültig, manchmal böse aus zwei dampfenden Augen anblickt. Klein fühlt sich der Eindringling in dieser Welt, klein, weil Dich hier die Erdzeitalter anblicken und Du Dich klein fühlst vor der Gewalt dessen, was sich vor dem Auge ausbreitet.

Ob sich die Trumps, die Putins, die Erdogans, die Orbans ändern würden? Wenn man sie hier herauf schaffte? Und drei Tage allein ließe, jeden für sich, mit sich und nichts als sich selbst allein?
Ohne Publikum, ohne jubelnde Entourage, die ihnen beständig ins Ohr flüstert: "Du bist groß"?

Ob sie ihr Denken ändern würden?














Ich weiß es nicht. Ein Ort der Umkehr wie bei Dante ist "Il Cratere", ein Ort des Staunens und der Selbstvergewisserung für den, der nicht nur ein Spektakel darin sieht.

Die liparischen Inseln: Sie sind mehr als ein touristisches Event. Und mehr als ein Fünf-Minuten-Kitzel.






















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Mare Più: heißt "mehr Meer". 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:



Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:

"... ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis."
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

"... eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre."
YACHT im Mai 2015 

"Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt."
SEGELREPORTER im Dezember 2015

"... ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend."
LITERATURBOOT im Juli 2015

"Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist 'Einmal München-Antalya, bitte!' definitiv zu empfehlen."

RATGEBER.REISE. im Juni 2015







Dienstag, 9. August 2016

Einhand um Sizilien, Teil V: Die Insel. Der Gestank. Und das Geblubber.

In lockerer Reihenfolge erzähle ich in dieser Artikelserie meine Reise 
um Sizilien auf meiner 31-Fuß-Yacht LEVJE im Sommer 2016. 


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Zweieinhalb Tagereisen östlich von Palermo stinkt es. Gewaltig.

Der Geruch fällt auf, als wir gegen Abend die Durchfahrt zwischen den Inseln Lipari und der Insel Vulcano hinter uns haben und langsam nach Südwesten in die Ankerbucht der Insel Vulcano eindrehen, in den Porto di Levante.

Viele Boote liegen jetzt im August hier in der Bucht. Aber um ehrlich zu sein: ich hatte jetzt im Ferragosto, dem italienischen Ferienmonat August, viel mehr erwartet. Die meisten von ihnen sind Segelyachten: Große, vornehme. Kleine, unscheinbare. Wie wir. Auch ein großes Tankschiff liegt südlich am Fähranleger, zuerst denke ich: Ein Wassertankschiff, das wie so oft auf den Insel Trinkwasser aus Quellen des Festlands heraus auf die Inseln bringt. Aber damit sollte ich falsch liegen.

Der strenge Geruch nimmt zu, je näher wir an die Bucht herankommen. Ein Geruch nach Gas. Der Kenner würde sagen: In der Nase voll, ein Geruch von fauligen Eiern mit etwas gammeligem Heu darin. Am Gaumen intensiv nach Gas schmeckend mit Noten von blankem Metall, Rost und Buttersäure (vulgo: "Stinkbombe"). Im Abgang etwas Bittermandel, Schwarzpulver und abgebrannte Streichhölzer. So etwa. Die oft zitierte "Waldbeere" oder "Bitterschokolade": sie riechen definitiv anders.

Zwischen den Booten suchen wir unseren Ankerplatz. Das ist auf Lipari und den angrenzenden Inseln überhaupt nicht leicht. Die Inseln sind Vulkaninseln, die sich steil aus Meerestiefen um 1.500 Meter vom Grund der See erheben. Wenige Meter vom Ufer ist die Wassertiefe gleich bei 44 Metern. Eigentlich sind die liparischen Inseln allesamt steile Vulkankegel, die sich wie mit Lineal eingezeichnet vom nördlichen Vesuv bei Neapel über den stets aktiven Stromboli, die nördlichste der liparischen Inseln über Panarea, Lipari, Vulcano bis hinunter zum 3.300 Meter hohen Ätna auf Sizilien erstrecken. Die brodelnde Küche im Erdinneren: Auf dieser Linie zwischen Vesuv und Ätna kommt man ihr im Nordosten Siziliens verflixt nah.

Herumkurven zwischen den Ankerliegern im Abenddämmer auf der Suche nach einem geeigneten Ankeplatz: Nach soetwas wie fünf Meter idealer Ankertiefe statt 44 Meter. Nach etwas Sand unter dem Kiel statt erstarrter Lava-Krusten oder diamanthartem schwarzem Basalt. Und das Ganze windgeschützt, bitteschön. Der Geruch - er steigert sich langsam zum Gestank.

Ankern unter großem Krater: Der Fährhafen der Insel Vulcano, der blaue Tanker. Alles freidlich unter "Il Cratere", dem immer noch aktiven Vulkankegel der Insel Vulcano.


Je weiter wir die Bucht abfahren, je näher wir dem blau-weißen Tanker kommen: Umso intensiver wird das Geruchserlebnis. Er liegt über allem. Er scheint in den Kleidern zu stecken. Er scheint - aus dem Tanker zu kommen. Der Tanker? Ein leckgeschlagener Gastanker? Da wird doch nicht Gas ausströmen... Einen vagen Moment lang neige ich dieser Theorie zu. Aber dafür ist auf den umliegenden Booten alles zu ruhig. Keine Panik zu spüren. Alles ein friedlicher Abend unter fürchterlichem Geruch. Um mich zu vergewissern, dass es nicht der Tanker ist, halte ich Ausschau nach jemandem, der gerade auf dem Boot raucht. Und sich eine Zigarette anzündet, die uns alle, alle samt dem halben Vulkankrater unweigerlich in die Luft jagen würde. "Rauchen ist ungesund", ja ja. Aber hier raucht gerade niemand.

Auch das Einfahren des Ankers in den Grund ändert am Geruch so gar nichts. Hatte ich auch nicht erwartet. Der Geruch bleibt intensiv. Wer jetzt sein unschuldiges Frühstücksei äße, der käme auf den Gedanken: Das Ei stinkt.

Hier ißt aber niemand sein Ei. 

Nur der Tanker pumpt unschuldig irgendwas in Richtung Land. 

Ein kurzer Schwimm im abendlichen Meer bringt die Lösung. Keine fünfzig Meter von LEVJE entfernt blubbert das Meer. An fünf bis zehn Stellen, großen wie kleinen, steigt heißes Gas aus dem ein Meter tiefen Fels-Sandboden. Blubbert kochendheiß an die Oberfläche. Der Geruch? Astreiner Schwefel, den Mutter Erde aus ihrem Inneren in großen Blasen an die Meeres-Oberfläche schickt.

Am nächsten Morgen stehe ich ganz früh auf und schwimme zaghaft zum Geblubber. Von heißen Quellen schreibt auch Rod Heikell in seinem Küstenhandbuch Italien, sein launiger Rat lässt mich wieder einmal England und seinen Humor arg vermissen:

"Durch entsprechenden Abstand von den Quellen kann man die Temperatur seines Bades wählen".

Aha.

Also zuerst mal ein kleines Quellchen getestet. Der Geruch im Wasser nimmt intensiv zu. Schwefel über den Wassern. Und dann: warmes Badewasser. Ich aale mich morgens um sieben allein im Meer zwischen sieben brodelnden Quellen.

Also gut. Die ist erste Quelle. Jetzt steigern. Da vorne ist großes Gebrodel. Also hin. Vorsichtig schwimme ich Beine voraus Richtung Quelle. Die Blasen haben ungefähr Fußballgröße, sie zerplatzen im Schwell, den draußen die ablegende Fähre hereinsendet. Und: Hier ist es richtig heiß! Wer der Quelle zu nahe kommt, der zuckt schnell zurück.

Lange bleibe ich im Wasser, kaum dass ich mich lösen kann. Was muss das an einem kalten Novembermorgen hier Spass machen, wenn draußen schon alles kalt ist. Und drin das Schwefelgeblubber das Wasser auf mehr als Badewassertemperatur erwärmt. 

Die Vulkaninseln. Sie haben was für sich. Nur der intensive Geruch aus Mutter Erde's Küche ...




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Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
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• Griechenland
• Türkei
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Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:

"... ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis."
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

"... eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre."
YACHT im Mai 2015 

"Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt."
SEGELREPORTER im Dezember 2015

"... ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend."
LITERATURBOOT im Juli 2015

"Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist 'Einmal München-Antalya, bitte!' definitiv zu empfehlen."

RATGEBER.REISE. im Juni 2015




Sonntag, 7. August 2016

So leben die Anderen: In den Straßen von Palermo.








In lockerer Reihenfolge erzähle ich in dieser Artikelserie meine Reise 
um Sizilien auf meiner 31-Fuß-Yacht LEVJE im Sommer 2016. 
Alle Artikel dieser Reihe finden Sie auf Klick HIER.

Heute bin ich nach Palermo gesegelt. Eigentlich wollte ich ja irgendwie drumherum. Zu hart ist die Stadt, zu sehr ist mein Bild geprägt, wie es damals war, in Palermo, an dem Tag, an dem ich zum ersten Mal hier war, im August 1983. An dem Tag, als Staatsanwalt Dalla Chiesa samt seiner hochschwangeren Frau in diesen Straßen von der Mafia erschossen wurden. Ein kleiner FIAT. Zwei blutüberströmte Leichen darin. Menschen in den Straßen, die ohnmächtig die Fäuste ballten.

Es dauerte ein weiteres Jahrzehnt und einige weitere ermordete Richter und Staatsanwälte, bis die Wut der Bevölkerung in Widerstand umschlug. Prominente Verhaftungen und Schauprozesse waren die Folge, die Mafia wurde zurückgedrängt. Verschwunden aber ist ist sie keineswegs.



Palermo heute: Ist immer noch hart drauf. Aber nicht nur. Natürlich gibt es auch die teuren Läden in der Innenstadt. Aber das ist nicht Palermo - jedenfalls nicht nur. Wer nur 100 Meter abbiegt von den touristischen Magneten, dem PALAZZO DEI NORMANNI oder dem Dom, in dem der Staufer Friedrich II. begraben liegt, der bekommt eine Stadt zu sehen, in der Schönheit und Häßlichkeit ganz ganz eng beinander liegen. Und eine faszinierende Verbindung eingehen.



Denn das ist Sizilien: Es ist eine Reise in das alte Italien. In dem Einkaufszentren, Malls zum Shoppen und MacDonalds noch Lichtjahre entfernt sind. Eine Welt, in der Wut, Elend und Schönheit eng, ganz eng beieinander liegen.



Zum Beispiel hier. Nur wenige Schritte entfernt von einer Ansammlung Mülltonnen liegt diese Kirchenfassade aus dem 13. Jahrhundert. Frühgotisches Kirchenportal unter einer Fensterrosette. Und kaum, dass ich durch die enge Holztür das Kircheninnere betreten habe, bietet sich dieser Anblick. Palermo ist auch die Stadt der Innenhöfe. Und das mag mit ihrer maurischen und spanischen Vergangenheit zu tun haben.



Ein mittelalterlicher Kreuzgang. Ein Augustinermönch sitzt auf der Ballustrade, liest - es ist Nachmittag - in seinem Brevier. Der Frieden der Welt. Nur eine Schrittlänge entfernt von Grobheit, Verfall, Mutwille. Auch das ist Palermo. Die Stadt, in der das Mittelalter fortlebt.



Eine Straße weiter: Franco (Bildmitte) baut mit zwei Kumpels in seiner Schlosserei, die nichts ist als eine kleine Höhlung in einer schmutzig-grauen Hauswand Lampen zusammen. "Eine Restaurantkette hat sie bei uns bestellt. Also bauen wir aus Holz, Lampenfassungen, Drähten etwa 100 Lampen zusammen", sagt Franco.



Seine Schlosserei hat Franco selbst gegründet. Kein Schlosser in dritter Generation. Kein Vater, der den Betrieb an seinen Sohn weitergibt. Nur eine Werkstatt, in der Lampen für eine Restaurantkette zusammengebaut werden. Und drei junge Leute, die hier Arbeit und Auskommen finden. Palermo, die Stadt der kleinen Gewerke.

Und weil das mit "Palermo. Die Stadt, die im Mittelalter verharrt" so verkehrt nicht ist, stehe ich ein paar Schritte weiter mitten zwischen Marktständen. Palermo ist auch die Stadt der Straßenmärkte. Alles, alles kann man hier kaufen. Seine Hemden, deren Stoff der Händler seinen Kunden begeistert anpreist.
















Auch seinen Anzug. "Nuovi Arrivi" verheißt das Schild, "Neue Ware", eben eingetroffen. 39 € kostet so ein Anzug auf diesem Markt - was eindrucksvoll vor Augen führt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, wenn bei uns mal alles den Bach runtergeht. Anzüge gibt es auch dort, wo kein Wachstum möglich ist, wo die Arbeitslosigkeit dauerhaft bei fast 20% liegt und das Bruttosozialprodukt konstant ein Viertel unter europäischem (!) Durchschnitt.



Palermo ist immer noch die Stadt der Märkte, der offenen Auslagen. Egal ob Gemüsehändlerin, ob Fleischer, ob Uhrmacher: Verkauft wird unter freiem Himmel.

Der Uhrmacher hat seine kleine Holzbude mit den Auslagen geöffnet. Er kratzt sich nachdenklich den Bart. Aber nicht, weil ein Kunde ihn mit einem technischen Problem oder einem abstrusen Kundenwunsch konfrontiert hätte. Nein. Der Uhrmacher spielt gerade Dame. Und nutzt die Gelegenheit zum Nachdenken, während sein Spielpartner einen Bekannten begrüßt, typisch sizilianisch mit Männerkuss, versteht sich. "Dama" heisst das Spiel auf sizilianisch, und wer weiß, wie lange es auf den Straßen Palermos schon gespielt wird. Palermo verharrt. Mittelalter.

Die Dinge, die der Uhrmacher anbietet, sind einfach. Quarzuhren, für 4 €, das Stück. Batterien. Wecker. Ein paar Armbänder. Einfache Dinge. Was die Leute zum Leben halt so brauchen. Und genau das sind diese Straßenmärkte. Sie decken den Bedarf der Bewohner. Orangefarbene Paschminas oder ein Paar hübsche griechische Riemensandalen aus chinesischer Fabrikation wird man hier vergebens suchen. Die Straßenmärkte sind nicht für Touristen da. Sondern für die Menschen, die hier leben. Denn Supermärkte: Fehlen in den Straßen von Palermo.

Was aber nicht bedeutet, dass alle hier in Armut leben. Aufs Essen wird - wie überall in Italien - auch in Palermo größter Wert gelegt. Die Tomaten am Stand der Gemüsehändlerin sind frisch und sehen hervorragend aus. So sehr die Straßenmärkte an prekäres Milieu gemahnen mögen: Beim Essen sind sie uns weit voraus in Italien, auch hier. B-Ware der großen Obst und Gemüseproduzenten, die in den Länder des Nordens exportiert wird, kommt nicht auf den Ladentisch. Das Brot an einem Stand - es kostet keinen Euro - ist frisch aus der Backstube, die hinter dem winzigen Verkaufsraum liegt und in der der Lehrling zusammenfegt.


Es scheint, als hätte die Qualität der Lebensmittel, der Restaurants mit den Ansprüchen der Bewohner zu tun. Denn dies gilt für ganz Italien: Wer Mittelmaß liefert beim Essen, ist schnell weg vom Fenster. Sehr schnell. Woher kommt dieser Anspruch ans Essen?

Ein paar Schritte weiter, nur wenige Meter vom Hafen entfernt. Fischhändler und Restaurantbesitzer haben auf der Piazza einfache Stühle und Tische aufgebaut. Die Piazza ist nun ein Freiluftrestaurant. Holzkohlengrills qualmen zwischen dem, was man gerne als Ruinen bezeichnen kann. Hätte nicht der Bürgermeister einer anderen Stadt weit im Norden, der sich aufs trefflichste auf Marketing verstand; hätte also nicht jeder Bürgermeister, sondern Leoluca Orlando, der Bürgermeister von Palermo, der den Kampf gegen die Mafia aufnahm, den Spruch "Arm, aber Sexy" für seine Stadt reklamiert: Man würde es ihm sofort abkaufen.

Palermo ist auch die Stadt der Buchhandlungen. Es gibt sie die Hauptstraße entlang, den Corso Vittorio Emanuele, aber auch in den Seitenstraßen. Es sind kleine Buchhandlungen. Und jede hat sich auf etwas anderes spezialisiert. Allesamt bieten sie Bücher an, das ja. Aber es fehlt das Schreiende, das "Musst-Du-unbedingt-lesen", "Der neue Dingsbums".



Auch was die Bücher angeht, ist Palermo eine Reise ins alte Italien. Eine Reise in die Vergangenheit, auch die meine. In einer Buchhandlung finde ich die Bücher, die ich 1976 in Florenz kaufte. Ein findiger Verleger hatte sie im Touristenland Italien verlegt: 32 Seiten mit Kunstdrucken. Wenig Text. Man fand sie alle 100 Meter in den Städten von Assisi bis Tortona. Jetzt sind es Restbestände, die die Buchhandlungen in Palermo anbieten. Und verscheuern.

Und während ich meinen Weg zum Hafen zurücklege, zu LEVJE, die friedlich in der überaus ehrlichen, gepflegten SOCIETÀ CANOTTIERE DI PALERMO schaukelt, gehen manche Gedanken über Palermo in meinem Kopf herum. Gäbe es eine Stadt unter all den Orten, die ich näher kennenlernen würde, in der ich spontan eine Woche verbringen wollte: Es wäre Palermo. Denn vielleicht ist das so: Unsere Welt des Nordens, und dazu gehört mittlerweile auch das italienische Festland, ist eine Welt, die von Investoren angetrieben wird. BMW und EDEKA und ROCHE und VOLKSWAGEN: Wir verdanken den Investoren und den von ihnen geschaffenen Gebilden unseren Komfort und unseren Wohlstand. Für Investoren war Palermo, in dem die Mafia wütete und wirkt, nie ein gutes Pflaster. Gift für Geld. Sie haben ihren Weg nur selten nach Palermo gefunden.

Das hat Folgen bis heute. Für Palermo. Aber auch für uns.






Sonntag, 31. Juli 2016

Norwegen: Menschen am Meer. Oder: Der 82jährige im Glashaus.






Im Folgenden der Versuch, die Menschen an dieser Küste, ihre Charaktere durch die Ausblicke zu beschreiben, die sie sich jeden Tag verordnen.
Schönes oder Nicht-so-Schönes: Natürlich ist meist reiner Zufall, worauf unser Blick den lieben langen Tag fällt. Aber was unsere Behausungen angeht: Da schaffen wir uns das, worauf wir schauen, schon selber. Mit Folgen. Versuchen wir also, die Menschen, die an der Südostküste Norwegens leben, durch das zu beschreiben, was sie durch ihre Fenster hindurch jeden Tag sehen. Begleiten Sie mich also auf meinem Nachmittags-Spaziergang über den Südwesten der Insel Skåtøy. Ein Spaziergang, während dem ich leiser. Und leiser wurde. Weil die Ausblicke sich steigerten, faszinierender und faszinierender wurden. Wie der letzten Satz einer Symphonie.


Das Sommerhaus.


Beginnen wir unsere Wanderung also in einem Sommerhaus - so einem, wie es viele Menschen hier besitzen, die im zwei Stunden entfernten Oslo der Arbeit wegen leben. Die meisten von ihnen kennen die Insel aus Kindertagen, als sie mit Eltern oder gar schon Großeltern hier auf der Insel Skåtøy die Sommerferien verbrachten. "Zehkappen-ab-Ferien", nennt der Bewohner dieses Sommerhauses die glückliche Art, wie sie als Kinder die nicht endenden, Astrid-Lindgren gleichen Ferien verbrachten. Weil vom wochenlangen Barfußlaufen auf den Felsbuckeln, auf den Wiesen die Zehkappen eigentlich immer irgendwie angescheuert, verletzt waren. Und die Erinnerung an diese Ferien - die ist in dem, was man vor den Fenstern sieht, immer noch präsent. Es gehört zu den beeindruckendsten Erlebnissen meiner fünf Tage, vier Nächte dauernden Reise an die norwegische Küste, wie die Menschen, die ich kennenlernte, in dieser Natur leben. Sich in ihr bewegen. Auch auf dem Meer. Oder in ihren Arbeitsplatz schöne Ausblicke integrieren.



Der Bootsbauer.



Von außen ist seine Werkstatt im südwestlichen Winkel der Insel Skåtøy eine Ansammlung der typischen ochsenblutroten Häuser. Wo er arbeitet und kleine Holzbänke ("Birger's Bank", nach seinem Vater benannt) und kleine Holzboote baut, ist von außen nicht eben hübsch. Etwas windschief stehen die drei alten Schuppen da. Dafür ist dann aber das, was sich dem Auge von Inneren zeigt, weit spannender. Eine Hobelbank, die einen phantastischen Ausblick auf die Bucht draußen bietet. Während der Meister also hobelt, kann er den Blick Sommer wie Winter schweifen lassen über die Bucht, wo zwischen den Felsbuckeln alle paar Tage vielleicht ein neuer Kunde auf seinem Boot aufkreuzt. Und den Bootsbauer um Rat, um Hilfe bittet.



In der Werkstatt gibt es nette Winkel. Zum Beispiel die Ecke mit den alten Werkzeugen, die noch genutzt werden. Den alten Handbohrern. Den Sägen. Den Zangenschlüsseln, die merkwürdig geformt sind, weil Bootsbauer Reidar Braatø - oder früher sein Vater Birger - eine Vorliebe für Zangenschlüssel aus amerikanischer Produktion zu haben scheinen. Der Plan eines Holzbootes - es ist das Holzboot, das alle hier segeln seit 60 Jahren, das, was mich hierher geführt hat, eine Kragerø-Terne, hängt in diesem Stilleben, als hätte es ein holländischer Meister genau an dieser Stelle hier in sein Bild gepinnt.



Eine Wand über der Werkstatt, an der nicht mehr genutztes Werkzeug hängt. Hobel. Handbohrer. Eine alte Schraubzwinge, von der man mindestens zwanzig bracht, um die frisch gehobelte Lärchenholzplanke an einem Bootsrumpf einer Terne zu befestigen. Nein, der Rundgang durch die Werkstatt von Reidar Braatø durch seine "Trebaatbyggerie", seine Holzbootwerft berührt mich besonders. Zumal Reidar Braatø aus gesundheitlichen Gründen dabei ist, sich von all dem zu trennen.





Der 82jährige im Glashaus.



Es dauert eine Weile, bis man das "Glashuset", den rundum verglasten Freisitz des 82jährigen auf dem Gipfel der Klippe erreicht. Jeder, der unten regelmäßig zwischen den Felsbuckeln vorbeisegelt, kennt das Glashuset. Es ist nicht groß: Vielleicht 10, 15 Quadratmeter. Nach drei Seiten hin ist es verglast und drinnen - steht nicht viel. Genau genommen gar nichts. Zwei gemütliche Korbstühle. Ein französisches Fernrohr von 1880, als noch Menschen, nicht Maschinen Linsen schliffen und ein Blick über die Weite der Bucht noch ein leibhaftiges Wunder war. Im leeren Kamin eine Handvoll weißer Kerzen. Zwei Buddelschiffe an der Wand. Und doch ist dieser Ort, den der 82jährige jeden Tag aufsucht, ein besonderer Ort. Ob man sich je an diesem Anblick sattsehen könnte? Ob man dessen je überdrüssig werden könnte? Ich weiß es nicht. Ich glaube es nicht.






















Am schönsten sei es hier, zu übernachten, wenn im Winter der Sturm um das Glashuset heult, erzählt der Neffe des 82jährigen. Für sie als Kinder sei das immer ein großes Abenteuer gewesen. Es wäre auch für mich ein Abenteuer - noch heute. Noch in dieser Nacht unter der Holzdecke zu schlafen, die Meerblau gestrichen ist. Und mir vorstellen: Wie die Möwen im Sturm drumherum streichen.





























Das Geheimnis des alten Holzstadels.



Sie sieht aus von außen, wie Häuser, alte Stadel in Norwegen nun mal aussehen. Alt. Und sehr rot. Wenig deutet darauf hin, was einen erwartet, wenn man die alte Auffahrt, auf der die Fuhrwerke Heu transportierten, hinaufgeht. Und die Tür öffnet. Denn dann:



Eine Holzdecke, die ein Maler aus Dankbarkeit bemalte, weil der Großvater des jetzigen Besitzers ihn ein halbes Jahr in der Scheune wohnen ließ, irgendwann in den zwanziger Jahren. Und wiederum ist alles alt und schlicht und einfach. Vielleicht ist die Kunst zu Leben ähnlich wie die des Fotografierens: Eine Kunst, die darin besteht, zu reduzieren. Zu erkennen, was alles man weglassen könnte. Wegzulassen, was ein Bild stört. Weil es nicht das ist, worauf es ankommt.



Nein, es stimmt schon, was mein Freund Andal einst schrieb. "Kluge Menschen leben dort, wo ihre Sehnsüchte genährt werden."
















Wenn ich nun etwas sagen müsste über die fünf Tage und vier Nächte, die ich in Norwegen verbrachte, etwas, was diese Menschen den anderen Menschen Europas unbedingt mitteilen sollten, damit dies Europa ein interessanter Ort ist und keiner, den man abwählt, dann dies:

Die Geschichte, die mir Trond erzählte, aus seiner Kindheit. Als er zehn Jahre alt war, sagte seine Mutter zu ihm: "Nimm die große Motorkogg. Fahr über die Bucht. Und hol Deinen Vater vom Festland ab." Das ist fast 50 Jahre her. Trond hat es nicht vergessen. Mich beeindruckt, wie die Menschen, die ich kennenlernte, ihre Boote handhaben, was für ein fabelhafter Erzieher das Meer, die Natur sein kann, wenn man sie nur heranlässt. An sich.




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