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Sonntag, 7. August 2016

So leben die Anderen: In den Straßen von Palermo.








In lockerer Reihenfolge erzähle ich in dieser Artikelserie meine Reise 
um Sizilien auf meiner 31-Fuß-Yacht LEVJE im Sommer 2016. 
Alle Artikel dieser Reihe finden Sie auf Klick HIER.

Heute bin ich nach Palermo gesegelt. Eigentlich wollte ich ja irgendwie drumherum. Zu hart ist die Stadt, zu sehr ist mein Bild geprägt, wie es damals war, in Palermo, an dem Tag, an dem ich zum ersten Mal hier war, im August 1983. An dem Tag, als Staatsanwalt Dalla Chiesa samt seiner hochschwangeren Frau in diesen Straßen von der Mafia erschossen wurden. Ein kleiner FIAT. Zwei blutüberströmte Leichen darin. Menschen in den Straßen, die ohnmächtig die Fäuste ballten.

Es dauerte ein weiteres Jahrzehnt und einige weitere ermordete Richter und Staatsanwälte, bis die Wut der Bevölkerung in Widerstand umschlug. Prominente Verhaftungen und Schauprozesse waren die Folge, die Mafia wurde zurückgedrängt. Verschwunden aber ist ist sie keineswegs.



Palermo heute: Ist immer noch hart drauf. Aber nicht nur. Natürlich gibt es auch die teuren Läden in der Innenstadt. Aber das ist nicht Palermo - jedenfalls nicht nur. Wer nur 100 Meter abbiegt von den touristischen Magneten, dem PALAZZO DEI NORMANNI oder dem Dom, in dem der Staufer Friedrich II. begraben liegt, der bekommt eine Stadt zu sehen, in der Schönheit und Häßlichkeit ganz ganz eng beinander liegen. Und eine faszinierende Verbindung eingehen.



Denn das ist Sizilien: Es ist eine Reise in das alte Italien. In dem Einkaufszentren, Malls zum Shoppen und MacDonalds noch Lichtjahre entfernt sind. Eine Welt, in der Wut, Elend und Schönheit eng, ganz eng beieinander liegen.



Zum Beispiel hier. Nur wenige Schritte entfernt von einer Ansammlung Mülltonnen liegt diese Kirchenfassade aus dem 13. Jahrhundert. Frühgotisches Kirchenportal unter einer Fensterrosette. Und kaum, dass ich durch die enge Holztür das Kircheninnere betreten habe, bietet sich dieser Anblick. Palermo ist auch die Stadt der Innenhöfe. Und das mag mit ihrer maurischen und spanischen Vergangenheit zu tun haben.



Ein mittelalterlicher Kreuzgang. Ein Augustinermönch sitzt auf der Ballustrade, liest - es ist Nachmittag - in seinem Brevier. Der Frieden der Welt. Nur eine Schrittlänge entfernt von Grobheit, Verfall, Mutwille. Auch das ist Palermo. Die Stadt, in der das Mittelalter fortlebt.



Eine Straße weiter: Franco (Bildmitte) baut mit zwei Kumpels in seiner Schlosserei, die nichts ist als eine kleine Höhlung in einer schmutzig-grauen Hauswand Lampen zusammen. "Eine Restaurantkette hat sie bei uns bestellt. Also bauen wir aus Holz, Lampenfassungen, Drähten etwa 100 Lampen zusammen", sagt Franco.



Seine Schlosserei hat Franco selbst gegründet. Kein Schlosser in dritter Generation. Kein Vater, der den Betrieb an seinen Sohn weitergibt. Nur eine Werkstatt, in der Lampen für eine Restaurantkette zusammengebaut werden. Und drei junge Leute, die hier Arbeit und Auskommen finden. Palermo, die Stadt der kleinen Gewerke.

Und weil das mit "Palermo. Die Stadt, die im Mittelalter verharrt" so verkehrt nicht ist, stehe ich ein paar Schritte weiter mitten zwischen Marktständen. Palermo ist auch die Stadt der Straßenmärkte. Alles, alles kann man hier kaufen. Seine Hemden, deren Stoff der Händler seinen Kunden begeistert anpreist.
















Auch seinen Anzug. "Nuovi Arrivi" verheißt das Schild, "Neue Ware", eben eingetroffen. 39 € kostet so ein Anzug auf diesem Markt - was eindrucksvoll vor Augen führt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, wenn bei uns mal alles den Bach runtergeht. Anzüge gibt es auch dort, wo kein Wachstum möglich ist, wo die Arbeitslosigkeit dauerhaft bei fast 20% liegt und das Bruttosozialprodukt konstant ein Viertel unter europäischem (!) Durchschnitt.



Palermo ist immer noch die Stadt der Märkte, der offenen Auslagen. Egal ob Gemüsehändlerin, ob Fleischer, ob Uhrmacher: Verkauft wird unter freiem Himmel.

Der Uhrmacher hat seine kleine Holzbude mit den Auslagen geöffnet. Er kratzt sich nachdenklich den Bart. Aber nicht, weil ein Kunde ihn mit einem technischen Problem oder einem abstrusen Kundenwunsch konfrontiert hätte. Nein. Der Uhrmacher spielt gerade Dame. Und nutzt die Gelegenheit zum Nachdenken, während sein Spielpartner einen Bekannten begrüßt, typisch sizilianisch mit Männerkuss, versteht sich. "Dama" heisst das Spiel auf sizilianisch, und wer weiß, wie lange es auf den Straßen Palermos schon gespielt wird. Palermo verharrt. Mittelalter.

Die Dinge, die der Uhrmacher anbietet, sind einfach. Quarzuhren, für 4 €, das Stück. Batterien. Wecker. Ein paar Armbänder. Einfache Dinge. Was die Leute zum Leben halt so brauchen. Und genau das sind diese Straßenmärkte. Sie decken den Bedarf der Bewohner. Orangefarbene Paschminas oder ein Paar hübsche griechische Riemensandalen aus chinesischer Fabrikation wird man hier vergebens suchen. Die Straßenmärkte sind nicht für Touristen da. Sondern für die Menschen, die hier leben. Denn Supermärkte: Fehlen in den Straßen von Palermo.

Was aber nicht bedeutet, dass alle hier in Armut leben. Aufs Essen wird - wie überall in Italien - auch in Palermo größter Wert gelegt. Die Tomaten am Stand der Gemüsehändlerin sind frisch und sehen hervorragend aus. So sehr die Straßenmärkte an prekäres Milieu gemahnen mögen: Beim Essen sind sie uns weit voraus in Italien, auch hier. B-Ware der großen Obst und Gemüseproduzenten, die in den Länder des Nordens exportiert wird, kommt nicht auf den Ladentisch. Das Brot an einem Stand - es kostet keinen Euro - ist frisch aus der Backstube, die hinter dem winzigen Verkaufsraum liegt und in der der Lehrling zusammenfegt.


Es scheint, als hätte die Qualität der Lebensmittel, der Restaurants mit den Ansprüchen der Bewohner zu tun. Denn dies gilt für ganz Italien: Wer Mittelmaß liefert beim Essen, ist schnell weg vom Fenster. Sehr schnell. Woher kommt dieser Anspruch ans Essen?

Ein paar Schritte weiter, nur wenige Meter vom Hafen entfernt. Fischhändler und Restaurantbesitzer haben auf der Piazza einfache Stühle und Tische aufgebaut. Die Piazza ist nun ein Freiluftrestaurant. Holzkohlengrills qualmen zwischen dem, was man gerne als Ruinen bezeichnen kann. Hätte nicht der Bürgermeister einer anderen Stadt weit im Norden, der sich aufs trefflichste auf Marketing verstand; hätte also nicht jeder Bürgermeister, sondern Leoluca Orlando, der Bürgermeister von Palermo, der den Kampf gegen die Mafia aufnahm, den Spruch "Arm, aber Sexy" für seine Stadt reklamiert: Man würde es ihm sofort abkaufen.

Palermo ist auch die Stadt der Buchhandlungen. Es gibt sie die Hauptstraße entlang, den Corso Vittorio Emanuele, aber auch in den Seitenstraßen. Es sind kleine Buchhandlungen. Und jede hat sich auf etwas anderes spezialisiert. Allesamt bieten sie Bücher an, das ja. Aber es fehlt das Schreiende, das "Musst-Du-unbedingt-lesen", "Der neue Dingsbums".



Auch was die Bücher angeht, ist Palermo eine Reise ins alte Italien. Eine Reise in die Vergangenheit, auch die meine. In einer Buchhandlung finde ich die Bücher, die ich 1976 in Florenz kaufte. Ein findiger Verleger hatte sie im Touristenland Italien verlegt: 32 Seiten mit Kunstdrucken. Wenig Text. Man fand sie alle 100 Meter in den Städten von Assisi bis Tortona. Jetzt sind es Restbestände, die die Buchhandlungen in Palermo anbieten. Und verscheuern.

Und während ich meinen Weg zum Hafen zurücklege, zu LEVJE, die friedlich in der überaus ehrlichen, gepflegten SOCIETÀ CANOTTIERE DI PALERMO schaukelt, gehen manche Gedanken über Palermo in meinem Kopf herum. Gäbe es eine Stadt unter all den Orten, die ich näher kennenlernen würde, in der ich spontan eine Woche verbringen wollte: Es wäre Palermo. Denn vielleicht ist das so: Unsere Welt des Nordens, und dazu gehört mittlerweile auch das italienische Festland, ist eine Welt, die von Investoren angetrieben wird. BMW und EDEKA und ROCHE und VOLKSWAGEN: Wir verdanken den Investoren und den von ihnen geschaffenen Gebilden unseren Komfort und unseren Wohlstand. Für Investoren war Palermo, in dem die Mafia wütete und wirkt, nie ein gutes Pflaster. Gift für Geld. Sie haben ihren Weg nur selten nach Palermo gefunden.

Das hat Folgen bis heute. Für Palermo. Aber auch für uns.






Dienstag, 26. Juli 2016

Fünf Tage, vier Nächte in Norwegen: In Kragerø.





Von Sizilien nach Norwegen. Es ist Ende Juli und ich bin im Auftrag einer Zeitschrift eineinhalb Autostunden südlich von Oslo. Fünf Tage. Vier Nächte. In Kragerø, das meine Gastgeber, Segler allesamt, die Perle der norwegischen Küste nennen. Denn sie versichern mir: dass es in diesem Küstenstrich die meisten Buchten und Inseln hat, die man an der Ostküste des fünf-Millionen Einwohner Ländchens Norwegen finden kann.

Fünf Tage, vier Nächte also. Gerade genug, um ein wenig über dieses Land zu schreiben.

Fangen wir einfach damit an, womit für mich der Tag hier anfängt: Morgens der Weg gleich nach dem Aufstehen ans Meer, zum Schwimmen.



Die Tage sind schön hier. Meist ist blauer Himmel, es hat um die zwanzig Grad draußen. Und das Meer an dieser Küste nur knapp darunter. Ich lerne: Es wird nicht kälter, je weiter man nach Norden geht. Es wird auch wärmer. Das Wetter ist so, dass ich denken könnte, es wäre hier immer so. Aber jedes Mal, wenn ich anfange, das zu glauben, versichern mir meine Gastgeber: "You are so lucky to have these beautiful warm days right now." Was ich also bekomme, ist 'Ausnahmezustand'. Wärme. Und viel Sonne. Fast wie auf Sizilien.

An diesem Morgen ist es tatsächlich ein wenig bedeckt. Mein Weg führt am dichten Himbeergebüsch mit den gelben und roten Himbeeren vorbei hinauf auf einen kleinen Grad, der hinunter zum GALLEY POINT führt. Der Weg ist kein Weg, wie man ihn sich vorstellt: Denn der Grat auf der Halbinsel: Es ist ein einziges langgezogenes, glatt poliertes Stück Fels, das sich über die Halbinsel bis hinunter zum Badeplatz azieht. Wenn ich morgens um halb acht zum Schwimmen das Haus verlasse, laufe ich Barfuß über den glatten Felsen. Er ist um diese Zeit schon warm, denn die Sonne scheint schon seit fast drei Stunden drauf: Sonnenaufgang kurz vor fünf. Dafür ist es abends taghell bis weit nach 23 Uhr. Und noch um Mitternacht oder Morgens um drei ist der Himmel nicht ganz dunkel.

Der Fels ist geformt, schrundig und kantig, wie der Rücken eines Wals. Und wie ein Wal schiebt sich der graue, schrundige Walrücken hinaus ins Meer, so dass ich auf dem Walrücken stehe, und einen Moment mir vorstelle, wie es ist, auf ihm zu reisen wie PAIKEA, das Mädchen in dem Film, das auf dem Wal ritt.

Mein Weg führt vorbei an den Wäscheleinen, die ein paar Bewohner von Kragerø hier angebracht haben. und knapp unter den Telegrafenmasten hindurch. Gras und irgendwas wie wilder Schnittlauch, was in den Schrunden wächst. Der Fels selbst ist warm. Es ist angenehm, barfuß darüber zu laufen, selbst wenn ich aufpassen muss, dass ich nicht in irgendwelche vor unvordenklichen Zeiten in den Fels geschraubten Ösen hängen bleibe, an denen die Bewohner eben frühere Wäscheleinen, Häuser oder sonstwas angeschraubt haben, um es vor dem Wind zu schützen. Der Wind scheint Kraft zu entwickeln. In Kragerø.



Fast bin ich nun an der Spitze des Walrückens, am Badeplatz. Ein kleiner Süßwasserteich zwischen den Felsen, nicht mehr als eine Pfütze, in der sich Regenwasser sammelt. Moose und Flechten. Rundes, glattes, warmes Gestein. Man könnte fast denken, die Felsen wären Lebewesen, sind irgendwie heilig, führen ihr eigenes Jahrmillionen währendes Leben. Die Felsen hier erzählen allesamt alte Geschichten. Ich kann plötzlich sehr gut verstehen, dass Isländer, australische Aboriginees Felsen verehren als Orte, an denen die Ahnen leben. IN denen die Ahnen leben.



Ein kleines Stück den schmalen Weg entlang. Und dann bin ich am Badeplatz. Der ist nun auch wieder ein eigentümlicher Ort:



Über die warmen Holzbohlen einer schmalen Stiege hinunter auf den kleinen Vorsprung aus schwarzem Fels. Auch er warm und glatt an diesem Morgen, der Wahlrücken hält für neugierige Fußsohlen hunderterlei Erlebnisse bereit, wenn man bereit ist, sich darauf zu konzentrieren, eine Art Kino ist mein morgendlicher Weg hinunter zum Badeplatz. Nur dass ich den Film mit den Fußsohlen und mit den Augen wahrnehme. In irgendeinem Buch las ich mal, man müsse das Leben nur einfach als ein Spiel sehen. Als eine dauernde Abfolge verschiedener Spiele. Es wäre ganz leicht. Und selbst Arbeiten und Dinge, die man gar nicht mag, werden zu einem Vergnügen. Wenn man nur ein Spiel daraus macht.

Und dann das Meer selbst. Der Walrücken hält weitere Überraschungen für mich bereit. Er ist am angenehmsten dort, wo ihn das Meer überspült. Wer denkt: Das Meer würde den Fels an dieser Stelle auskühlen, irrt.



Denn hier ist der Fels genauso warm wie im Trockenen. Grüne Gewächse wie Kapernsträucher, die sich an dem schwarzen Felsen eingerichtet haben und mit den Wellen hin- und her wandern. Und dann: Im Wasser.

Es ist so anders als das Wasser des Mittelmeers. Weniger salzig. Nicht so hart und kristallen. Und während ich untertauche und einige Züge unter Wasser mache, umgibt mich statt des tiefen, tiefen Blau etwas ganz anderes: Schillerndes Grün, in dem man keine zwei Meter weit sieht. Und in dem man denken könnte: Hier, genau hier in diesen Wellen und nicht im harten kristallenen Blau des Mittelmeers, sind die Mermaids, die Meerjungfrauen zuhause.




























Mare Più: heißt "mehr Meer". 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:



Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:

"... ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis."
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

"... eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre."
YACHT im Mai 2015 

"Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt."
SEGELREPORTER im Dezember 2015

"... ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend."
LITERATURBOOT im Juli 2015

"Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist 'Einmal München-Antalya, bitte!' definitiv zu empfehlen."

RATGEBER.REISE. im Juni 2015




Samstag, 23. Juli 2016

Einhand um Sizilien, Teil III: Die Westküste. In Mazara del Vallo.



In lockerer Reihenfolge erzähle ich in dieser Artikelserie meine Reise 
um Sizilien auf meiner 31-Fuß-Yacht LEVJE im Sommer 2016. 
Alle Artikel dieser Reihe finden Sie auf click HIER.


Von Sciacca sind es gute fünf Stunden bis nach Mazara del Vallo. Vom Boot aus gesehen weitet sich die Landschaft an der Südwestecke zu einem sanften, sandigen Golfs. Lange Ferienorte mit einsamen Sandstränden, an denen eben nichts, aber auch gar nichts los ist, begleiten den Segler auf seinem Weg nach Westen. Kein „Ombrellone“ in Sicht, kein mietbarer Sonnenschirm, kein „Lettino“, das zu jedem Sandstrand Italiens gehört wie der Kern zur Kirsche. Wer hier wohl Urlaub macht? Wer hier wohl lebt? Ein paar Kinder, die weit entfernt am Ufer spielen. Sonst nichts. Die Landschaft ändert sich am Capo Granitola: Von nun an führt der Kurs an einem felsigen Ufer entlang nach Nordwest, der Hafen von Mazara del Vallo ist in eineinhalb Stunde erreicht, die MARINA ADINA macht das Ankommen leicht.

Nicht unbedingt leicht macht es einem das 50.000 Einwohner-Städtchen Mazara del Vallo selber. Der Stadtkern aus zweistöckigen sandfarbenen Kuben. Eine Hand voll 80er Jahre Hochhäuser in der Ferne. Am Hafen sechs, sieben Camper mit „Zinghari“, Zigeunern. Im Màzaro, dem 30 Kilometer langen Fluss, der wenige Schritte vom Hafen ins Meer mündet, steht in der Hitze des Nachmittags schmutziges Brackwasser. Es schert sich wenig um das „Haltet unseren Fluss sauber“, das jemand in ungeschlachten Lettern auf einen verrottenden Fischerkahn sprayte. Am Ufer entlang kleine Geschäfte, mit blechernen Garagentoren verschlossen - es ist ja Nachmittag. Der Fluss windet sich, vorbei an Werften am anderen Ufer, in denen Yachten vergessen aufgepallt zwischen nagelneuen Schiffen verfallen. Ein Trawler, davor an rotten Tauen hängend. Im träge stehenden Braun schaukelt meterlang das Skelett eines großen Fisches. Große Wirbel und Gräten unter der Wasseroberfläche. Nur der armbreite, flache Schädel ragt aus dem schmutzigen Wasser, angenagt von Fischen, Aas für die Möwen. Plötzlich bin ich mittendrin in Hemmingways Geschichte vom ALTEN MANN UND DEM MEER. Und wie der alte Mann am Ende der Geschichte den großen Fisch, den er erjagt, ganz den Haien überlassen muss, so scheint auch dem Städtchen Mazara del Vallo der große Fang zu entgleiten. Neben dem Hafen ein nagelneues Gebäude mit Fischmarkt. Aber die drei, vier Händler blicken den Fremden an, als käme nun der Scheich durch die Tür. Und mit ihm endlich, endlich das große Glück. Ich muss sie enttäuschen. Ein Merluzzo, ein Kabeljau, der ist wenigstens nicht aus Aquakultur. Ein Stück Thunfisch. Und ein paar Heuschreckenkrebse. Auf Gemüsebett gibt das gegrillt zusammen mit eiskaltem Frizzantino ein umwerfendes Abendessen. Die Fischhändler, bei denen wir nichts kaufen, blicken schmachtend drein.


Der Spaziergang am nächsten Tag: Mazara del Vallo gibt sich sperrig. Das Zentrum der Stadt: Die Kasbah. Neben dem Rekord, die größte Fischfangflotte Italiens zu besitzen, lebt in Mazara del Vallo schon immer Italiens größte Kolonie an Tunesiern und Maghrebinern. Vielleicht deswegen, weil Mazara del Vallo der Punkt ist in Europa, der Tunesien, dem Maghreb dem am nächsten liegt? Die Stadt - ein brodelndes Etwas aus Sizilien und Tunesien und Maghreb überhaupt. Und weil das so ist, heißt eben die Innenstadt nicht „Centro“, sondern Kasbah. 


Und das ist sie auch. Winklige Gassen, die plötzlich im Nichts enden. Oder auf orientalisch anmutenden Plätzen. Kleine Kuben von Häusern, dekoriert mit kunstvoll bemalten Fliesen - jeder Kubus in der Kasbah trägt eine anders bemalte Fliese. 


Verlassen und leer liegen die Gassen in der Mittagshitze. Irgendein Geschrei hinter zugezogenen Vorhängen. Ein Postbote, der die Gassen auf seinem gelben Motorroller entlangknattert. Wie weiß der Postbote eigentlich, wo wer wohnt, wenn die kleinen Gassen kaum Namen und die Häuser weder Nummern noch Namen tragen? Eine einfache kleine Welt, doch voll der Wunder und Rätsel. Ein wenig verlaufe ich mich in den einsamen Gassen, stehe plötzlich irgendwo, wo es nicht weitergeht und die Gasse in einem Hauseingang, einem Treppenaufgang endet. 


Doch so schnell wie ich in diesem Labyrinth drin war, bin ich auch wieder draußen: Wo die nette Kasbah aufhört, in der ihre Bewohner adrett den Müll in Tüten zum Abholen an die Fenster hängen, damit die Katzen nicht rankommen, stehe ich plötzlich - vor einem riesigen



Berg von Mülltüten, der sich in der Straße vor einer Hauswand türmt, direkt unter dem Schild, doch hier keinen Müll abzulegen. Die Mülltütenberge: Sie gehörten zum Bild von Palermo Anfang der Achziger Jahre, als ich zum ersten Mal Palermo besuchte und erschüttert war: Wie sich die stinkenden Hügel hinzogen die Hauswände entlang. Die Müllhügel gibt es heute noch, nicht überall. Aber mancherorts wie im Umland des Flughafens von Palermo. Hundert Meter lange Reihen entlang der Schnellstraßen, wo man einfach kurz hält. Am ausgestreckten Arm den Müllbeutel aus dem Wagen fallen lässt. Und hofft, dass die Müllabfuhr nicht erst in drei Wochen zu dieser wilden Sammelstelle kommt. 

Wieder einmal bin ich konfrontiert mit den zwei Gesichtern Siziliens: Dem neuen, das sich modern zeigt, mal entschlossen, mal zaghaft neue Wege geht. Catania. Siracusa. Ragusa. Und dem alten Sizilien der 70er, 80er Jahren, das Sizilien „senza speranza“, ohne Hoffnung. Wo sich der Müll vor barocken Altären der Gassen türmt. Wo Schönheit und Elend ganz, ganz nah beeinander liegen und eine Ehe eingehen. Und genauso ist es hier. Nur wenige Schritte neben dem stinkenden Berg aus Mülltüten trete ich ins Dunkel einer Kirche. Stehe plötzlich im 


gleissendsten Barock und einer Fülle an Schönheit, die mit jeder Wieskirche mithalten kann. Das Barock stürzt in vollem Schwall auf mich ein wie ein Wasserfall, Farben, rankendes Blattwerk, Stein gewordene Anmut, in der ich allein stehe. Nur der Küster lächelt freundlich, als ich durch diese Welt der Stein und Gemälde gewordenen Geschichten laufe, vor und zurück und wieder vor und gar nicht fertig werde mit all dem Rot und Gold und dem Gestus, der da vor mir strahlend liegt.




Vielleicht ist eben das Sizilien. Irgendwie ist Sizilien wie eine Reise in das alte Italien. Das der späten Siebziger, frühen Achziger Jahre. In der Marinas, Malls und Macdonalds noch nicht existieren. Und der Müll noch in den Straßen liegt. Eine Welt, in der noch kein Modernisierungsschub eingesetzt hat und die Vokabel von der „Wettbewerbsfähigkeit“ noch nicht mal begonnen hat, sich ihren Weg in Denken und Vokabular zu suchen. 

Nein, auch wenn es Mazara del Vallo dem Reisenden nicht leicht macht: Auch dies ist das Sizilien, das den Reisenden einfängt und fasziniert und ihn verstehen lässt: Warum die Elterngeneration sagte: „Unsere Hochzeitsreise? Nach Sizilien!“




Mare Più: heißt "mehr Meer". 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:



Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:

"... ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis."
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

"... eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre."
YACHT im Mai 2015 

"Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt."
SEGELREPORTER im Dezember 2015

"... ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend."
LITERATURBOOT im Juli 2015

"Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist 'Einmal München-Antalya, bitte!' definitiv zu empfehlen."

RATGEBER.REISE. im Juni 2015






Montag, 18. Juli 2016

Menschen am Meer: Die Regatta der Lateinersegler in Sciacca.


Am Vorabend der Regatta: Quer durch den Hafen unternehmen die Segler eine "Passagiata su remi", einen Spaziergang unter Rudern hinüber zur Figur der Madonna.

In Sciacca an Siziliens Südküste gibt es - anders als in manch anderen sizilianischen Häfen - gleich zwei Segelclubs, die hervorragende Steganlagen und Liegeplätze für Fahrtensegler anbieten. Die LEGA NAVALE und den CIRCOLO NAUTICO IL CORALLO. Und weil Maria von der LEGA NAVALE gerade keinen Platz hatte, landete ich im CIRCOLO NAUTICO. Das Leben lenkt einen manchmal schon in die richtige Richtung, und Sciacca meinte es gut mit mir.

Denn gleich am nächsten Tag machte mich Franco, der überaus aktive Club-Präsident, auf die alljährlich stattfindende Regatta von Lateiner-Seglern aufmerksam. LA VELA LATINA: Das ist das alte Lateinersegel, das bereits die Römer kannten und nutzten und das über 2.000 Jahre hinweg das Arbeitssegel des Mittelmeeres war. Ob römisches Frachtschiff oder mittelalterliche Galeere oder adriatisches Fischerboot des 19. Jahrhunderts: Alle, alle waren sie mit Lateinersegel unterwegs. Solange, bis sich nach den beiden Weltkriegen Motorantriebe durchsetzten. Zuerst das Lateinersegel verdrängten. Und dann die alten Holzboote, die die Lateinersegel trugen.



Lateinersegel: Man erkennt sie an der langen Stenge am Hauptmast. An ihr wird das Großsegel gesetzt. Und erlaubte bereits in der Antike - anders als bei viereckigen Rahsegeln - ein Aufkreuzen gegen den Wind.



In Sciacca haben sich acht Boote zur Regatta gemeldet. Die Teilnehmer kennen sich lange, und ihre Boote haben alle eine lange Geschichte. Da ist zum Beispiel Santino Marsala. Er ist 76 Jahre alt und

Mittwoch, 6. Juli 2016

Einhand um Sizilien, Teil II. Der Südwesten. Licata. San Leone. Agrigento. Porto Empedocle.

In lockerer Reihenfolge erzähle ich in dieser Artikelserie meine Reise 
um Sizilien auf meiner 31-Fuß-Yacht LEVJE im Sommer 2016. 
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Das nautische Sizilien hat viele Gesichter. Nicht jedes davon ist schön.

Von Malta nach Licata auf Sizilien zurückgekehrt, hält es mich nicht im Hafen. Zwar dauert es einen Tag, bis ich wieder von maltesischem auf italienisches Internet umgestellt habe (schon merkwürdig: einen Tag 'frisst' die Internet-Organisation beim Grenzübertritt immer. Warum eigentlich?), aber danach: Nichts wie raus. Zwar fegt der Wind aus Nordwest die Küste entlang, aber am Ende siegt die Unvernunft: Ich lege am frühen Nachmittag ab. Reffe noch im Hafen aufs zweite Reff. Und dann: Los gehts!

Aber Hand aufs Herz: Das zu machen ist wirklich reine Unvernunft.
Erstens wehen draußen 6bft.
Zweitens genau die Küste entlang. Und von dort, wo ich doch hin will.
Drittens wäre der nächste Hafen San Leone (Agrigento). Was ganz ohne aufkreuzen schon fünf Stunden entfernt wäre.
Viertens käme ich mit Aufkreuzen frühestens neun Uhr Abends an.
Fünftens: ... ach was soll's.

Also gehe ich raus. Lasse LEVJE hoch am Wind laufen, um auszuprobieren, wie sie sich so verhält. Es herrscht ziemlich Seegang. Wellen, die dumpf dröhnend an LEVJE's Bordwand brechen. Im Nu bin ich nass vom überkommenden Wasser - aber trotzdem macht das alles Riesen-Spaß. Eineinhalb Stunden lasse ich LEVJE hinauslaufen ins große Blau, hinüber nach Malta wäre heute ein echtes Vergnügen mit halbem Wind. Aber da bin ich ja gestern erst herüber motort. Grundregel für Malta scheint zu sein wie folgt: Hinüber? Einfach. Retour? Schwierig.



Als ich meinen Wendepunkt erreiche und meine erste Wende hingelegt habe, stelle ich fest, dass wir auf die Strecke nur wenige Seemeilen nach Nordwest gutgemacht haben. Wind, vor allem Welle ist zu stark, die Abdrift ist zu groß. Es dürfte also Mitternacht werden, bis ich San Leone erreiche. Nein, das lassen wir lieber. Ich falle ab. Mit halbem Wind spurtet LEVJE zurück Richtung Hafen Licata, dass es reine Freude ist. Das bräuchte ich mal an dieser Küste: 5 bft. aus Südsüdwest, um mit halbem Wind Richtung Westspitze Siziliens zu schießen. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Der Nordwest: Er ist und bleibt an der Südküste Siziliens in den Sommermonaten der bestimmende Faktor. Weil mich der Hafen nicht lockt, ankere ich in dessen Lee, draußen, allein, auf Reede. Und über mir entfaltet sich die ganze Pracht eines sizilischen Abendhimmels, für die ich sonst wie weit laufen würde. Und die mich noch öfter beschäftigen wird.



Natürlich herrscht am nächsten Tag Windstille. Nix geht. Ich motore also brav die fünf Stunden nach Westnordwest, vorbei am Castello di Montechiaro, das irgendwie irisch von seinem Felsen herunter grüßt. Nördlich davon dreht die Küste nach Nord am Capo Finanza - heißt wirklich so. Kostet auch nix, dran vorbeizusegeln.

Es ist später Nachmittag, als ich San Leone erreiche. Ein moderner Sportboothafen, scheint es. Meine Seekarte auf dem iPAD zeigt in NAVIONICS im und vor dem Hafen ein Dreieck mit Ausrufezeichen. Als ich drauf klicke, erhalte ich den dürren Hinweis "Caution Area". Und: "See Sailing Directions".  Etwas kryptisch. Die Einfahrt zwischen den beiden Steinmolen ist breit. Sieht gut aus. Angler sitzen friedlich auf den Molen. Halten ihre Ruten ins Wasser. Sizilischer Spätnachmittagsfrieden, denke ich. Und schon im ersten Anlauf auf die breite Zufahrt: Rrrrrumms! LEVJE ist genau in der Hafeneinfahrt auf Grund gelaufen. Irgendwas Hartes, Steinernes. Dabei liegt keine Markierung aus. Keine Boje zeigt Gefahr an. Und während ich mit meinen fast vier Tonnen Schiff fluchend auf Grund sitze: Tun die Angler am Ufer keinen Mux. Und starren weiter konzentriert auf ihre Ruten ins Wasser.

Mühselig motore ich LEVJE wieder nach hinten zurück, komme frei, während mir hundertfünfzig Meter vor mir der Hafenmeister zeigt, dass er eine Grundleine in seinem Hafen für mich hat.

Also nochmal. Langsam nähere ich mich wieder der Einfahrt. Rrrrumms. Wieder ein Knall. Wieder ein Schlag. Wieder sitzen wir fest. Gottseidank bin ich diesmal nur mit eineinhalb Knoten unterwegs gewesen, habe mich rangetastet. Aber das Ergebnis ist dasselbe. Wieder hängt LEVJE fest, obwohl sie ja nur 1,60 Tiefgang hat und nichts in der Fußballplatzbreiten Einfahrt darauf hinweist, dass hier eine Untiefe ist. Wieder fluche ich. Mehr aus Sorge um mein Schiff, das bei Derartigem ernsthaften Schaden nehmen kann. Ich stürze nach unten, zitternd vor Sorge, hebe alle Bodenplatten an. Alles trocken. Kein Wasser. Die Kielbolzen sind fest. "LEVJE, tut mir echt leid. Ich hab so Scheiße auf Dich aufgepasst..."

Von den Anglern regt sich keiner. Als wäre ich - nicht da. Auch der Hafenmeister hält nur interessiert seine Muring in der Hand. Wo komme ich hier bloß rein?

Wieder mühsam freikommen. Mein dritter Anlauf. Diesmal auf zwei Drittel nördlich. Rrrrrrumms. Zum dritten Mal aufgelaufen. Der Hafen scheint auf zwei Dritteln seiner Einfahrt unpassierbar zu sein - und niemand findet es für nötig, irgendeine Markierung auszubringen. Ich koche vor Wut, Flüche prasseln aus mir. Stünde jetzt einer vor mir...

Erst im vierten Anlauf schaffe ich - ganz an die nördliche Molenkante geklemmt - die Zufahrt. Hier hat der Hafen über drei Meter Wassertiefe. Was erstmal einer wissen muss!

"Ich sah, dass Du Probleme hattest", sagt Giovanni, der Hafenmeister, als ich nach unten stürze, um mein Schiff gründlich zu untersuchen, ob sie nicht doch irgendeinen Schaden davontrug, kaum, dass die Festmacher steif sind. Nein. Alles heile. Zart streichle ich meinem tapferen Schiff über den Mastfuß. So weit hat sie mich getragen. In die Türkei. Und von der Türkei durchs halbe Mittelmeer. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn ich jetzt Bruch gebaut hätte.

Doch nun Giovanni. Der ist eigentlich ein netter junger Kerl. Aber er hat das Pech, der einzige Mensch zu sein, der nun gerade vor mir steht. Erst weise ich höflich darauf hin, ob schon mal jemand daran gedacht hätte, die Untiefe mit roten Bojen zu markieren?

"Rote Bojen?" Giovanni fragt das so ungläubig, als hätte ich ihm eben vorgeschlagen, auf einem Sack Rote Beete (italienisch: "Barbabietola") den Atlantik zu überqueren.

Als er mich dann darüber informiert, dass der Hafen die Nacht 45 € kosten würde, Toiletten und Duschen aber gerade - leider! - nicht funktionieren würden, platzt mir endgültig der Kragen.

Ich möchte nicht wiedergeben, was der arme Giovanni von mir und seinem Sch...-hafen zu hören bekam. Ich warf einfach meine Leinen los, und steuerte meine arme LEVJE raus, weg von diesem Unglückshafen und diesem Unglücksraben.

Es war halb sieben geworden. Die Sonne sank. Aber eine Stunde weiter westlich lag der Hafen von Porto Empedocle, der Industriehafen von Agrigento. DA MUSSTE zumindest die Hafeneinfahrt frei sein. Und irgendein Eckchen würde ich da schon finden, irgendwo in der Dämmerung zwischen Frachtern und Fischern. Als wollte ich wieder etwas gut machen, motorte ich  LEVJE ganz sacht in die untergehende Sonne. Und gerade, als die Sonne hinter den Bergen versank, liefen wir hinein in den weiten Industriehafen. Drehten langsam eine weite Kurve, dorthin, wo hinter zwei Molenstücken der enge innere Stadthafen mit der Fährpier lag.



Kein schlechtes Hilfsmittel für die erste Orientierung in italienischen Häfen bietet die Website www.cruiserswiki.org. Doch von den über 100 Liegeplätzen, die mir die Seite für Porto Empedocle versprochen hatte, war so gut wie nichts zu erkennen. Eine Telefonnummer war angegeben, von Giuseppe Filippi, dem Hafenmeister. Aber der ging nicht ran. Langsam drehte ich auf die Stege in der Nordwest-Ecke zu.



Da winkte ein Mann, hielt eine Grundleine in der Hand. Es war Giuseppe, mit dem zusammen ich LEVJE in einem Winkel seines Steges vertäute, während sich über mir der sizilische Abendhimmel in ganzer Pracht entfaltete. Ein Feuerwerk von Abendröte am Himmel, während gerade die Fähre aus Malta in den Innenhafen gleitet und wenige Meter vor LEVJE dreht, um kunstvoll auf engem Raum ihren Rückwärtsanleger zu vollführen.

Das nautische Sizilien: Es hat viele Gesichter. Nicht jedes davon ist schön. Aber viele.







Mare Più: heißt "mehr Meer". 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:



Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:

"... ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis."
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

"... eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre."
YACHT im Mai 2015 

"Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt."
SEGELREPORTER im Dezember 2015

"... ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend."
LITERATURBOOT im Juli 2015

"Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist 'Einmal München-Antalya, bitte!' definitiv zu empfehlen."

RATGEBER.REISE. im Juni 2015