Dienstag, 27. Mai 2014

Menschen am Meer: Saverio Pastor, der Meister der Fórcola.


Das ist Saverio Pastor, der Meister der Fórcola, in seiner Werkstatt in Venedig am Fondamenta Soranzo detta Fornace. Seine Werkstatt liegt genau zwischen Santa Maria della Salute und der Guggenheim Collection. Und allein die Lage von Saverio Pastor's Werkstatt zwischen Tradition und moderner Kunst ist ein wunderbares Bild dafür, was eine Fórcola ist. Ein jahrhundertealtes Präzisionswerkzeug, um eine Gondel zu steuern. Aber in seiner aus einem Stück Hartholz geschnitzten Einzigartigkeit ein Kunstwerk, das es als Ausstellungsobjekt bis ins Metropolitan Museum in New York geschafft hat. Saverio Pastor stellt in seiner Werkstatt mitten in Dorsoduro Fórcole und Ruder (italienisch: reme, deutsch: Riemen) für Gondeln her. Er ist einer der vier letzten Fórcole-Schnitzer in Venedig.

Was ist eine Fórcola im Detail? Sie sieht so aus, hier sind drei, und dieses Bild verdanke ich Giuseppe, der sich vor wenigen Tagen eine 30 Jahre alte Sanpierotta gekauft hat, um mit ihr auf dem Canale Grande zu rudern:


In die Fórcola wird das Ruder eingelegt, und mit diesem einen Ruder, das der Gondoliere in rhythmischen Bewegungen ins Wasser der Kanäle eintaucht, treibt er sein Schiff voran. Als wir diese drei Fórcole dem Meister Saverio zur Begutachtung zeigen, schüttelt der zur Enttäuschung Giuseppe's mißmutig den Kopf. Die würden zu nichts mehr taugen und bloß die Ruder beschädigen. Ein Holzboot ist Leidenschaft und Leiden gleichermaßen.


Saverio Pastor schnitzt seit 39 Jahren Ruder für Gondole - und Fórcole. Pro Jahr entstehen in seiner Werkstatt (und wie, zeigt dieses kleine Video) ungefähr 120 Fórcole. Sie werden vor allem aus Harthölzern geschnitzt, aus Walnuss, und allgemein Nusshölzern, aber auch aus Eiche. 120 Fórcole: das ist enorm, den es heißt, dass er fast jeden zweiten Arbeitstag eine fertigstellt. Aber auch die Nachfrage ist da: Gondelbauer, Bootsliebhaber der alten Bootstypen, und natürlich Fischer. Während wir mit Saverio sprechen, legt einer auf dem Kanal vor Saverio's Eingang an und ruft seinen Wunsch vom Kanal aus einfach in Saverio's Werkstatt hinein.






Die Fórcola, so sagt Saverio, gibt es seit dem Spätmittelalter. Sie hat die gewundene Form eines nach oben gereckten Armes, weil der Gondoliere das Ruder in neun verschiedene Positionen einlegen kann. Die Postkarte unten im nächsten Foto ist aus 2mm starkem Nußholz. Sie stammt von Peppe Clemente und man kann sie in Saverio Pastor's Laden kaufen. Er hat mir freundlicherweise erlaubt, sie in diesem Blog vorzustellen. Das Ruder muß in die einzelnen Positionen eingelegt und in ganz bestimmter Weise bewegt werden.





Hier die Positionen im Gegen-Uhrzeigersinn beschrieben:

Position 1: "Partenza". Der Start
Ganz unten.

Position 2: "Voga soto Morso".
Morso bezeichnet die Gabel, in die das Ruder eingelegt wird.

Postition 3: "Voga Lenta nei Canali stretti". Die langsame Fahrt in engen Kanälen.

Position 4: "Spostamento a Sinistra". Bewegung der Gondel nach links.

Position 5: "Voga". Die schnelle Fahrt, das Ruder in der obersten Einkerbung eingelegt.

Position 6: "Arresto con Virrata a Sinistra". Rückwärtsfahrt mit der Gondel nach Links hinten.

Position 7: "Spostamento in Dietro a Destra". Rückwärtsfahrt nach hinten rechts.

Position 8: "Voga all' indietro". Rückwärts.

Position 9: "Slada bassa". Rückwärts nach rechts.

So. Und für alle, die wissen wollen, wie es geht: einfach das Video oben "Wie man eine Gondel rudert" noch einmal in Ruhe ansehen.


Übrigens: am kommenden Sonntag, den 8. Juni findet die Voga Longa in Venedig statt. Alles, was Paddel und Ruder hat, bewegt sich auf einem einem 30 km langen Rundkurs in und und um Venedig. Viel Spaß!


Kommentare:

  1. Ein meisterlicher Handwerker ohne Frage. Danke dafür und folgende. Keep posting tk!

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Saverio Pastor est le Maestro! je lui est demandé de me faire pour ma collection de bijoux une petite Forcole en ébène rouge. Il s'est plié à cette drôle de demande avec brio, non sans rechigner. Mais amies qui vogue alla Veneta adore ce bijoux...
    Un gondolier n'est rien sans l'art de sa forcole...
    Bravo Thomas pour ce joli blog que je vais suivre avec bonheur!
    France

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