Sonntag, 3. Juli 2016










Sonntag Abend auf Gozo. Wie andere Weltgegenden auch, nähert sich an diesem wie jedem anderen Sonntag Abend auch die 7 x 9 Kilometer große Insel einem Verkehrsinfarkt. Auf der zwei mal zwei-spurigen Schnellstraße zum Hafen von Mgarr wälzt sich der insulare Linksverkehr hinunter zur Fähre. Denn was für den Berliner am Sonntag seine Seen und dem Münchener sein Garmisch, ist für den Malteser seine Insel Gozo. Da ist es cool. Da kann man am Sonntag gut sein.















Des einen Freud, des anderen Leid. Die drei Dorfpolizisten unten am Fährhafen von Mgarr haben neben ihrer Polizeistation alle Hände voll zu tun, den Verkehr in Bahnen zu halten und in Richtung der geöffneten Fähren zu bugsieren. Ihre Mienen drücken etwas aus, was



sich auf einer Skala zwischen Unverständnis und Verständnislosigkeit und zen-mäßigem Gleichmut ob des Unvermeidlichen bewegt. Die wichtigen Dinge des Lebens dürfen allerdings nicht vernachlässigt werden: Als die Sonne hinter der Kuppelkirche von Mgarr untergeht - wie alle Kirchen auf Malta sieht auch sie aus wie eine Miniland-Reproduktionen des Petersdomes - steigt einer der Polizisten aufs Dach der kleinen Polizeistation, um die maltesische Flagge einzuholen. 



Vielleicht ist es auch ein Zeichen: An die Sonntags-ausflügelnden Malteser, doch nun endlich Schluß zu machen. Und hopp-hopp nun wirklich endlich wieder mit dem Wagen auf die Fähre hüpfen.



Hoch über dem Hafen von Mgarr, direkt an der etwa dreieinhalb Kilometer langen Schnellstraße zwischen Inselhafen und Inselhauptstadt, steht unmittelbar neben den vier Fahrspuren der FULI-Kiosk. Eigentlich ist der FULI-Kiosk gar kein Kiosk. An einem Kiosk könnte man nämlich Zeitungen kaufen. Und Kaugummi. Aber zumindest das gibts am FULI-Kiosk nun gar nicht. Der FULI-KIOSK ist ein Schnell-Restaurant auf vier Rädern, das zwei junge Männer aus Gozo, Francis und Jonny, betreiben. Es ist ein umgebauter Kleinlaster, in dem Jonny die Bestellungen aufnimmt. Und Francis hinter ihm an Herd und Fritteuse wirbelt. Man kann hier fast alles bekommen, was man sonst in maltesischen Schnellrestaurants bekommt. Dick belegte Burger. Und Pommes. Und Ketchup. Und Majo. Und Cola. Nur Fish & Chips, das Grundnahrungsmittel der englischen Post-War-Society, das gibts hier nicht. Da hat sich die ehemalige Kolonie vom Mutterland ganz entschieden abgenabelt..

Am FULI-Kiosk ist immer was los. Immer sitzen ein paar Fischer vor dem kleinen ISUZU-Laster an der Straße. Oder ein Veteran der britischen Marinewerften beugt sein müdes Haupt über eine prall gefüllte Pappschachtel mit goldgelben selbstgemachten Pommes. Am Sonntag Abend aber ist nicht nur auf der Schnellstraße hinunter zum Hafen Hochbetrieb. Sonntag Abend stehen dichte Trauben von Menschen am FULI-Kiosk: Familienväter, die noch schnell das Dinner einkaufen, während Frau und Kinder im SUV am Straßenrand warten. Junge Männer, die sich und die Liebste eindecken für den Abend auf der Mauer gegenüber neben der Schnellstraße. Familienmütter. Großmütter, die für gozoische Großfamilien einkaufen. Junge und Alte. Und einsame Herzen.


Eigentlich herrscht am Sonntag Abend ein regelrechtes Gedränge am FULI-Kiosk. Er ist so etwas wie der Melting Pot hier in Mgarr auf Gozo, etwas, bei dem alle gleich werden, in der Schlange, während sie darauf warten, dass Francis und Jonny endlich ihre Bestellung abarbeiten. Arm und Reich. Jung und Alt. Warten. 



Gar mancher, dem es nicht schnell genug gehen kann und der noch klein ist, wäre ja gerne schon größer und weiter, als er ist. 

Warten ist also angesagt. Zehn Minuten sind nichts, bis Johnny endlich zur letzten Frage kommt, die er im sorgfältig ausgearbeiteten Ablauf der Erledigung stellt: „K & M?“ 

Manch hochfliegendem Gemüt wie mir blieb da erst mal die Spucke weg. Was meint er bloß? Na Ketchup & Majo. Nein, also wirklich, Ketchup und Majo nun wirklich nicht, wegen der Kalorien… Aber derlei Argumente hört man echt selten. Sonntag Abend, am FULI-Kiosk. Hoch über dem Hafen von Gozo.



Mare Più: heißt "mehr Meer". 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:



Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:

"... ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis."
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

"... eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre."
YACHT im Mai 2015 

"Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt."
SEGELREPORTER im Dezember 2015

"... ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend."
LITERATURBOOT im Juli 2015

"Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist 'Einmal München-Antalya, bitte!' definitiv zu empfehlen."

RATGEBER.REISE. im Juni 2015







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