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Donnerstag, 15. Juni 2017

... und über dem Hafen von Ravenna geht eine lange Kette von Blitzen nieder...



 Mit Gewittern ist es nie so ganz einfach. Sie sind launisch. Unberechenbar. Sie entziehen sich jeder präzisen Ansage. Sie sind größer, viel viel größer, als wir denken. Und and am Ende bleibt nicht viel mehr festzuhalten als: Jedes Gewitter, das man erlebt, ist anders.

Der Tag war schwül gewesen. Keine Quellwolken, keine Wolke "höher als breit", meine untrügliche Faustregel für Gewitterlagen. Einfach ein Tag, der feuchtwarme Luft herangetragen hatte. Und den Himmel mit schlierigen Wolken durchsetzt hatte. 

"Möglicherweise Gewitter", orakelte der zuverlässige italienische Kanal 68. Und "Wind Nordost 4 bft. auffrischend". Auch nichts Wildes. Nur die klugen Leute von WETTERONLINE hatten mich während eines Telefonats gewarnt. "Ravenna? Steht auf der Liste für Gewitterwarnungen", und: "Ich würde nicht rausgehen. Da kommt mehr".

Wie recht die Leute von WETTERONLINE hatten. Ich wollte es nicht glauben. Denn weil erst einmal nichts passierte und alles anders war als angesagt: Warf ich abends gegen acht die Leinen los, um draußen vor dem Hafen auf dem Meer zu übernachten. Aber kaum war ich draussen und hatte auf dem Meer vor dem Hafen geankert, frischte der Wind aus Nordost auf. Später als vorhergesagt. Mehr als vorhergesagt. Nach einer halben Stunde wurde mir das Geschaukel zu viel. Die Aussicht, auf eine lange Ankerwache war nichts, was ich jetzt wollte. Also zurück in den Hafen von Ravenna.

Alles friedlich. Nur der Leuchtturm schickt sein Licht in die Nacht. Das tut er eine Sekunde später immer noch. Aber da ist es mit einem Schlag nicht mehr Nacht:

Ein Blitz irgendwo in den Wolken erleuchtet den Hafen taghell. Ich sause unter Deck und schaue schnell auf www.blitzortung.org nach. Und stelle fest, was die WETTERONLINEs mir sagten "Da kommt noch mehr": Das war nicht nur ein Gewitter. 

Sondern eine Kette von Gewittern, die von Südfrankreich bis nach Ostgriechenland reicht. Gewitter, die aufgereiht wie auf einer Perlenschnur nach Südosten ziehen. Und das dritte davon hatte uns eben erreicht:

Aber nicht bei jedem Blitz und jedem Knall, der unmittelbar darauf folgt, bleibt die Hand beim Fotografieren ruhig:

Es waren viele Blitze. Und ich fürchte, es werden diese Nacht noch viele weitere sein.


... und so sehr es auch aussehen mag: Als schlüge jeder dieser Blitze in irgendeines der Schiffe in der Marina von Ravenna ein. Nein, so ist es nicht. Hier jedenfalls nicht.

Aber wer kann das schon sagen. Bei Gewittern? Weiß man nie...












Montag, 18. Juli 2016

Einhand um Sizilien. Im Gewitter.




Sciacca, an der Südküste Siziliens gelegen, sollte auf meiner Reise zu einem besonderen Highlight werden.

Aber davon ahnte ich nichts, als ich am Morgen den Hafen von Porto Empedocle verließ und gen Nordwesten motorte. Der Tag hielt anderes für mich bereit.

Er begann mit schwachem Wind. Erst am späten Nachmittag gewann er an Kraft und ließ sich blicken. Aber er kam nicht allein: Am Nachmittag zeigten sich über der nahen Küste im Norden Gewitterwolken. Es begann harmlos. Das Gewitter stand nordnordöstlich von uns, bei vorherrschendem Nordwest sollte es also einfach nördlich an uns vorbeiziehen.

Tat es aber nicht. Es blieb zuerst, wo es war. Und erfreulicherweise nahm der Wind weiter zu, drehte jetzt und kam aus dem Gewitter heraus. Halber Wind also. Und schnelle Fahrt. Das wichtigste am Gewitter ist immer wieder, Klarheit über seine Zugbahn zu bekommen. Wohin zieht es? Liegen wir "genau auf dem Weg"? Oder zieht es an uns vorbei? Oder hat das alles gar nichts mit uns zu tun? Weil das Gewitter fernab seiner Wege geht.

Um das zu bestimmen, gibt es verschiedene Methoden:

1. Das Gewitter beobachten.
2. Im Internet verfolgen, in welcher Richtung sich das Gewitter entwickelt.

Wir hatten dazu in unserem Buch "Gewittersegeln" verschiedene Webseiten vorgestellt, die in Echtzeit die Blitzentwicklung darstellen. Anhand der Echtzeit-Darstellung erkennt man am unterschiedlichen "Alter" der Blitze, wo ein Gewitter entsteht. Wohin es gerade zieht.

Mein Rätselraten, wohin das Gewitter zog, hatte nach einem Blick ins Internet also ein Ende. Es bewegte sich - erstaunlicherweise - nicht mit dem Wind von Nordwest, sondern genau in entgegengesetzter Richtung. Von Südost nach Westnordwest - und damit im spitzen Winkel genau auf uns zu. Irgendwo dort vorne, 10 oder 20 Kilometer weiter, bei dem Ort Sciacca, würde es entweder vor uns durchgehen. Oder uns erreichen.

Ich beschloss, alles auszureffen, um mal zu sehen: Wer kommt schneller an in im Hafen von Sciacca: Das Gewitter? Oder LEVJE und ich?

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Was wirklich im Gewitter passiert - 
Herausgegeben vom Autor von Mare Piu: 


40 Segler berichten ihre Erfahrungen.
In 8 Revieren.
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Live-Interview im hessischen Rundfunk ansehen?
Weiterlesen über Gewitter hier auf MARE PIU: 



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Im Buch Gewittersegeln haben wir dargestellt, dass man Gewitter nicht "umsegeln" kann. Und kurz gesagt: Einem Gewitter "davonsegeln" klappt auch nicht. Es zieht schneller, als wir segeln. Vorausgesetzt, es entwickelt sich nicht (was gelegentlich vorkommt) orografisch über einem bestimmten Punkt, einem hohen Berg. Oder einem Gebirgszug. Und bleibt dort stehen einen ganzen Nachmittag, bis es zur vollen "Blüte" kommt.

Mein Gewitter tat derlei nicht. Es zog gemächlich weiter in spitzem Winkel zu unserem Kurs. Der Wind nahm zu, aber da er genau von querab kam, aus dem Gewitter heraus wehte, war es herrliches Segeln.

Noch eineinhalb Stunden bis Sciacca.
10 Seemeilen. Der Himmel wurde im Norden düsterer, das dunkle Bleigrau breitete sich immer weiter aus am Nordhimmel, wo es doch vorher nur einen Viertel des Himmels über der Küste eingenommen hatte. Kein gutes Zeichen. LEVJE spurtete, auf der Seite liegend, durch die kleinen Wellen dem Hafen von Sciacca zu.

Noch eine Stunde bis Sciacca.
Sechs Seemeilen. Der Wind, der heraus wehte aus dem Gewitter, hatte jetzt auf 5- 6 bft. zugenommen. Er wehte aber stabil und sehr beständig aus dem Unwetter heraus. Seine Temperatur hatte abgenommen, der Himmel nördlich und nordwestlich von mir hatte von hellem graublau in dunkles Bleiblaugrau gewechselt. Weder sah noch hörte ich Blitze, was mir Mut machte, dass es so schlimm nicht werden würde. Natürlich beschäftigte mich bei diesem Spielchen die Frage: Wann müsste ich reffen? Wann könnte ich es mir zeitlich leisten, zu reffen?

Es war wie eine Regatta. Nur keine Zeit verschwenden mit Korrekturen der Segelfläche. Lieber mit voller Lage und hohem Ruderdruck weiterpreschen auf Sciacca zu, denn fünf Minuten Zeitverlust wegen Reffen könnten dafür sorgen, dass ich meinen Anleger im Hafen im Platzregen fahren würde. Oder wegen einsetzenden Starkregens und schlechter Sicht gar nicht den Hafen ansteuern und das Gewitter vor dem Hafen kreuzend abwettern müsste. Ich entschied mich dafür, obwohl zu viel Tuch drauf war, vorerst nicht zu reffen. Aber ich müsste höllisch aufpassen, um frühzeitig auf dem Wasser im Norden und Voraus die ersten Gewitterböen zu erkennen. Und in ihrer Stärke richtig einzuschätzen. Und genau im richtigen Moment die Segelfläche zu kürzen. Oder die Segel ganz einzuholen. Die Regatta gegen das Gewitter ging also weiter.

Eine halbe Stunde bis Sciacca.
Das Gewitter war nun ganz nah und bedeckte den Himmel nördlich von uns vollständig. Ich war noch etwa zwei, drei Seemeilen von der Küste entfernt - die richtige Distanz, damit der Wind keine Welle aufbauen konnte. Blitze sah ich keine,  Donner war nicht zu hören - was trügerisch war. Denn im Internet sah ich, wie sich "jüngere" Blitze weiter Richtung Sciacca entwickelten und Kurs darauf zu hielten. Genau wie LEVJE und ich. Der schwarze Himmel war jetzt ganz nah. Ich beobachtete das Wetter unablässig, ich schenkte der dunklen Front mehr Aufmerksamkeit als Segel und Boot. Ein erstes Warnzeichen: Ein kurzer Schlauch, der genau nördlich aus einer dunklen Wolke zu ragen begann, Wolkenfetzen, die um den Stummelschlauch aus der Wolke herumwehten. Eine Windhose in der Entstehung? Ich wartete drauf, wie sich der Schlauch, das Kreiseln weiter entwickeln würde; ob der Rüssel sich bis zur Wasseroberfläche aufbauen würde. Aber das Kreiseln um den Schlauch verebte, plötzlich war der Rüssel weg. Und nur noch seine Mutter, die grauschwarze Wolke war da.



Die Distanz zur Gewitterfront war jetzt nur noch gering - es ist immer schlecht zu schätzen, wie groß die Distanz denn nun wirklich exakt ist. Nordwestlich vor mir ein kleines Schiff, das kleine, weiße Boot eines Fischers, verloren in der Weite, das ebenfalls auf die Hafeneinfahrt von Sciacca zustrebte, allerdings eng unter der Küste. Plötzlich - gerade eine Viertelstunde vor der Hafeneinfahrt - aufgeworfene Schaumkronen zwischen dem kleinen Fischer und mir, ein Moment, in dem ich ihn aus den Augen verlor, weil ich mich auf die Windböen konzentrierte, die nun von Norden - finalmente - heranrollten. Zeit, endlich den Bug in den Wind zu stellen. Zeit, blitzschnell alle Schoten und Fallen loszuwerfen. Zeit, zuerst die knatternde Genua, dann das Groß zu bergen. Zeit, sich geschlagen zu geben. Im Rennen mit dem Gewitter zum Hafen von Sciacca.



Denn die Regatta gegen das Gewitter: Die hatte ich verloren. Es begann, über dem Hafen von Sciacca zu regnen, ich sah die Blitze voraus im Westen. Das Gewitter: es hatte die Ziellinie als erstes und eine Viertelstunde vor mir passiert. Ich hielt den Bug einige Zeit im Wind, motorte mit langsamer Fahrt. Und lief im regennassen Sciacca eine halbe Stunde später ein. Glück gehabt.








Mittwoch, 13. Mai 2015

Unter Segeln: Gewitter über Ölü Deniz. Oder: Was es bringt, das Buch GEWITTERSEGELN zu lesen.


Bis dahin war eigentlich alles ganz normal: Das Wetter seit Anfang Mai über der Südtürkei war stabil und warm. Sehr wenig Wind, kaum lohnt's, die Segel hochzuziehen. Aber dafür lockt die Küste mit leeren Ankerbuchten, und Reviere, in denen sich im Juli und August die Boote in Buchten drängeln wie im Golf von Fethiye: die gehören dem einsam Segelnden jetzt ganz allein.

Ab Samstag Mittag aber das Wetter instabil. Aufquellende Wolkentürme im Osten, die langsam über den Baba Dagi und über den Sandstrand von Ölu Deniz nach Westen zogen. Am Sonntag bereits am Vormittag tiefschwarze Wolken über dem Baba Dagi, dem großen Berg auf dem Bild im Hintergrund, von dem mutig immer noch Paraglider herunterschwebten. Plötzlich Blitze am Mittag, das Unwetter zieht aus Osten heran, über den weißen Sandstrand von Ölü Deniz und dann zur Ankerbucht vor der Insel Gemiler, der Insel auf der Heilige Nikolaus wohl tatsächlich einmal gelebt hatte. Heftige Gewitter über Ölü Deniz und Gemiler: das hatte ich schon häufiger.

                                  Weiterlesen bei: Ankermanöver im Gewitter. Oder: Warum mach' ich das bloß?
                                  Weiterlesen bei: Von schnellen Gewittern und von langsamen.
                                  Weiterlesen bei: Gemiler. Oder: Wer war der Mann, der Sankt Nikolaus hieß.


Zuerst Schwärze. Dann Blitze. Und dann brechen schlagartig von Westen her, vom Sandstrand her, dort, wo die großen Gülets ankern, starke Böen herein. Der Wind wirft Schaumkronen auf dem Wasser auf, pfeift im Rigg der beiden ankernden Gülets. Deren Kapitäne fühlen sich offensichtlich nicht mehr wohl in der Gemiler Reede. Sie wollen ablegen, starten ihre PS-starken Motoren, senden ihre Dinghis zum Ufer, um die Festmacher von den Felsen zu lösen. Die Böen nehmen zu auf 35 Knoten, LEVJEs Festmacher zum Ufer sind zum Zerreissen gespannt, die ungeheure Dehnung wringt Tropfen Meerwasser aus den Tauen. 

Da beide Gülets 100 Meter Kette quer durch die Bucht gesteckt haben, dauert es lange, quälend lange, bis die Schiffe frei sind. Dicken, unbeweglichen Käfern gleich kriechen sie an ihren Ankerketten entlang quer durch die Bucht, plötzlich trifft eine harte Böe das weiße Gület im Bild oben, das Schiff beginnt, mit dem Heck auf den Nachbarn zuzutreiben. Aufheulende Motoren.

Segelyachten, die sich von draußen in die Bucht zwängen und halbgare Ankermanöver starten. Andere Yachten, die ihren Ankerplatz aufgeben, wohl, weil ihr Anker im tiefen Wasser nicht hält. Wie die Kanadier genau gegenüber, die langsam nach draußen ziehen. Erneute Böen. Plötzlich setzt prasselnder Regen ein. Bei einem der beiden Gülets hat sich mitten in der Bucht der Anker verklemmt, der dicke Käfer liegt in Böen und Starkregen mitten in der Bucht und die Crew versucht, den Anker auszubrechen. Das zweite Gület fährt in der Bucht auf und ab. Und zwischen allen, laut rufend, wild gestikulierend, der türkische Marinero vom Restaurant in der Bucht, der versucht, den drei, vier Charteryachten und dem Kat im pfeiffenden Starkwind beim Bojenanleger zu helfen. Er kämpft, nur im Pullover im prasselnden Regen auf seinem schnellen kleinen Boot, um den Besatzungen zu helfen.

Tohuwabohu. Und ein guter Moment, um mich einmal zu fragen: Hat sich für mich - als User, als Segler - die Lektüre des Buches GEWITTERSEGELN gelohnt? Ein guter Moment, um mich zu fragen: Hat mich die Lektüre dieses Buches weitergebracht? Hat es sich gelohnt, dieses Buch überhaupt in die Welt zu setzen? Würde ich es meinem besten Freund in die Hand drücken, vor einem Juni-Törn im gewitterreichen Kroatien?

Ja, würde ich. Denn ich gehe mit der Situation anders um. Passieren kann zwar immer noch alles mögliche, davor ist niemand gefeit. Durch die Beschäftigung mit dem Thema und das Lesen der über 40 Berichte kam einfach mehr Know-How in die Sache. 
Wir haben jetzt einfach fast 50 Meter Kette draußen und der Anker hält. 
Ich habe eine überprüfbare Antwort auf Katrin's besorgte Frage: ob LEVJE sinken würde, wenn im Mast der Blitz einschlägt. 
Ich überlege jetzt nicht mehr wie früher, ob's wohl doch besser wäre, jetzt rauszugehen. Oder vielleicht doch besser gewesen wäre, dies, das jenes zusätzlich gemacht, unterlassen, getan zu haben.

Es ist schon so, wie Axel zu Puttlitz-Lührmann, der Schadenexperte des Yachtversicherers PANTAENIUS, sagte, als wir ihn für GEWITTERSEGELN in Hamburg interviewten: "Man kann schon viel machen, im Gewitter."

Nein: zu unserem Projekt kann ich stehen. Und es auch mitten im Unbeherrschbaren jedem Segler guten Gewissens empfehlen.


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40 spannende Geschichten, wie es ist, im Gewitter zu Segeln:

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Donnerstag, 11. Dezember 2014

Mare Più macht ein Buch. Über Segeln im Gewitter. Mit Erfahrungen derCommunity für die Community.


Das Cover unseres ersten Buches, das ab März 2015 als eBook erhältlich sein wird.

Im Gewitter Segeln ist Extremerfahrung. Innerhalb Minuten auftretende Starkwinde, Böen mit über 60 Knoten, Platzregen, Hagel, Null Sicht. Für Minuten. Für Stunden.

                                                    Weiterlesen bei: Von schnellen Gewittern. Und von langsamen.
                                                    Weiterlesen bei: Ist es gefährlich, im Gewitter zu Segeln?
                                                    Weiterlesen bei: Ankermanöver im Gewitter.

Gewitter trifft jeden auf dem Meer im Lauf eines Seglerlebens. Niemand ist davor gefeit. Es gibt kaum eine andere Situation, in der es derart auf seglerisches Können, eigene Instinkte und gute Seemannschaft ankommt. Und Glück. 

Wer kann, meidet Gewitter. Wer durchsegeln muss, ist auf sich selbst angewiesen. Denn: Jedes Gewitter ist anders. Es gibt wenig Regeln dafür. Es gibt kaum Informationen. Es gibt viele Halbwahrheiten.

Und: Es gibt kein Buch dazu, weder im Deutschen noch im Englischen.

Unser erstes Buch, das wir in unserem heute gegründeten Verlag millemari. herausbringen, will diese Lücke schließen. Es wird ein ungewöhnliches Buch sein, das im März 2015 erscheint, in vielerlei Hinsicht:
Es wird nicht aus der Feder des EINEN Experten stammen.
Es wird sehr viel Know-how beinhalten.
Es wird kein trockenes Fachbuch sein.
Hier berichten Segler für Segler von ihren Extremerlebnissen.
Ihr Wissen, ihre Erfahrungen helfen auch Dir durchs nächste Gewitter.

Wir sammeln die Geschichten von Seglern, die Gewitter auf See erlebt haben. Die Erfahrung mit den vielfältigen Folgen und Schrecken haben, die ein Gewitter auf See mit sich bringt. Wir suchen das, was Segler zu sagen haben über das Phänomen Gewitter. Wir suchen die Erfahrungen aller Segler. Um sie allen Seglern zur Verfügung zu stellen.

Wir beide, Susanne Guidera und ich, sind leidenschaftliche Segler. Und erfahrene Verlagsleute. Wir haben den Ehrgeiz, ein völlig neues Werk zu machen, das zunächst als eBook erscheinen wird. Ein Werk, das eine Community für sich selbst schreibt.

40 Segler haben bereits ihre Geschichten zugesagt. 30 davon haben ihre Beiträge bereits abgegeben. Das Cover ist fertig. Mindestens 14 weitere Autoren suchen wir noch. 
Hast Du da Draußen etwas Außergewöhnliches erlebt? 
Etwas, das Du jedem anderen Segler ans Herz legen würdest, wenn er in ein Gewitter hinein segelt?
Ein ungewöhnliches Erlebnis im Gewitter auf See?

Dann: Zeig's uns! Schreib uns. Wir wollen nur Dein Allerbestes: Dein allerbestes Erlebnis im Gewitter auf dem Meer.

Schicke uns unter Nennung Deiner Mail- und Postanschrift ein Mail mit dem Stichwort "GewitterSegeln". Wir antworten. Mit allem, was Du wissen musst, um einen gelungenen Beitrag für unser Buch GEWITTERSEGELN zu schreiben.

Du mußt kein Autor sein. Nur Deine Erfahrung zählt. Als Segler. Im Gewitter.


Das Team des heute gegründeten Verlags millemari.
                                                     Susanne Guidera
                                                    Thomas Käsbohrer


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Mittwoch, 10. Dezember 2014

Unter Segeln: Von schnellen Gewittern. Und von langsamen.

Ein Blitz über Gemiler Reede. Gut erkennbar sein gleißender Entstehungsort ganz oben, dort, wo sogar Regen und Nässe aufgrund der gewaltigen Hitze zu verdampfen scheinen.
Gewitter gibt es verschiedene. Gewaltige Gewitter, solche, an die man sich noch nach Jahren und Jahrzehnten erinnert. Und leichte. Laute und leise. Solche, die schnell heranziehen. Und schnell gehen. Und solche, die langsam kommen. Und lange bleiben.

In Gemiler-Reede - ich schrieb über die Insel, auf der Sankt Nikolaus gelebt hatte - wollte ich eigentlich nicht lange bleiben. Aber weil die Ecke so faszinierend ist, blieb ich drei, vier Tage. 

                                                                      Weiterlesen bei: Gemiler Reede. Oder: Sankt Nikolaus.

All die Tage hatte es rundum gegrummelt. An dem Tag besonders. Hohe Quellwolken bauten sich über den Nachmittag auf. Oben, ganz oben auf der Insel, dort: wo eine der ersten von fünf Kirchen errichtet wurde, wo der heilige Nikolaus gelebt hatte.

Wieder einmal erkennt man auf dem obigen Bild gut, wie sich "Wolken höher als breit" bilden, vor allem oben rechts im Bild. Ein Warnsignal. 

Dazu am frühen Abend erste dunkle Wolken, über der Kirchenruine unten. Ich ruderte über die Bucht zurück zu LEVJE. Die schaukelte friedlich an ihrem Ankerplatz, ich hatte eine Landleine 

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Hier das Mare Piú eBOOK GEWITTERSEGELN bestellen und gleich lesen als:
• auf TOLINO:
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ausgebracht, nur eine. Teils aus Faulheit, teils aus Überlegung: Wenn ich raus müßte mitten in der Nacht, weil der Anker schlechter hält als die eine Landleine, dann käme ich schneller weg.



Es grummelte. Im Norden, hinter den Bergen. Es grummelte auch noch, als die Sonne unterging, und erste Blitze das dämmrige Grau hinter den Bergen erhellten. Aber immer noch war alles friedlich. So friedlich, dass ich ganz gemächlich LEVJE's Bimini aufstellte, um Cockpit und Niedergang vor dem Regen zu schützen. Meinen abendlichen Rundgang an Deck machte. Gemütlich in die Bucht schaute. Und hinauf in die grummelnden Berge. Dämmerung. Kein Anlaß zur Sorge.

Leichter Niesel setzte ein. Leicht, ganz leicht. Mir fiel die alte Regel ein. Ein Kinderreim fast, aber so geht er:

"Kommt der Regen vor dem Wind, Skipper birg die Segel geschwind.
Kommt der Wind vor Regen: Skipper kann sich Schlafen legen."

Eine Warnung. Wenn es vor dem ersten Windstoß zu regnen beginnt: dann wird's heftig. Ich fragte mich, ob das auch fürs Mittelmeer gilt. Aber die Antwort kam. In Gestalt des Gewitters, das langsam, unendlich langsam über die Berge im Norden hinunter zur Gemiler Reede kroch.

Der erste Windstoß. Nicht arg. Ein Lüftchen eher, der Böencharakter nur daran erkennbar, dass die Windrichtung nicht die rechte und gleich wieder eine andere war. Kalte Luft. Die Landleine spannte sich, triefte, als sie aus dem Wasser kam. Der Regen wurde härter. Die Böen setzten wilder ein, und Blitze zuckten durch die Nacht. Doch diesmal auf unserer Seite der Berge. Das Gewitter war da. Die Blitze. Nah. Ziemlich nah.



Oft im Gewitter - vor allem draußen auf See - ist der Blitz das, was aller Augen und Emotionen auf sich zieht. In ihm stecken Gewalten, die wir uns nicht vorstellen können. Natürlich ist der Einschlag eines Blitzes das Schlimmste, was einer Yacht passieren kann. Blitze so wie der, den ich in dieser Nacht auf dem ersten Foto ganz oben festgehalten habe.

Kaum jemand weiß: wie eine Yacht nach dem Einschlag eines Blitzes aussieht. Halten die Wanten? Gibts unten, unter Deck, da wo der Mastfuss sitzt und der Blitz wieder hinausfährt, ein großes Loch? Wie übersteht man es, wenn in meternahem Umkreis 10.000de Volt Strom durch Leitungen jagen, die dafür nicht gemacht sind? Ich weiß es nicht. Aber ich werde es herausfinden.

Ich dachte an meine schwäbische Großmutter. Sie fürchtete in ihrem Leben nichts und niemand. Sie hatte fünf Kinder großgezogen, allein. Hatte heimlich für Juden gearbeitet während des Krieges. Ihren Mann rausgepaukt, als der im Wirtshaus zu laut über die Nazis schimpfte. Und am Tag später mit Haft bedroht wurde. Nur eines fürchtete sie: Gewitter. 
Ihre bewährte Ausrüstung dagegen: 1 Kopfkissen. 1 Wetterkerze. 1 Weihwasser-Fläschchen. 1 Rosenkranz. Wenn Gewitter war, dann zündete sie im Fenster die schwarze Wetterkerze an. Zog sich das Kopfkissen über den Kopf. Und betete den Rosenkranz herunter, unter gelegentlichem sich-besprengen mit einem Schuss Weihwasser. Wir Kinder fanden es urkomisch.


Die Blitze in dieser Nacht waren nah am Boot. Blitz und Donner fielen zusammen, beides in ein und demselben Augenblick. Schläge, bei denen ich unwillkürlich den Kopf einzog. Sehr laute Schläge. Der Regen wurde heftiger. Der Wind kam von den Bergen und trieb den Regen genau in den Niedergang. Blöde Landleine. Hätt' ich LEVJE doch lieber schwojen lassen. Dann läge sie jetzt im Wind. Und ich säße trocken in meinem Niedergang...

Teilweise war der Wind so heftig, dass die Riemen meines Dinghis - ich hatte sie neben den Seezaun gelegt - über Bord geweht wurden. Irgendein merkwürdiges Geräusch hatte mich den Kopf aus dem Niedergang stecken lassen. Ich spurtete los, um meine Ruder zu retten, die brav in Lee genau an der Bordwand trieben. Zu hoch. Also auf den Bauch gelegt, längelang, dahin, wo vorher die Riemen lagen. Und jetzt daumendick das Regenwasser übers Deck rann. Tropfnass, von einem Moment auf den Anderen. Jetzt bin ich schon nass, ich schau gleich noch, ob der Anker vorn hält...

Triefend wie meine Landleine erreichte ich meinen Niedergang, durch den die Böen immer noch die Regenschwaden trieben. Regen am Meer ist einzigartig. Aber in der südlichen Türkei einfach beeindruckend. Ich suchte mir im Donnern trockene Klamotten. Und zündete mein Petroleum-Licht an. So, wie meine Großmutter ihre Wetterkerze.


Das Gewitter dauerte eineinhalb Stunden. Es stand genau über der Bucht. Es bewegte sich kaum. Es schepperte noch nahe am Boot, als ich mich irgendwann schlafen legte. Irgendwann wird man zu müde, vom langen Aufpassen. Und schließlich: wir lagen ja vor Anker. Der hielt.


Am nächsten Morgen war die Welt friedlich. Nur ein paar graue Fahnen am Oktoberhimmel zeigten, dass die Nacht davor irgend etwas anders gewesen war, über Gemiler Reede. 



                                                                      Weiterlesen bei: Ist es gefährlich, im Gewitter zu Segeln?
                                                                      Weiterlesen bei: Ankermanöver im Gewitter.



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Montag, 13. Oktober 2014

"Ist es gefährlich, im Gewitter zu Segeln?" Sieben Tipps fürs richtige Verhalten.


Diese Frage stellte ein Leser der Redaktion der ZEIT am vergangenen Wochenende. Eine gute Frage. Und die Antwort der sonst kompetenten ZEIT-Redaktion zeigt, wie ratlos nicht nur Segler, sondern auch Redakteure dem Phänomen Gewitter gegenüberstehen.

Zum einen: Gewitter ist nicht gleich Gewitter. Was nach schwerem Unwetter aussieht, entlädt sich manchmal in einem heftigen Platzregen. Manchmal sind es schwere Böen, die dem Segler zu schaffen machen. Wieder andere Unwetter bescheren dem Reisenden auf See stundenlanges Fahren unter Blitz und Donner - keine schöne Erfahrung.

Hinzu kommt, dass Naturgewalten auf dem Meer unmittelbarer, beeindruckender wirken als in den eigenen vier Wänden oder im Auto. Und selbst ein Gewitter auf freiem Feld ist oft kein Vergleich zu dem, was derjenige auf See erlebt, dem ein Gewitter begegnet. Lediglich das, was Bergsteiger über Gewitterphänomene in den Bergen berichten, gleicht den vielfältigen Eindrücken und Herausforderungen, vor die ein Gewitter denjenigen stellt, der sich segelnd auf dem Meer herumtreibt.

    Kommt was? Oder kommt nix? Die Regenfahnen voraus und links verraten, dass zumindest der Regen bald einsetzen 
     wird.

1. Vor dem Sturm: Gewitter erkennen.
Erkennen, wann es gewittrig wird, ist im Umgang mit Unwettern schon die dreiviertel Miete. Bis eine Yacht ganz allein auf der Gewitterreichen Nordadria - wie im Bild oben - einer Gewitterfront ohne Chance auf Entkommen gegenüber steht, vergeht etwas Zeit. Selten kommt ein Gewitter überraschend. Kaum eine Gewitterfront, die von den Wetterdiensten nicht Tage vorher angekündigt wird. Aber vor allen technischen Hilfsmitteln kommt es auf das eigene Beobachten an. Denn meist gibt das Wolkenbild rundherum stundenlang vorher schon guten Aufschluss, ob etwas vor sich geht. 

Meine einfache Faustregel - und sie gilt für Stadt, Land, Meer:

"Sind die Wolken höher als breit:
Schau rundrum. Und sei bereit." 

    Wolken in Korfu am späten Vormittag: Sie sind unscheinbar, aber ihre Entwicklung ist eindeutig "höher als breit". Am 
     frühen Nachmittag desselben Tages hat sich dann dies daraus entwickelt:


    Zwei Gewitterzellen. Jetzt heißt es: beobachten. Die rechte der beiden ist bereits im Begriff, nach oben nach links 
    "auszuwehen": Das sieht nach "Entwarnung" aus, ihre Ränder sind nicht mehr "pilzartig" scharf konturiert wie am rechten  
    Rand der linken Zelle.

Diese Faustregel sagt einfach: sobald sich die Wolkenentwicklung "in die Höhe" richtet, Wolken "quellen", sollte man Wetter und Wolken ständig beobachten. Und ständig rundum Ausschau halten. Wo entsteht etwas? Wo bilden sich Quellwolken? Und: entstehen aus einfachen Quellwolken großräumige Gewitterzellen? Und wo bewegen sie sich hin?

Hat sich tatsächlich eine Gewitterzelle gebildet: Zugbahn beobachten: Kommt mir das Ding in die Quere? Und: wenn es meinen Kurs voraussichtlich kreuzt: wird es auf seiner Zugbahn noch stärker ("größer", "dunkler", "bedrohlicher")? Oder weht es aus?



2. Gewitter voraus
Hat sich ein Gewitter entwickelt und liegt es auf meinem Kurs, gibt es drei denkbare Verhaltensweisen:

1. "Drum-herum Segeln".
Immer wieder gerne in solchen Situationen diskutiert. Hat aber noch nie funktioniert. Scheidet als Möglichkeit aus. Gewitter sehen aus Distanz aus wie "lokale Gebilde", ähnlich Möbelwagen. Sind sie aber nicht. Sondern großräumige Vorgänge in riesigen Dimensionen. Möbelwagen kann man umfahren. Bewegliche Alpen-Bergmassive nicht.

2. Ankern. Abwarten. Vorbei ziehen lassen.
Schon besser. Ist das Gewitter voraus und seine Zugrichtung quer zum Kurs und nicht geradewegs auf das Schiff zu: kann das klappen. Halbwegs geschützte Bucht suchen. Noch besser: Hafen. Anker fallen lassen. Gewitter den Vortritt lassen. Wetter beobachten. Nach zwei, drei Stunden weitersegeln. 
Der Haken: wo ein Gewitter entsteht, entsteht manchmal auch gleich ein zweites. Und: Für dieses Verfahren muss die Zugrichtung ausgeprägt klar erkennbar sein. Und da lehrt ein gewitterreiches Gebiet wie die Nordadria gelegentlich anderes. Erst Gewitterfront von Nord nach Süd. Dann unmittelbar mit dem Schiff mitziehendes Gewitter von Süd nach Nord.
Also: für dieses Verfahren: muss glasklar die Zugrichtung des Gewitters erkennbar sein.

    In diesem Fall funktionierte die Methode "vorbei ziehen lassen". Aber nur deshalb, weil die Zugbahn des Unwetters klar 
     erkennbar war. Und eindeutig 90 Grad zum eigenen Kurs betrug.

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Soeben erschienen vom Autor von Mare Piu: 
Ein Film darüber: Was Segeln ist.



                         Als Download und auf DVD: € 19,99

Was passiert, wenn das Leben die gewohnten Bahnen verlässt? 
Was geschieht, wenn man sich einfach aufmacht und fünf Monate Segeln geht? 
Darf man das? Und wie ändert sich das Leben?
Der Film einer ungewöhnlichen Reise, der Mut macht, seinen Traum zu leben.



Der Film entstand nach diesem Buch: 
Geschichten über die Entschleunigung, übers langsam Reisen 
und die Kunst, wieder sehen zu lernen
Einmal München - Antalya, bitte. 

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3. "Da fahren wir jetzt einfach durch".



Irgendwann kommt für den, der sich einem Gewitter nähert, der Punkt, wo man den Dingen ins Auge schauen muss. Und unabänderlich erkennt: 
"Es wird größer. 
Es kommt genau auf uns zu. 
Es ist unabänderlich.
Wir müssen da jetzt durch." 


Ich war früher ein großer Verfechter der Methode "Durchfahren". Segel runter. Alles festbändseln. Schwimmwesten und Lifebelts an. Letzte Position in Seekarte eintragen. Motor an. Geradewegs durch. Manchmal kommt man damit buchstäblich "gut durch": Ein paar Momente heftige Böen. Ein gewaltiger Guss. Und in 20 Minuten ist alles vorbei. 
Die Unwetterfront auf dem allerersten Bild hat mich da aber anderes gelehrt. Demut, vor allem. Gewitter ist nicht gleich Gewitter. Und Gewitter ist keineswegs nur "hoffentlich schlägt der Blitz nicht in den Mast". Anderes ist da mindestens ebenso bedrohlich:

- Sicht: Das Juli-Unwetter auf dem allerersten sowie den beiden letzten Fotos währte über eine Stunde. Über eine Stunde "Sicht null" im dichten Regen. Zeitweise Hagel. Zwei Yachten, vorher auf Parallelkurs zur Küste, waren nicht mehr erkennbar. Bis eine, mitten im Starkregen, ungefähr 20, 30 Meter vor meinem Bug vorbei schoss. Nicht gut.

- Wind: Die Front brachte enorme Windböen mit sich. Sie drehten immer wieder Levjes Bug aus dem Wind - und einfach in die Gegenrichtung, trotz starkem Motor. Ein "Kreise fahren in unsichtigem Wetter". Nicht gut.

- Hagel: Ruder gehen war zeitweise wegen der Größe der Hagelkörner, die den Verklicker zerstörten, nicht mehr möglich.

- Regen: Starkregen führte zum Ausfall meines Autopiloten: Der Wartungstechniker von RAYMARINE stellte später einen "starken Wassereinbruch" fest, der die Platine sofort zerstörte.


Spätestens diese Beispiele eines heftigen Unwetters führen vor Augen: Wenn es grell blitzt und laut donnert: Gefahren drohen von ganz unterschiedlicher Seite. Ich spare es mir hier, die guten alten Regeln aus der Segelschule zu wiederholen, die heißen: Keine Eisenteile anfassen.

4. "Ab in den Hafen."
Am besten: gar nicht erst rausgehen! Schon richtig. Aber: wer chartert, der will seine 14 Tage segeln. Wer sich mühsam eine Woche Urlaub erkämpft hat, auch. Und nicht womöglich aus einem Hafentag drei werden lassen. Oft ist die Situation nicht so eindeutig. Zwischen "Das geht schon!" und "Wir bleiben lieber im Hafen" liegen oft nur "Millimeter". 

    Eine 60-Knoten-Böe: Sie legte selbst große Zweimaster flach aufs Wasser, verdrehte Rollgenuas in Sekundenbruchteilen 
     zu "Sanduhren". Sie hinterließ: zerfetzte Vorsegel, abgedeckte Hausdächer, im Hafenbecken treibende Dinghis und  
     Cockpitpolster: Die Bilanz des Juli-Unwetters 2010, das sich mit der Wolkenfront auf dem ersten Foto ankündigte und   
     dessen zweite Hälfte wir im vermeintlich sicheren Hafen von Umag an der Boje abwetterten.

5. Gewitter nachts, vor Anker.
Meistens beschränkt sich meine Aktivität aufs "Auszählen": Kommt das Gewitter näher - oder zieht es vorbei? Die gute, alte Methode des "Wieviele Sekunden vergehen zwischen Blitz und nachfolgendem Donner?" hat seit den Kindertagen nichts an Wirksamkeit und Effektivität verloren. Und ist ein untrüglicher Warner. Danach: sehen, was kommt.

6. Technische Hilfsmittel und Wetterberichte
Der kroatische Seewetterbericht hats. DWD oder Poseidon habens nicht: Warnungen vor regionalen Gewittern. Meist ist der Blick in "Wald- und Wiesen"-Wetterberichte wie Wetteronline da schon ganz hilfreich.
Besondere Hilfsmittel sind die Satellitenaufnahmen, wie sie zum Beispiel sat24.com anbieten. Hier eine Satellitenaufnahme mit Blitzhäufigkeit über Südeuropa am heutigen Nachmittag:



Klar erkennbar die beiden "Unwetterzentren" Norditalien und vor allem: türkische Südküste. Nachteil an Sat24.com: Die Bilder zeigen rückwirkend, wo es geblitzt HAT. Sie zeigen aber nicht, wo es blitzen WIRD. Ein Anhaltspunkt aber ist das schon mal.


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In 8 Revieren.
Auf 272 Seiten.
Mit über 100 Fotos.
Mit mehr als 100 Learnings über richtiges Verhalten im Gewitter.





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