Dienstag, 27. Oktober 2015

Unter Segeln von Korfu nach Sizilien, Tag 4: Santa Maria di Leuca oder: Flic. Der Hund, der Mathe kann.

Es ist eine verläßliche Größe in meinem Leben, seit ich mit 16 zum ersten Mal in diesem Land war. Und mit vor Staunen über die Schönheit weit geöffnetem Mund stunden-, tagelang durch Gassen und Märkte strich: Meine Begeisterung für Italien. Ich betrete dieses Land mit einem Lächeln und verlasse es mit einem Lächeln, irgendein selbst-hypnotischer Vorgang ist da am Werk, eine unerklärliche Ausschüttung an Glückshormonen, wenn ich durch die Schönheit dieser Sprache und dieses Landes und seiner Küche am streife. Was immer es ist: bin ich hier, verlässt mich das Staunen nie.


Unser Streifzug entlang des Lunghomare von Santa Maria di Leuca führt uns an allerhand Restaurants vorbei, die schon in den Winterschlaf gefallen sind. Tische, Stühle im Inneren aufeinandergestapelt wie von Möbelpackern, keine Neonlampe, die mehr leuchtet, kein Duft von Spaghetti Frutti di Mare, der noch durchs Restaurant zieht, kein Kellner, der an den Tisch heranwedelt und "aqua senza gas" und Wein herbeibringt. Invernale, Wintersaison. Am Strand ist nur noch der LUPO DI MARE geöffnet, das Restaurant von Giuseppe Petese. Und der empfängt seine Besucher im Restaurant mit den blauen Holzbänken über dem Meer auf vielerlei Arten. Da ist zunächst einmal das Schild am Lunghomare neben dem Eingang. Mit Kreide steht da in großen Buchstaben am Restauranteingang "Fida ti": "Trau Dich." Muss ich mir Sorgen machen?
Dann ist da - zwischen allerhand anderen Raritäten - ein überlebensgroßes Poster an der Wand. Der Hausherr im Smoking, überlebensgroß - und offensichtlich übriggeblieben vom Auftritt in einer Fernseh-Show. Dann eine Tafel mit Rechenaufgaben, mitten im Restaurant. Hoffentlich muss ich jetzt nicht öffentlich Kopfrechnen, bevor ich was zu essen bekomme.


Aber das mit dem Essen klappt untadelig. Als wir mit den Antipasti mare, den Spaghetti mit Meeresfrüchten und dem frischen Schwertfisch endlich fertig sind, macht uns der Hausherr mit seinem Hund "Flic" bekannt. Giuseppe hat nämlich Flic das Rechnen beigebracht. Und dafür braucht er die Tafel. Flic, der Hund sitzt brav davor. Giuseppe deutet auf die erste Rechenaufgabe: 


2 x 2 + 2 = ? 

Flic kuckt auf sein Herrchen. Dann auf das Leckerli. Dann auf mich. Dann schüttelt er sich, als wolle er all die imaginären Flöhe aus seinem Fell loswerden, blickt treu auf Giuseppe und - bellt. Sechs mal. 

Sapperlott!

2 x 3 + 1 = ?

Das dauert dann schon etwas länger. Irgendwie scheint der Hund im Gegensatz zu Giuseppe zu denken, das man das Leckerli doch auch leichter rüberreichen könne als über die umständliche Rechnerei. Giuseppe lockt und gurrt und balzt, Flic schüttelt sich über all die Kompliziertheit, die menschliches Tun und Denken in die Welt gebracht hat und: bellt schließlich sieben Mal. Bravo!

2 x 5 - 1 : 3 = ?

Jetzt wird es richtig kompliziert. Wer weiß denn von uns noch, wie das war mit "Punkt vor Strich"? Oder müßte da nicht richtigerweise eine Klammer auf der Tafel stehen? Flic ist das alles einerlei, schielt einfach auf das Leckerli und - bellt zwei Mal. "Bravo" ruft Giuseppe, während wir noch mal kritisch nachrechnen und auf ganz andere Ergebnisse kommen. Egal!


Aber während Giuseppe mit wachsender Begeisterung sich nun der vierten Aufgabe auf der Tafel zuwendet und uns von DOLLARO erzählt, dem Hund, mit dem er samt Rechenkünsten im italienischen Fernsehen auftrat, hören wir es draußen weit im Westen über dem Golf von Tarent zum dritten Mal donnern. Schluß mit lustig! Wir spurten im einsetzenden Gewitterregen den Lungomare hinunter, zurück zu LEVJE, auf der alles sperrangelweit offen steht und die wir gerade noch erreichen, bevor der große Regen einsetzt. Es wird merklich kühler, das schlechte Wetter ist da. Und mit ihm der Nordost, der uns ab heute Abend mit 5-6 Windstärken in zwei Tagen übers Meer wehen soll: Auf direktem Weg nach Sizilien. Nach Catania!



Soeben erschienen vom Autor von Mare Piu: 
Ein Film darüber: Was Segeln ist.


                         Als Download und auf DVD: € 19,99

Was passiert, wenn das Leben die gewohnten Bahnen verlässt? 
Was geschieht, wenn man sich einfach aufmacht und fünf Monate Segeln geht? 
Darf man das? Und wie ändert sich das Leben?
Der Film einer ungewöhnlichen Reise, der Mut macht, seinen Traum zu leben.



Der Film entstand nach diesem Buch: 
Geschichten über die Entschleunigung, übers langsam Reisen 
und die Kunst, wieder sehen zu lernen
Einmal München - Antalya, bitte. 

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