Samstag, 8. August 2020

Reden wir mal über: Segeljacken. Was deutsche Segler raten. Umfrageergebnisse, was wirklich taugt.

LEVJE im Hafen von Castletownbere als äußerstes Boot. Warum ich auf meinem Törn
in Irland eine Umfrage über undichte Segeljacken startete
und welche Ergebnisse dabei herauskamen, lesen Sie in diesem Post.

Der Tag jedenfalls ging weiter, wie er im letzten Post geendet hatte. Mit nassen Klamotten. Unter Deck ist alles immer noch so nass wie gestern. Der Wollpullover. Das Fleece-Innenfutter der Segeljacke. Deren triefende Ärmel. Als ich die leckenden Ärmel nach außen klappe, stelle ich fest, dass die Beschichtung innen verletzt und abgerieben ist. Hersteller MARINEPOOL hatte zwar an den besonders belasteten Stellen im Schulter- und Ellenbogenbereich meiner INNOVATION-Jacke einen zusätzlichen Patch aufgebracht, aber der ist in der Göße von zwei mickrigen Handtellern eher ein winziges Feigenblatt.

Mein Fazit in vier Punkten:

Deutlich erkennbar in der Polyurethan-Innenbeschichtung meiner MARINEPOOL-Jacke:
Durch mechanische Belastung aufgeraute Bruchstellen im Ärmel.
In der Mitte die aufgeklebte Verstärkung des Ellenbogens...
  1. Beim nächsten Segeljackenkauf keine Polyurethan-Innenbeschichtung mehr. Sie bietet zwar durch den Stretch-Effekt mehr Dehnbarkeit, scheint aber langfristig deutlich weniger Widerstandsfähig gegen mechanische Belastungen zu besitzen.
... sowie der Patch an der Schulter, der dichthielt. Die umliegenden Stellen weisen
aber deutlichen Abrieb auf. Kein Wunder, dass ich trotz vorheriger intensiver
Außenimprägnierung tropfnasse Schultern und Arme hatte.
  1. Gerade die mechanische Belastung einer Segeljacke scheint Hauptfaktor für langwährende Dichtheit zu sein. Vor allem an Schulter und Oberarmen ist die Polyurethan-Beschichtung porös geworden. Vermutlich rührt das vom Überstreifen und Tragen der Rettungsweste her. Allerdings wurde die jetzt sechs Jahre alte Jacke auf meinen langen Reisen im Mittelmeer eher selten getragen.
  1. Segeljacken mögen sich nicht bewegen! Und vielleicht auch nicht verreisen! Während die Schutzschicht auf Brust und Rücken unverletzt blieb, zeigen sich in Bereichen, die stark Bewegungen ausgesetzt sind wie Schulter und Arme beschädigte Stellen. Das enge Zusammenlegen im Segelgepäck (gerade für die Charterer wichtig!), egal ob im Auto- oder Fluggepäck hat meine Segeljacke übelgenommen.
  1. Die üblichen Zeitschriftentests gehen kaum auf den Aspekt der Belastbarkeit des Materials kaum ein. Den „unser Tester stand 7 Minuten unter der Dusche“-Dichtheitstest (einer großen Segelzeitschrift im Mai 2020) bestehen alle Jacken mit Bravour. Doch genau das ist der springende Punkt: 7 Minuten Dusche hält auch meine löchrige Polyurethan-Beschichtung halbwegs durch. Wer will denn schon beim achten Törn oder nach 4 Stunden Rudergehen plötzlich triefend wie ich an Deck stehen?
Weil ich nicht weiter wusste und mich die Testberichten nicht weiterbrachten, habe ich in meinem letzten Post auf MAREPIU einen Aufruf gestartet. Die Frage war: 
Wer ist mit seiner Segeljacke nach sechs Jahren Tragen immer noch zufrieden? 
Welchen Hersteller können Skipper nach sechs Jahre immer noch uneingeschränkt empfehlen?

Auf diese Fragen haben vor allem in den Segelforen im Internet 88 Segler und 4 auf MAREPIU.BLOGSPOT. COM geantwortet. Brauchbar waren davon 45. Es gingen kluge Antworten ein, neben den üblichen „Off-Topics“ aber auch unkonventionelle Beispiele, wie Segler dem Schietwetter trotzen, die ich ebenfalls mit aufliste. 

Vor allem die Eindeutigkeit des Ergebnisses hat mich verblüfft - und ich stelle die Ergebnisse jetzt unkommentiert ein:

Platz 1: 
MUSTO HPX, MPX, BR 2
18 (!!) Segler von insgesamt 45 rieten mir zum Kauf einer MUSTO-Jacke. Das sind immerhin satte 40%.
Auffallend oft wurde die Kombination aus MPX-Jacke (weniger steif als HPX) und HPX-Hose empfohlen.

Platz 2:
PARASAIL
6 von 45 empfahlen mir den Hersteller Parasail.  Immerhin 13%.
(Beim Schnellcheck im Parasail Online-Store gabs aber nur schmale Größen von XS bis M. Ich werde aber nach meiner Rückkehr aus Irland dort anrufen.)

Platz 3:
GIL und HENRY LLOYD
3 Skipper rieten mir zu einem dieser Hersteller. Jeweils 7%.

Platz 4:
2 Segler waren überzeugt von ihrer MARINEPOOL.

Platz 5:
2 Skipper rieten mir zu Motorradkleidung aus Leder.

Platz 6:
DECATHLON, ZHIK, COMPASS, WESTCOAST.
Jeweils 1 Skipper empfahl diesen Hersteller.

Zu den eher „originellen und individuellen“ Empfehlungen bei Schietwetter gehörten diese Antworten:
  • „Segeljacke? Brauch ich nicht. Hab Innensteuerstand! Ich geh nur kurz zum Schotenziehen raus.“
  • „Gebrauchtes COMPASS-Ölzeug! Einmal jährlich mit MUSTO-Spray imprägniert.“
  • „Motorradklamotten! Am besten waren die alten gefütterten Thermokombis. Hab das mit den überteuerten Segelklamotten vor Jahren aufgegeben. Und auch ein superleichter Motorradhelm ist 100% wasserdicht, eigent sich aber nicht zum Schwimmen und Tauchen!“
  • „Hat jemand einen Tipp für Jackengröße ‚Walhai‘? Ich bin nun mal groß und dick…“
  • „Friesennerz vom Baumarkt. Baumwollhemd und Pullover drunter.“
  • „Schau mal unter dem Stichwort ‚Drysuit‘ im Internet nach. Ich persönlich nutze einen Smock.“
  • „eine rote JACK WOLFSKIN Bergjacke in Rot. Hält auch 5 Stunden im Regen.“
Und ich? Ich sitze hier im Fischereihafen von Castletownbere an der Südwestspitze. Ich habe noch eine alte Segeljacke an Bord und meine MAMUT-Treckingjacke. Die ist garantiert regendicht. Aber tagelang unter der Rettungsweste wird sie leiden und auch ihr Material undicht werden.

Ladenbesitzerin Mary-Ann verkauft mir, was irische Männer tragen...

Also mache ich auf den Weg in die Stadt. Klettere über die vier Boote, weil wir am äußersten Ende im Päckchen liegen und finde gleich am Hauptplatz Castletownberes ein in die Jahre gekommenes Geschäft für Modeartikel. Nichts wie rein. Drinnen empfängt mich Mary-Ann, die Besitzerin, die sich freut, dass jemand in diesen dürren Corona-Zeiten zu ihr kommt. Mary-Anns Laden ist wie sie: In die Jahre gekommen, mit einem Herz aus Gold und ein liebenswertes Relikt aus jenen besseren Tagen des Fischerstädtchens Castletownbere, in denen dieser Mary-Anns Geschäft das erste Haus am Platze war. Heute liegt Mary-Anns Angebot abseits von Errungenschaften wie Goretex, "atmungsaktiv" oder allem sonstigen Marken-Unwesen. Dafür hat sie, was des Fischers Herz begehrt. Und statt "Marke" hat Mary-Ann eine Jacke in XXL, wie sie die Fischer tragen. Und die Arbeiter am Straßenrand, wenn sie die Teerdecke ausbessern oder den Tanklastzug befüllen. 29,95€? Was dem Fischer taugt, tuts auch für mich. "Die nehm ich". Knallrot orange ist sie oben auch, Leuchtstreifen hat sie über und über, dass Sven mich gleich findet, sollte ich ins Wasser fallen. Stolz ziehe ich sie auch gleich an und trete mit meiner neuen Errungenschaft auf die Straße zu Sven, der sich bei Mary Ann mit einer Regenhose für 13€ eindeckte und jetzt die Schaufenster-Auslage beäugt.

"Du siehst aus, als würdest Du gleich Deinen Baukran ausfahren", brummt er und schielt auf meine neue Jacke. "Mir egal. Ich will jetzt einfach was Trockenes am Leib haben". Den ersten Guss kriegt die Jacke dann auch gleich auf den 400 Metern von Mary-Anns Laden zur Pier ab. Kaum zurück auf Levje grinst mich Bootsnachbar O'Shea von seiner ALOHA I an und deutet auf die Fischkutter, zwischen denen wir liegen, während er mich anerkennend ansieht. "You are looking like a local fisherman“, sagt O’Shey. Ist das die irische Variante von Svens doofem Baukran-Spruch? 

Ja. Dafür liebe ich die Angelsachsen in all ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen, den Briten, den Schotten, den Walisern, den Iren: dass sie allesamt die edle Kunst beherrschen, vernichtende Kritik in ein scheinbares Lob zu wickeln wie ein Fake-Bonbon. Was O'Shea dann auch genauso anerkennend sage. Wer reist, der lernt schließlich. Seine Antwort ist ein breites Grinsen. Und ein leerer 20-Liter-Dieselkanister, den er mir durch den aufziehenden Nieselregen in den 30er Böen herüberreicht - denn Levjes 200 Liter Tank ist halbleer und will von der Tankstelle neben Mary-Anns Laden befüllt werden.


Aber darüber und wie sich eine 29,95€-Jacke im Sauwetter und in den 30er-Böen macht: Darüber schreibe ich in meinen nächsten Posts.

... meine neue Segeljacke. Ob Provisorien wirklich haltbar sind?
Auf dem Törn entlang der irischen Westküste machte die 29,95€-Jacke
aus Mary-Anns Laden keine schlechte Figur...


Im Mai 2020 erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:



Worum gehts?
Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen.

"... ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt."

"Ein Pageturner." 
Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt)

"Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark". 
Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.)

"Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen."
Magdalena (segelte auf dem See.)

"Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher." 
Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte.

Und was ich drüber denke? 


Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.
Soeben erschienen. Mit noch mehr Geschichten vom Meer und Europas Küsten:



Worum gehts?
Mallorca. Menorca. Und die restlichen Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen.

"... ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt."

"Ein Pageturner." 
Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt)

"Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark". 
Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.)

"Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen."
Magdalena (segelte auf dem See.)

"Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher." 
Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte.

Und was ich drüber denke? 


Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.



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