Dienstag, 15. Juli 2014

Menschen am Meer: Pat. Oder: Vom Segeln mit einer Katze.


Das ist Pat. Er stammt aus England und ist gerade mit seinem Katamaran "Skipjack" auf dem Weg durch die ionischen Inseln in die Ägäis.

Pat ist 68. Er lebt, seit wir ihn kennen, ein ungewöhnliches Leben. Die Sommer verbringt er auf seinem Wharram-Katamaran irgendwo zwischen Korfu und Kos. Die Winter in England. Und in Wien, weil er die Oper liebt.

Oft segeln Freunde mit, und Bekannte. Aber seit wir ihn 2006 auf Ithaki kennenlernten, wo wir neben ihm ankerten: immer ist er mit Katze unterwegs. Damals war es Busco. Busco und Pat waren sich in Spanien über den Weg gelaufen. Busco war Spanier. Und Streuner. Und etwas eigenwillig: Seine Leidenschaft war es, jeden Besucher auf "Skipjack" mit einem herzhaften Biß in den großen Zeh zu begrüßen. Worauf Pat aufsprang und mit einem väterlich-strengen "Don't do that! I will give you the waterpistol!" nach einer großen Sprühflasche griff. Allein das Wort "waterpistol" machte aus Busco dann wieder einen anschmiegsamen Kater. Und wenn nicht: dann jagten sich die beiden auf dem Wharram-Katamaran im Kreis herum. Sie hatten ihren Spaß. So ging das lange Jahre, bis Busco eines Tages auf der Fähre nach Venedig beschloss, dass es Zeit für Veränderung sei. Sich in einen offen stehenden LKW setzte und auf Nimmerwiedersehen verschwand. Pat suchte zwei Tage auf dem Schiff und am Anleger in Venedig. Aber Busco, der Streuner, war zum Anhalter geworden.

Jetzt segelt Pat mit einem neuen Partner: mit Weatherby. Weatherby ist eine griechische Katze, aber ebenso wie Busco eine Persönlichkeit. Jeden Abend, wenn Pat in irgendeiner Bucht ankert, bringt er Weatherby an Land. Und dann geht Weatherby nachts alleine an Land spazieren. Weatherby liebt das. Und gleich was passiert: am Morgen sitzt er wieder auf der Pier, da wo Pat ihn abgesetzt hat, und wartet, dass Pat ihn abholt. Pat sagt: Weatherby würde den Motor des Dinghis kennen. Neulich sei er die ganze Nacht in Gewitter und Regen unterwegs gewesen. Pat machte sich schon richtig Sorgen, dachte, der arme Weatherby sei ertrunken. Als Pat es nicht mehr aushielt, ist er um fünf Uhr morgens mit dem Dinghi zur Pier gefahren. Da saß Weatherby ganz gemütlich - und war im übrigen strohtrocken. Was Pat in seinem Dinghi nicht war.

Am besten finde ich, wenn Pat Geschichten über das Segeln als Jugendlicher in Irland erzählt. Es sind Geschichten, die nach Atlantik schmecken. Und Whisky und Kälte und langen Wellen. Wie er mit einer kleinen Jolle hinausfuhr in die Bucht von Cork, in Südirland, bis zum ersten Leuchtturm, und der Nebel kam. Natürlich hatte er keinen Kompass dabei. Aber irgendwie schaffte er es, zurück zur irischen Küste. Und in irgendeinen Hafen. Zuerst mußte er die Einheimischen nach dem Namen des Hafens fragen, in dem er angekommen war. Und dann eine Telefonzelle suchen. Um seinen Onkel anzurufen. Denn dem gehörte die Jolle.

Als wir bei uns auf dem Boot sitzen, verläßt gerade ein steinalter Segler auf großer Fahrt den Hafen. "An old salt", sagt Pat anerkennend über den alten Segler. Und das ist es, was Pat für mich ist, auch in der Kunst, wie man mit 68 und überhaupt lebt: "An old salt."





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