Samstag, 18. Juni 2022

Sommertörn 2022 (2): Von Irland nach Kroatien. Tage und Nächte auf See - Traum oder Alptraum?

Neben meinen Posts über Traumziele in Kroatien werde ich in den nächsten Wochen auch über meine Reise von Irland nach Kroatien berichten. Heute ein Post über den ersten Abschnitt der 3.000 Seemeilen langen Seereise von Dublin nach Dubrovnik.


Sonntag, 7 Uhr Morgens. 40 Seemeilen südlich Südostküste Irland

Die Schönheit des Meeres an diesem Morgen ist unglaublich. So weit ich sehen kann, strahlt die irische See in schönstem Türkis. Wer könnte bei diesem grünen Leuchten schon übler Laune sein? Abgesehen von den farblichen Wirkungen auf unser Befinden frage ich mich nicht zum ersten Mal, was den magischen Farbton erzeugt.

Am gestrigen Samstag um 14.40 Uhr haben wir von der langen Mole in Wicklow an der Ostküste Irlands abgelegt. Gestern um Mitternacht sind die letzten Licher Irlands hinter uns am Horizont verschwunden, ich bin noch immer traurig, Irland zu verlassen. Es ist, als wäre wieder ein Stück meines Lebens zu Ende gegangen - anders kann ich mir meine Traurigkeit nicht erklären. Aus meinem Plan, noch einmal eine schnelle 500 Seemeilen-Runde um die Insel zu drehen, ist nichts geworden. Wo Irland und Schottland nur 10 Seemeilen nur entfernt liegen, wehte es tagelang kräftig aus Nord - kein Durchkommen gegenan. Nach Süden weht der Wind kräftig - also auf in den Süden, zunächst zu den Scilly-Isles vor der Küste Cornwalls. 

Von Wicklow zu den Scilly Isles sind es 180 Seemeilen. Je nach Windverhältnissen 36 Stunden mit Kurs 180 Grad. Anderthalb Tage nur auf See. Wachen und Schlafen im Wechsel. Ein erster Test für Sven und mich. Denn danach wollen wir vom Südwesten Englands in einem Rutsch über die Biskaya. Von den Scilly-Isles/England Non Stop bis A Coruña/Nordspanien. 440 Seemeilen und vier Tage auf der offenen See.

Als Sven mich weckt, ist seine dreistündige Wache vorüber, und ich bin wieder dran. Über die ideale Wacheinteilung könnte man endlos diskutieren. Weil Sven und ich uns gut kennen, uns vertrauen und seit vielen Jahren immer wieder gemeinsam segeln, halten wir das mit den Wachen wie folgt, und es ist für unsere eingespielte Zweier-Crew eigentlich die beste Lösung:

1. Vereinbart haben wir einen flexiblen 3-Stunden-Rhythmus. Das bedeutet: Während der eine mindestens drei Stunden wacht, schläft der Andere. Das ist gut, es gibt dem Wachführer die Gewissheit, bei Müdigkeit zeitig abgelöst zu werden.

2. Drei Stunden sind also vereinbart. Wenn ich länger wache, kann Sven länger schlafen. Er ist ausgeruhter, frischer, hält länger durch. Und dann kann ich wiederum länger schlafen. Ich weiß von früheren Törns, ohne vorher diese 3-Stundenphasen langfristig trainiert zu haben, komme ich damit schlecht zurecht und bin tagsüber übermüdet, weil ich aus meinem gewohnten Wach-Schlafrhythmus gerissen bin.

Irgendwo Nachts zwischen Irland und den Scilly Isles

Obwohl ich diesmal 5 Stunden schlafen konnte, bin ich am Vormittag geschlaucht. Jetlag-artige Anfälle von Müdigkeit sind mein Begleiter tagsüber, dreiviertelstündiger Schlaf am Tag bringt Erfrischung für zwei Stunden Wachsein. Man muss sich das vorstellen wie die ersten Tage nach dem Langstreckenflug in die USA. Müdigkeit - und hoffen, irgendwann seinen Rhythmus zu finden.

Aber die Müdigkeit ist nur ein Thema. Die Schönheit der See an diesem Vormittag ist unglaublich. Als Sven an Deck ausgeschlafen an Deck kommt, diskutieren wir zum xten Mal die Ursache für das grüne Leuchten des Meeres. Ich kenne es auch von unseren heimatlichen Seen im Juni - und weiß, dass das faszinierende Grün in den folgenden Monaten wieder verschwindet und im Winter zu schwarz wird. Wir entwickeln zwei Hypothesen:

Hypothese 1:
Das irritierende Grün entsteht durch Lichtbrechung. Ein bestimmter monatlicher Sonnenstand sorgt für eine bestimmte Lichtbrechung durch die Wasseroberfläche.

Hypothese 2:
Bestimmte Sedimente, die beispielsweise durch Flüsse eingetragen werden oder auch Algen im Wasser erzeugen die Lichtbrechung.

Hypothese 3:
Eine Kombination aus beidem ist am Phänomen des "grünen Meeres" schuld.

Ab 16 Uhr ist das große Türkis plötzlich verschwunden, das Meer ist jetzt kaltes Stahlblau. Langweilig ist mir nicht. Ich beobachte das Meer. Oder die Seevögel, die auf der Jagd sind, die Basstölpel und Trottellummen, die so weit draußen ihr Zuhause haben. 

Weit draußen vor der Küste gesellt sich eine Haustaube zu uns. Sie ist beringt und offensichtlich menschliche Nähe gewohnt. 

Als der Wind auf 6 bft. auffrischt, kriegen wir noch einen Vogel. Eine schlichte Haustaube gesellt sich zu uns, 40 Seemeilen (75 Kilometer) von jeder Küste entfernt, sie ist mehrfach beringt. Svens Futter und Wasser verschmäht sie, aber auf Levjes Ruderrad nimmt sie gerne Platz. Allerdings ist das ein unruhiger Sitzplatz, denn dort verrichtet der Autopilot seinen Dienst. Die Taube fährt auf dem Ruderrad also ständig hin und her und rauf und runter, was Flügelschlagen verursacht. Unser Angebot eines windgeschützten Platzes an Bord lehnt sie ab. Stattdessen ist die Hübsche plötzlich scharf darauf, unbemerkt unter Deck zu gelangen, wo sie es sich erst auf Polstern und dann unter dem Kartentisch gemütlich macht. Als ich daraufkomme, dass Taubenhirne den Gang zur Toilette evolutionstechnisch noch nicht drauf haben, sondern ihr Geschäft verrichten, wo sie gerade sitzen, ist Schluß mit lustig. Ich nehme sie und setze sie wieder an Deck. Basta. Nach x-Versuchen, wieder in das zu kommen, was sie als ihren neuen Taubenschlag reklamiert, erhebt sie sich beleidigt in die Lüfte und flattert nordwärts davon. Ich hoffe, ihr gut entwickelter Kompass hat sie den entgegengesetzten kürzeren Weg nach Süden zur nächstgelegenen Küste einschlagen lassen.

22 Uhr. Der Wind schläft etwa 12 Meilen vor den Scilly Isles ein und hinterlässt nur eine kabbelige See. Ab Mitternacht haben wir die Segel geborgen und tasten uns langsam in die schmale Bucht des New Grimsby Fjord. Ich kenne sie gut, 2019 habe ich auf meiner Reise mehrere Tage hier verbracht. Ob die Bojen noch so liegen wie zuvor? Wir passieren die Ruine des Cromwell-Castle, die in der Dunkelheit an Backbord vorbeigleitet. Da - Segelboote in einer Reihe. Alle dunkel, alle haben brav im Ankerlicht im Masttopp angeschaltet. Ob die hier Ankern? Oder liegen sie alle an Bojen? Nicht lange fackeln - ran in der Dunkelheit an eine Boje. Weil Sven es leichter fällt, steuere ich die Boje rückwärts an, damit er die schwere Bojenkette leichter aufnehmen kann. Noch ein Palstek durchs letzte Kettenglied und wir liegen fest. Noch ein Bier vom legendären St. James's Gate aus Dublin. Und dann gehen bei mir definitiv die Lichter aus.


Erwachen auf den Scilly-Isles. Tresco, Bryher, St. Marys und St. Agnes.

Das südwestliche Ende von Bryher, unter den vier größten Inseln die Insel der Fischer. Und die mit dem besten Campingplatz Britanniens.



Für Briten sind die Scilly Isles eines ihrer ausgesuchten heimatlichen Urlaubsziele, ein Inselparadies von karibischer Wärme (so empfinden es Briten!) und von subtropischer Pflanzenpracht (so denken Kontinental-Europäer). 

Vier größere Inseln liegen zwischen Hunderten kleinerer, und wir beschließen am Morgen nach gründlichem Ausschlafen uns keine dieser vier Inseln entgehen zu lassen und jede zu besuchen. Wir haben drei Tage Zeit, weil wir auf den nächsten Starkwind aus Norden warten, der uns in einem Rutsch über die Biskaya bis nach Nordspanien tragen soll. Also auf nach Tresco, Bryher, St. Marys und St. Agnes, die nicht unterschiedlicher sein könnten. 

Tresco: ein eher edeltouristisches subtropisches Pflanzenparadies mit Edel-Bio-Supermarkt, als wäre es nach den Vorstellungen des regierenden Duke of Cornwall, Prinz Charles, dem ältesten Sohn der Queen, entwickelt. Ein landschaftliches parkähnliches Vorzeige-Kleinod, in dessen Abbey Gardens man zum Tee vorzügliche Scones mit clotted Cream geniessen kann.

Anlanden per Dinghi am Strand von Bryher, im Hintergrund der Norden Trescos mit dem abgelegenen Cromwell Castle.
Bryher wird anders als Tresco anscheinend von Fischern bewohnt, wie man an dem trocken gefallenen Fischerboot sieht. Sie alle tragen auf den Scilly Islands das typische kleine Besansegel, vermutlich soll es das Boot beim Einholen der Netze und Hummerkörbe bugvoraus in den Wellen halten.

Bryher: 70 Meter östlich von Tresco gelegen. Das Zuhause von einigen Fischern, in deren Laden man einen Kescher in die Hand gedrückt bekommt, um Shrimps aus dem wedelnden Seegras zu fischen. Es ginge ganz leicht, versichert der Fischer, aber Sven und ich mampfen lieber ein Krabben-Törtchen mit Salat, bevor wir über die Insel wandern, auf der sich "der beste Campingplatz Britanniens" befindet. Briten sind, was kühle Nächte angeht, hart im Nehmen: Sven und ich schlafen an Bord unter warmen Bettdecken mit drübergebreiteter Fleecedecke, aber auf dem Campingplatz strahlen mich nur glückliche Gesichter an. Was solls, ist ja Sommer. Auch shoppen gehen kann man auf Bryher im einzigen Dorfladen. Sven ersteht einen hübschen Strohhut aus echt chinesischer Produktion und kauft mir gleich einen mit. Zwei würdige ältere Herren, die würdig im Disput die wenigen Meter langen Feldwege der Insel abschreiten.

Gezeitennavigation sollte man vor allem beim Navigieren zwischen den einzelnen Inseln auf den Scillys beherrschen - aber so schwer ist das nicht.
Und wieder einmal ist das große Türkis unser Begleiter zwischen den Inseln.

Wer sich von den beiden Nordinseln zu den größeren Südinseln verholen will, muss entweder den langen Weg außen um die Inseln herum nehmen. Oder warten, bis die Flut kommt. Denn der Weg nach Süden liegt bei Ebbe trocken. Bei Flut aber erreicht man in kurzen 20 Minuten die Hauptinsel St. Marys. Hier ist der kleine Hauptstadtflugplatz. Hier kommen die Fähren von Cornwall, Bristol und Plymouth an. Hier sind alle - hier muss es also schön sein! Sven hat zu leiden, meine Laune geht bei einem schwierigen Absetzen von Sven an der Kaimauer ("Der Räucherlachs ist alle! Und das Guinness auch!") im Trubel ankommender und auslaufender Schiffe in den Keller.


Dienstag, Scilly Isles. Ferienstimmung auf St. Agnes.

St. Agnes und Bryher haben, so klein die großen Inseln sein mögen, auch einen Farmer unter ihren wenigen Bewohnern, der die wenigen Felder bewirtschaftet und für Fleisch sorgt.




Spätestens beim morgendlichen Besuch der südlichsten Scilly-Insel St. Agnes kommt Ferienstimmung auf, als wir den Schweinepferch der Insel St. Agnes entdecken, denn auf jeder kleinen Insel gibt es einen Farmer, der sich um die landwirtschaftliche Produktion kümmert. Die Tiere genießen ausgiebig die Sonne, grunzen fortwährend, um sich ihres gegenseitigen Wohlgefühls über die Anwesenheit der anderen Schweine zu versichern. Ein tierisch gutes Leben! Bemerkenswert fand ich die Technik des Tieres ganz links, das Wohlgefühl erhaben dadurch zu steigern, dass man sich die Sonne bei ausgestreckten Hinterläufen nicht nur auf den saftigen Hintern, sondern mitten hinein scheinen lässt. Während ich noch über die Übertragbarkeit dieser Technik aufs menschliche Dasein brüte und mein morgenmüdes Hirn über die Auswirkung an den Stränden Mallorcas sinniert ("Wenn das jetzt alle so machen würden..."), wandern wir weiter Richtung Inselmitte. 


St. Agnes, Hauptstraße des einzigen Dorfes.




















St. Agnes ist eher das edle Kleinod unter den Inseln. Ein winziges Post-Office versorgt die wenigen, überaus freundlichen älteren Einwohner mit allem Lebensnotwendigen. Ich male mir aus, wie die lauschigen Winterabende auf St. Agnes sind und bin mir nicht ganz sicher, ob das für jeden das Richtige wäre. Für mich schon - Briten sind große Meister im Cocooning, man sollte nur nicht kälteempfindlich sein.




Am Abend verholen wir uns in den Süden von St. Agnes. Nach Süden schauen wir hinaus aufs Meer, dorthin, wo wir morgen Mittag, sobald der kräftige Nordwest, auf den wir warten, einsetzt. Er wird uns hoffentlich unbeschadet die 440 Seemeilen lange Strecke nach A Corunha in Nordspanien tragen. 

Und die Frage, ob mehrtägige Schläge Traum oder Alptraum sind? Letztlich sagt dieser Post eigentlich alles. Segeln kann hart sein. Bringt aber unvergleichliche, süchtig-machende Erlebnisse. 


Caruso, unser dritter Mann und das Maskottchen, grüßt im Sonnenuntergang von der Südbucht auf St. Agnes.



Mittwoch, 8. Juni 2022

Traumziele in Kroatien 2022 (5): Die Kornaten. Die gekrönten Inseln. Was ein Besuch bringt. Was er kostet. Wann er kostenlos ist.


Jede Woche stellt Mare Piu  die interessantesten Ziele im Norden und Süden Kroatiens vor, 
die man mit dem Boot erreichen kann. 
Die ersten Folgen drehten sich um Krka-, Telascica- und den weniger bekannten, doch sehenswerten Biokovo-Nationalpark. Heute die Kornaten.


Von den etwa 20 Nationalparks in Kroatien gehören die Kornaten zu den meistbesuchten. Im Folgenden ein kurzer Überblick, warum sich ein Besuch auf alle Fälle lohnt und was man beachten sollte.
Die Abbildung entstammt dem Buch REVIER KOMPASS NORD, Wiedergabe nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung des Verlags.  ©xbrchx - stock.adobe.com/millemari.



Wieso zu den Kornaten?

Die Luftaufnahme oben sagt eigentlich schon alles, wieso man die Kornaten nicht achtlos am Wegrand liegen lassen sollte. Man erkennt eine faszinierende Insellandschaft aus unzähligen Inseln im großen Türkis. In Wahrheit ist es eine der dichtesten Inselgruppen, die man unter den etwa 10.000 Inseln des Mittelmeers entdecken kann. 150 Inseln auf engstem Raum, die größte von ihnen so groß wie Borkum, die kleinste von der Fläche einer Yacht-Koje. Die Kornaten bieten Superlative: Allesamt baumlos, allesamt fast menschenleer, autofrei und ausnahmslos wasserlos bis auf ein paar Süsswasser-Quellen unterhalb des Meeresspiegels, die man vom Boot aus dort entdecken kann, wo sich Ziegen zum Wassertrinken scheinbar ins Meer beugen. 

Wer die Kornaten zum ersten Mal besucht, entdeckt eine Mondlandschaft, in der die Anwesenheit des Menschen nur die langgestreckten Feldmauern bezeugen, die sich senkrecht vom Meer über die Hügelkämme erstrecken. Auch einige Festungsruinen erzählen, dass die Inseln nicht immer so unbewohnt waren wie heute. Wer sie vor langer Zeit baute und welchem großen Plan sie einst dienten, erzählt der REVIER KOMPASS KROATIEN NORD.

Alte Mauern, die sich über die kargen Inseln ziehen, eine Festung auf der Hügelkuppe Kornats, eine Kapelle - und vier Handvoll Konoben: Das ist fast schon alles, was man auf den Kornaten findet. ©Thomas Käsbohrer



Und der Name der Inseln? Im Italienischen hießen die Inseln "Isole incoronate", die gekrönten Inseln. Zu wörtlich sollte man aber den geheimnisvollen Namen nicht nehmen. Wahrscheinlich mochten sich wieder einmal die venezianischen Kapitäne und Provveditori, jene adligen Herren, die jahrhundertelang die kroatische Küste beherrschten, ihre Zungen nicht an altkroatischen Ortsnamen verbiegen. Vermutlich haben sie sich auch hier die alten Namen für ihre Seekarten verständlich zurechtgebogen.

Beste Jahreszeit für den Besuch? Die Vorsaison im Mai sowie die Nachsaison. 

Der Weg zu den Kornaten.

Von den beliebten Charter-Marinas Sukosan/Zadar, Murter, Biograd oder Sibenik sind es nicht mehr als drei bis viereinhalb Stunden bei günstigem Wind. Von Murter aus ist der Weg am kürzesten: Der reizvolle Schlag führt durch die Inselwelt vor den Kornaten und beträgt zwischen 8 und 18 Seemeilen.

Allerdings gibt es nur zwei Einfahrten zu den Inseln, denn die längste von ihnen - die 14 Seemeilen lange Insel Kornat - versperrt den Weg vom Osten ins Inselparadies. Man wählt entweder die Zufahrt durch die betonnte nördliche Meerenge Mala Proversa. Oder nimmt den Weg ums Südende Kornats 14 Seemeilen weiter südlich. Meist wird der Wind die bessere der beiden Optionen vorgeben.

Wo man ankert oder anlegt. 

Anders als in der nördlich gelegenen Telascica-Bucht gibt es gleich zwei Marinas: Auf der Insel Zut auf dem Weg in den Osten und im Nationalpark selbst auf der Insel Piskera im Süden. Beide sind in abgelegener Insellage, doch mit kleinem Markt für den notwendigsten Bedarf, aber ohne Tankstelle und auch ohne die Annehmlichkeiten einer Stadt. Treibstoff ist auf den Inseln nicht verfügbar, Wasser und Strom nur stundenweise in den Marinas. Man sollte die Kornaten  mit vollen Tanks und Batterien anlaufen. 

Über beide Marinas gehen die Meinungen ihrer Besucher auseinander - einen sicherer Ort für die Übernachtung bieten sie allemal. 

Als Alternative zum Anlegen liegen über die Inseln verstreut etwa 20 Konoben. Welche von ihnen den Besuch wirklich lohnen, was Du beim Besuch der beiden Marinas beachten solltest, steht ausführlich im REVIER KOMPASS KROATIEN NORD.

Die ACI-Marina Piskera auf dem gleichnamigen unbewohnten Inselchen ist die einzige Marina innerhalb des Nationalparks Kornati. 
Das Wimmelbild zeigt die Besonderheiten der Marina. Weitere Tipps und Hinweise im folgenden Text sowie im REVIER KOMPASS
KROATIEN NORD.

Was es kostet.

Für den Nationalpark Kornati ist ein eigenes Kornati-Ticket zu erwerben. Es kostet, wenn man es online unter dem hier angegebenen Link kauft -  beispielsweise für Schiffe zwischen 11 und 17,99 Metern Länge pro Tag 79€. Das entspricht in etwa den Gebühren und Regeln des nördlich anschließenden Nationalparks Telascica. Wer drei Tage bleiben will, der zahlt nur für zwei Tage - immerhin. Wer online bei einem der Parkranger bucht, die auf ihren Booten unterwegs sind, zahlt mehr. Große Crews sind eindeutig im Vorteil, denn der Preis für den Besuch wird pro Schiff, nicht nach Anzahl der Köpfe erhoben.

Tipp: Das Durchfahren der Inseln ist bislang kostenlos. Nur wer anhält, ankert oder an einer Boje festmacht, wird zur Kasse gebeten. 

In den vergangenen Jahren galten darüber hinaus - noch - zwei Sonderregeln:

• Wer in der Marina Piskera übernachtet, erwirbt mit der Übernachtung vom Moment des Einlaufens bis zum Folgetag 19 Uhr kostenlosen Eintritt.

• In einigen ausgewählten Konoben ist mit der Übernachtung an der Boje und dem Restaurantbesuch ebenfalls ein Kornati-Ticket für den Folgetag eingeschlossen.

Du solltest dich unbedingt vor der Ansteuerung einer Konoba oder der Marina Piskera telefonisch vergewissern, ob diese Sonderregelungen tatsächlich auch im laufenden Jahr gelten.


Wichtig zu wissen für die Kornaten:

Das Ticket für den Nationalpark Kornaten gilt nicht für die Telascica-Bucht! Für die Telascica-Bucht ist ein eigenes Ticket erforderlich. 

Viele weitere Infos zur Telascica-Bucht und zu 33 weiteren Highlights zwischen Koper und Kornaten findest du im REVIER KOMPASS KROATIEN NORD:

Insiderwissen für deinen Traumtörn in Kroatien: 

     Von Slowenien bis Kornaten:         Von der Krka bis Kotor:

https://millemari.de/shop-kategorie/buecher/   

Lesermeinungen:

"Der Revier-Kompass Kroatien war auf unserem Chartertörn ständig in Gebrauch."

"Außer den inzwischen verfügbaren, recht brauchbaren Apps mit Revierinformationen und diesem Führer haben wir keine weiteren Revierhandbücher verwendet und auch nicht vermisst."


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Noch mehr über Kroatien erfahren? Jetzt auch im Podcast SEGELN IST MEER! hören:

Kroatien 2022: Günstiger Urlaub oder teures Pflaster?

Die 65 kroatischen Marinas erhöhen aktuell die Preise für Kurzzeit-Liegeplätze um 9%. Thomas und Ümit gehen dem Mythos "Kroatien ist teuer!" auf den Grund. Klären auf, wo Kroatien teuer ist, wie man um teure Ecken auf der Reise meidet - und kommen zu einem überraschenden Schluss...


Kroatien? Ist doch ein Einsteigerrevier!

Für viele - und vor allem die, die noch nicht da waren, ist Kroatien gleichbedeutend mit Badehosensegeln. Was ist dran am Mythos? Und warum ist Kroatien kein Einsteigerrevier? Wieso gelten für Nordkroatien andere Regeln als für Südkroatien? Warum sollte man besonders im Juli und August in Kroatien die Augen beim Wetter offenhalten? Thomas und Ümit fragen nach und legen offen, worauf man in Kroatien unbedingt achten sollte...


Donnerstag, 2. Juni 2022

Mein Sommertörn 2022: Von Irland nach Kroatien (1): Wie segelt man von Dublin nach Dubrovnik?

Neben meinen Sonntag-Abend-Posts über Kroatien werde ich in den nächsten Wochen auch jeden Mittwoch/Donnerstag über meine Reise von Irland nach Kroatien berichten. Heute ein erster Post über Irland. Und die geplante Route nach Kroatien.




Sonntag, 21. Mai 2022 Südostküste Irland, Fährhafen Rosslare

Das Meer vor Irland an diesem Morgen ist wie ein verhangener Blick aus irritierend grünen Augen, die mich fragend ansehen. Der Himmel im Norden wolkenschwer, das Meer leicht wogend, als würde es sich mit jedem seiner Atemzüge heben und senken. Über allem: Der in der Luft schwirrende Ton einer singenden Sirene.

Die singende Sirene: Das ist das beruhigende Sirren von Levjes Propellerwelle, die sich langsam unter mir dreht, während wir unter Vollzeug von Dublin südwärts laufen. Das Sirren sagt mir, dass wir unter Segeln gerade langsam vorwärts kommen. Levjes Propellerwelle erzeugt diesen rätselhaften Ton, der in Wirklichkeit aus mindestens sieben Einzeltönen besteht, wenn sich bei schwachem Wind die Propellerwelle einfach leer mit dreht.

Gestern sang keine Sirene. Es ging nach dem Ablegen zur Sache. Beim Aufwachen morgens um 6.30 Uhr wehte der Wind schon mit 5bft. vom Fluss herauf. Später auf dem Meer 35 bis knapp 40 Knoten und brutal kabbelige See. Zuviel für einen allerersten Schlag, wir bezogen eine Tracht Prügel, weil wir noch nicht bereit waren. Im Ergebnis: Wasser im Boot, weil ich ein Seeventil nicht geschlossen hatte. Leer geräumte Schapps und Regale, deren Inhalt in wirren Strudeln im Gekabbel über den Boden rollte.

Ich wünschte mich zurück an den Fluss, an dem Levje seit August 2019 gestanden hatte. Der Fluss: Das ist der River Barrow im Südosten Irlands, wo Michael und Stephen Kehoe 10 Seemeilen vom Meer entfernt in New Ross ihren gleichnamigen Werftbetrieb New Ross Boatyard betreuen. Dort hatte nicht nur Levje seit 2019 in Winterstürmen und Lockdowns einen stets sicheren Platz gefunden, sondern auch ich. Ich weiß nicht, was das Geheimnis  ist, dass ich immer wieder unvermutet an unwirtlichen Orten - auf dem Meer, einer Werft mit all ihrer Männer-Hardware, wie bei Michael und Stephen Menschen und einen Ort finde, der mich trägt. Und den ich vermissen werde.

Denn in diesem Sommer will ich Levje von Irland zurücksegeln ins Mittelmeer. Zuerst die Ostküste hinauf nach Malahide, wo Michael für mich einen zuverlässigen Rigger aufgetrieben hat, um dort die Wanten zu und Stagen erneuern zu lassen. Von dort dann entweder zur Isle of Man weiter nördlich, die ich noch nicht kenne. Und wenn der Wind gut ist, noch einmal um Irland herum. Ein letztes Mal, weil ich mich nicht losreissen kann von dieser Insel und den Meeren um sie herum. Denn Irland, das ist ursprüngliches Segeln in Reinform, wo man tagelang kein anderes Segelboot trifft. Wo die Flussfähre von Ballyhack gestern über dem River Barrow respektvoll in ihrer Fahrt innehält, um der motorenden Levje den Vortritt zu lassen. Wo wir an diesem Morgen Puffins, Papageientaucher neben dem Boot entdeckten.

Ihr merkt, wie schwer es mir fällt, von hier wegzugehen. Warum, davon erzählen vielleicht die Fotos, die mehr sagen, als ich es kann.

Der Leuchtturm von Wicklow an der irischen Ostküste. 

 Sind die Winde für eine zügige Umsegelung Irlands im Gegenuhrzeigersinn ungünstig, was wahrscheinlich ist, segeln wir weiter südwärts zu den Scilly Isles vor der Westspitze Cornwalls. Von den Scillies weiter nach Süden, und wenn der Wind es will, direkt nach A Coruna oder Vigo an der spanischen Nordwestküste. Dann weiter entlang Portugal und Andalusien bis Gibraltar und von da über die Balearen, Sardinien und Sizilien nach Süditalien und die ionischen Inseln. Und dann von Korfu aus nordwärts nach Kroatien bis nach Norden.

Es ist ein anspruchsvoller Törn. 1.300 Seemeilen sind es von Dublin allein bis Gibraltar. Und von da aus noch einmal 1.600 Seemeilen bis Nordkroatien. 3.000 Seemeilen, über 5.500 Kilometer, wenn ich vernünftig bliebe und nicht meinem Hunger nach Irland nachgeben würde. Es wären noch einmal 900 Seemeilen und drei Wochen mehr. Mai/Juni Irland. Ende Juni Gibraltar. Ende Juli Mallorca. Mitte August Sizilien. September und Oktober westgriechische Inseln und Kroatien.

PS: Alle Wanten und Stagen sind ausgetauscht. Wohin die Reise nun wirklich geht, das erzähle ich im nächsten Post. Begleiten wird mich auf meiner Reise Sven. Wir teilen, Brüder im Geiste, den Hang

Was ich beim Schreiben meines Textes noch nicht ahnte: Sven wird in der Marina von Malahide in drei Tagen ungefähr 20 Mal in den Mast klettern, um bei stehendem Mast, den wir zuvor in alle Richtungen gesichert, in drei geplanten Schritten alle Wanten und Stagen abzumontieren. Und die neuen Wanten wieder anzubringen

zu den unwirtlichen Orten am Meer seit über 20 Jahren. Und Caruso, der Teddybär-Winzling, den mir meine Frau zusteckte, damit ich den Weg zu ihr Nachhause in den geplanten fünf Monaten sicher wiederfinde. Ich weiß, dass sie auf uns wartet.