Montag, 9. Januar 2023

millemari.'s 45. Neuerscheinung im Januar 2023: Das Rätsel der Orcas. Warum sie Segelyachten angreifen.

millemari.'s 45. Neuerscheinung - jetzt auch als Hörbuch im Download.

Seit Sommer 2020 stoppen Orcas vor der iberischen Halbinsel Boote, rammen und drehen sie um 360 Grad, um zuletzt deren Ruder zerstören. Etwa 400 Boote wurden zum Teil schwer beschädigt, mindestens zwei Boote sanken infolge der Orca-Attacken. Forschern und Naturschützern fehlt jede Erklärung für das Verhalten der Schwertwale. 

Hunderte solcher Vorfälle sind dokumentiert. Und die Zahlen werden auch in 2023 weiter steigen. Die letzte Orca-Attacke auf eine Segelyacht wurde erst gestern 7.1.23 um 03.00 Uhr vor dem Hafen von Tanger vor der marokkanischen Küste auf Position 35° 52' 29.6"N  5° 48‘  58.0"W gemeldet (Quelle: OrcasLocationPT/SPCoast auf WhatsApp, 8.1.23, 12.39 Uhr).

Was steckt hinter den Orca-Interaktionen mit Segelyachten?

Es gibt unzählige Theorien über die Ursachen. Die einen denken an Rache für die Verletzung eines Orca-Babies durch Fischer oder Segler. Verschiedene Meeresbiologen halten eine Erkrankung im Gehirn einzelner Tiere für wahrscheinlich, die auch beim Menschen weit verbreitet ist und ihr Verhalten in Risikosituationen verändert. Oder ist das Echolot von Booten schuld? Oder erhöht die Farbe des Antifoulings die Wahrscheinlichkeit, dass Schwertwale ein Ruder zerstören?

Letztlich bleibt die Frage, ob Lärm, Kampf um Nahrung, die Verschmutzung der Meere, die Verdrängung durch menschliche Aktivitäten wie Fischer, Fähren und Freizeitboote die Gegenwehr der Schwertwale weckten und sie aggressiv gegen Boote vorgehen lässt. Das Buch DAS RÄTSEL DER ORCAS folgt jeder dieser Theorien und recherchiert ihre Plausibilität.

Was steht im Buch über die Orca-Interaktionen?


Niemand kennt mehr Details über Orcas und ihre Interaktionen als die Menschen, die eine Orca-Attacke erlebten sowie die Forscher und Walschützer, die seit vielen Jahren das Verhalten der Schwertwale erforschen. Für dieses Buch interviewte ich 25 Augenzeugen, die auf ihren Booten teilweise über Stunden Attacken von Orcas ausgesetzt waren. Einer von ihnen erlebte den Untergang seines Schiffes. 

Diese Augenzeugenberichte bilden die Grundlage, um die gängigsten 15 Theorien wie Krankheit, Verletzung, Rache, Lärm, Kampf um knappe Nahrung, Training, Jagd oder Spiel zu untersuchen. In zahllosen Gesprächen mit Wissenschaftlern, Meeresbiologen und Walschützern suche ich nach einer plausiblen Erklärung für die Orca-Interaktionen zu suchen, bis am Ende des Buches eine Theorie als wahrscheinlichste Ursache übrig bleibt.

Die betroffenen Augenzeugen haben (fast) alle Arten von Gegenwehr unternommen. Meine Recherchen dokumentieren ihre Wirksamkeit oder Unwirksamkeit. Manche von ihnen sind selbst Meeresbiologen - und wurden überrascht, wie die Tiere reagierten.


Aktuelle Lesermeinungen zu Buch und Hörbuch:

"Ich hatte Gänsehaut beim Lesen. Die ideale Verbindung zwischen Abenteuer und wissenschaftlicher Recherche, wie sich die Orcas das Meer zurückholen."

"Faszinierend, die Hypothesen über die Killerwale und ihr Verhalten. 
Am meisten faszinierten mich die beiden Kapitel über Orca-Jagdtechniken und den Thunfischfang." 

"Thomas Käsbohrer führt seine Leser von Orca-Attacke zu Orca-Attacke, 
von Theorie zu Theorie, warum die Orcas Boote angreifen. 
Ich folgte jeder Theorie. Dann rätselte ich mit, was hinter den Attacken stecken könnte, 
bis ich am Ende meine eigene Theorie entwickelt habe."

"Ich fand die vielen plausiblen Theorien spannend - und vor allem, wie
wie jeder der Augenzeugen eine ganz andere Wahrnehmung von Orca-Attacken hat." 

"... es gibt tatsächlich etwas wie im Roman 'DER SCHWARM',
das uns auf dem Meer bedroht."




Mehr erfahren? Beim Onlinevortrag des YACHT CLUB AUSTRIA
DAS RÄTSEL DER ORCAS
am Donnerstag, 19.1.2023 um 19.30 Uhr
Anmeldung erforderlich unter diesem Link. 


 

Montag, 12. Dezember 2022

8 Last-Minute-Geschenke für leidenschaftliche Segler.

Im Gegensatz zu meiner Frau bin ich kein guter Schenker. Ihr fällt immer etwas Tolles ein, was sie mir schenkt - aber mein Gehirn ist dafür irgendwie zu doof.

Wenn es Ihnen geht wie mir, habe ich hier 8 Last-Minute-Ideen, was einem leidenschaftlichen Segler sicher Freude macht. Und das auch an Weihnachten*:


Bücher

Sie sind was für die stillen Tage, um sich nach dem Vor-Weihnachtsstress endlich 
wieder raus aufs Meer zu träumen. Zum Beispiel damit:



Oder lieber  heimischen Stürme auf der Adria oder der Ostsee unterwegs sein? 
Man lernt eine Menge, wenn 22 Segler über ihre Fehler im Sturm erzählen.


Hörbücher

Manche lesen nicht gern, hören aber umso lieber. Ein Hörbuch als CD ist das Richtige, um den Weg zur Arbeit oder die lange Autofahrt zu versüßen.

Als CD oder im Download bestellbar sind:

Lehrreich und spannend, gelesen von Dominic Kolb.



Das Hörbuch, um endlich mal wieder ausführlich den Traum von der Auszeit neu zu befeuern. 
Wie ist das eigentlich, wenn man nach Jahren aussteigt? 
Wenn die Ferne plötzlich Alltag ist und der jahrzehntelange Schreibtisch hinterm Horizont verschwindet? Eins kann ich sagen: Es ist, als hätte man das freie Meer für immer vor sich...




                                   

Das größte Abenteuer ist es immer noch, draußen auf dem Meer oder in den Bergen unterwegs zu sein. Warum kluge Menschen dumme Dinge machen und welche Rolle dabei unser Gehirn spielt, erzählt AM BERG mit über 20 Geschichten aus den Bergen.

*Alle Bücher und Hörbücher erhalten Sie rechtzeitig, wenn Sie bis Sonntag, 18. Dezember bestellen.


Und wenn der Beschenkte weder liest noch hört: 

Das Seglermesser

Das Victorinox Seglermesser gibt's in verschiedenen Ausführungen. Es macht mir seit Jahren in seiner einfachsten Form mehr Freude als alle Leathermans, die auf meinen Booten unbenutzt vor sich hinrosteten. Clou Nummer eins an dem Teil ist die Wellenschliff-Klinge, die sekundenschnell durch noch so dicke Leinen schneidet, wo man mit jedem Küchenmesser eine halbe Stunde hinsäbelt. Clou Nummer 2 ist der Marlspieker unten, in den zwei Schäkelöffner integriert sind. Die Stechahle oben ist ideal zum Durchstechen von Leinen für Taklinge oder dicken Segelnähten.

Das Teil hängt bei mir im Niedergang - und ist ständig in Gebrauch. Beim Verschenken müssen Sie nur auf Folgendes aufpassen: Ein richtiger Seemann ist abergläubisch, ein Messer verschenken zerschneide die Freundschaft. Wenn's so ist: Dann doch lieber ein Buch. Oder ein Hörbuch. ;-))


Montag, 14. November 2022

Die neue Podcast-Folge auf SEGELN IST MEER: "Seekrank? Werden doch bloß Segelanfänger?"

In der 36. Folge diskutierten Ümit und ich auf unserem Segelmythen-Podcast SEGELN IST MEER über ein Thema, das so alt ist wie die Seefahrt selbst: Seekrankheit.

Gibt es eine Art von Früherkennung der Seekrankheit? Weiß man vor dem Törn, ob sie möglicherweise  eine Seereise verleidet? Meine These im Podcast: Die meisten Menschen wissen das oft schon vor den ersten Schritten an Deck.

Warum? Viele machen lange vor einem ersten Segeltörn ihre ersten "unvergesslichen" Erfahrungen in dieser Hinsicht. Auf einer kurzen Dampferfahrt auf dem See. Auf einem Ausflug nach Helgoland. Und manchem genügte schon der Anblick eines Bootes am Strand, damit ihm flau im Magen wird.

Einem Freund, der mich vor vielen Jahren begleiten wollte, reichte bereits eines der nachfolgenden beiden Videos, um seine Idee einer Seereise zu canceln. Ich habe dieses Video daraufhin häufiger vor einem Törn mit Mitreisenden probiert, es hat sich dabei als guter allererster Test für jeden Newcomer erwiesen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. 

Allerdings ist dieser erste visuelle Test (bislang jedenfalls) noch keinesfalls ein medizinisch fundierter Nachweis über  Seefestigkeit. Um tatsächlich die Stichhaltigkeit dieses Tests zu ermitteln, müsste ich statistisch von einer größeren Anzahl von Teilnehmern erfahren, ob der Test bei ihnen zu Schwindel, flauem Gefühl oder stärkeren Reaktionen führte. Deshalb wäre ich dankbar, wenn Sie unten am Ende des Blogs einen Kommentar hinterlassen. Gerne auch per Mailadresse hier rechts im Blog - auch anonym - als formlose Nachricht.

Im Folgenden also wie in unserer Podcast-Folge über die Seekrankheit angekündigt ein allererster simplerer Test, ob man möglicherweise seekrank wird oder nicht


TEST 1:
Lassen Sie das Video auf sich wirken.


TEST 2:
Sehen Sie sich auch dieses Video an.

Falls Ihnen flau wird oder Sie Anzeichen von Übelkeit spüren, sollten sie die Möglichkeit von Seekrankheit nicht ausschließen. Dies ist lediglich ein erster Hinweis. Sie sollten ihn nutzen, um Vorsorge mit den einschlägigen Hilfsmitteln bei Seekrankheit zu treffen. Allerdings würde ich nur bei besonders auffälligen Anzeichen beim Betrachten der Videos von einer Seereise absehen.

Beide Videos wurden gedreht in der Adria auf meiner Reise einhand nach Antalya im Sommer 2014. Video 1 auf der Route vom süditalienischen Brindisi zur nördlichsten griechischen Insel Othonoi.
Video 2 auf der Route von Mola di Bari nach Brindisi.

Wer nicht der Seekrankheit, sondern den Leiden "Meersucht" oder "Langfahrt-Segeln" ausgeliefert ist, die besonders in der kalten Jahreszeit und insbesondere an langen Abenden statistisch nachweisbar sind, für den ist dieses Video wie geschaffen:  


Dieses Heilmittel gegen die genannte Seglerseuche  ist auf millemari.de downloadbar.
Kann man auch einem Erkrankten als DVD verabreichen. 
Und die Seekrankheit? Kann man zumindest beim Film-Ansehen getrost vergessen ;-)) 





Donnerstag, 15. September 2022

Lohnt sich im Herbst eine Drei-Tages-Charter? Nach Pula?

Der Herbst ist die Zeit für Kurztrips und Städtetouren. Drei Tages-Charter-Trips werden immer beliebter. In loser Folge stellen wir beliebte Kurztrip-Ziele in Kroatien vor, 
die beim großen Sommertörn "links liegen" blieben.

Der Naturpark Kamenjak und die Hafenstadt Pula im Hintergrund: Hier liegen Charter-Ort, Städtetour und Natur nah beieinander. Ein ideales Ziel für einen Kroatien Kurztrip auf dem Meer? Das Wimmelbild ist dem Band REVIER KOMPASS KROATIEN NORD entnommen, der neben Pula und Kap Kamenjak/Medulin auch 30 weitere lohnende Ziele im Norden Kroatiens beschreibt.









Ein letztes Mal kurz aufs Meer - ein Drei-Tagestörn ist ideal, um Segeltörn mit Städtetour zu verbinden. Schauen wir uns das mal am Beispiel Pula an:

An der istrischen Hafenstadt segelt man im Sommer häufig vorbei - möglichst schnell die Inseln im Süden  erreichen; und die 3 Seemeilen lange Einfahrt durch den Fjord und die Inseln zu abseits vom Weg. Lohnt Pula wirklich den Besuch?

Die Stadt ist auf den ersten Blick eine Werft- und Stahlbaustadt. Schon von weitem sieht man die schweren Schiffbaukräne der Uljanik-Werft, die auf der gleichnamigen Insel vor der Stadt schweren Schiffbau betreibt. Wer langsam mit Kindern um die Werftinsel tuckert, kann einiges entdecken: Fähren im Bau. Turmhohe Bohrinseln, an denen geschweißt wird. Spezialfrachter, die gerade auf Kiel gelegt werden. Und nicht zuletzt das Lichterspektakel der "Lighting Giants", wenn die Werftkräne nachts hell beleuchtet werden.

Pula ist aber nicht nur stählerne Hardware. Unmittelbar neben der ACI-Marina liegt eines der besterhaltenen römischen Amphittheater, ein Prachtbau, in dem heute noch Führungen zu Gladiatorenkämpfen und Konzerte stattfinden. Und wer gut essen gehen will, findet um die Markthallen des Stadtmarkt Pula immer etwas.

Wer nach dem Stadtbesuch in Buchten abhängt: Gleich südlich von Pula liegen die Waldbucht von Fraskeric. Oder die sturmsichere Bucht Paltana. Und nicht zuletzt der große Naturpark Kamenjak rund um den Ort Medulin.

Lohnt sich also ein Tages-Bootstrip rund um Pula? Wir meinen: Ja. Denn Stadt und Umland bieten mit kurzen Schlägen lohnende Ziele.

Wer vorher wissen will, ob sich ein Besuch von Pula lohnt, schaut am besten in den REVIER KOMPASS KROATIEN NORD. Die hier erwähnten Ziele wie Pula, Medullin und Kamenjak sind für Bootsreisende ausführlich beschrieben.

Geeignete Charterhäfen: Veruda (9sm nach Pula), Pomer (15sm nach Pula), Medulin (13sm nach Pula), Pula.

Charteragentur für drei-Tages-Touren: CHARTERBAR-YACHTING meines Freundes Ümit Uzun, der mit mir den gemeinsamen Segelmythen-Podcast Segeln ist Meer betreibt. (Nein, ich bekomme für diese Empfehlung von Ümit keine Provision).

Törnvorschlag: 

Tag 1: Anreise und Übernahme des Schiffes in einer der drei (!) Marinas von Pula. Kennenlernen und Abendessen in der Stadt.

Tag 2:  Ein 3-4 Stundenschlag zum Baden nach Süden zum Kap Kamenjak in die Medulin-Bucht. Die Nacht vor Anker oder in einer der beiden Marinas.

Tag 3: Langsame Rückkehr in den Ausgangshafen mit Badestop in der Bucht Fraskeric.


Alles Weitere im Revier Kompass Kroatien: 

     Von Slowenien bis Kornaten:         Von der Krka bis Kotor:

https://millemari.de/shop-kategorie/buecher/   

Beide REVIER-KOMPASSE sind nicht nur als Print, sondern auch als eBook erhältlich. Das Ebook ist allerdings ausschließlich über millemari.de erhältlich. Es wird - um beste Bildqualität bei den Wimmelbildern zu bieten - persönlich für jeden Nutzer auf Anfrage erstellt.



Lesermeinungen in 2022:

"Der Revier-Kompass Kroatien - jeden einzelnen Cent wert!
...ein hochwertiges Werk,das einerseits durch die hochwertige grafische Gestaltung und andererseits durch viele Hintergrundinformationen hervorsticht."
www.kristian-antic.com 22.8.22

"Nicht nur die genialen Wimmelbilder, die auf einen Blick einen hervorragenden Überblick über alles Wissenswerte geben, auch die vielen auf den Punkt gebrachten Informationen halfen uns bei der Törnplanung und gaben uns täglich wertvolle Orientierung."


"Vielen Dank für die beiden Revier Kompasse.

UND für die vielen angenehmen Stunden mit Ihren Büchern.

Ihre Art zu Beschreiben mag ich sehr und macht Lust auf Meer, und mehr!"


"Der Revier-Kompass Kroatien war auf unserem Chartertörn ständig in Gebrauch."


"Außer den inzwischen verfügbaren, recht brauchbaren Apps mit Revierinformationen und diesem Führer haben wir keine weiteren Revierhandbücher verwendet und auch nicht vermisst."


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Noch mehr über Kroatien erfahren? Jetzt auch im Podcast SEGELN IST MEER! hören:

"Das Gewitter kam unverhofft und aus heiterem Himmel"

Kroatien 2022: Günstiger Urlaub oder teures Pflaster?

Die 65 kroatischen Marinas erhöhen aktuell die Preise für Kurzzeit-Liegeplätze um 9%. Thomas und Ümit gehen dem Mythos "Kroatien ist teuer!" auf den Grund. Klären auf, wo Kroatien teuer ist, wie man um teure Ecken auf der Reise meidet - und kommen zu einem überraschenden Schluss...


Kroatien? Ist doch ein Einsteigerrevier!

Für viele - und vor allem die, die noch nicht da waren, ist Kroatien gleichbedeutend mit Badehosensegeln. Was ist dran am Mythos? Und warum ist Kroatien kein Einsteigerrevier? Wieso gelten für Nordkroatien andere Regeln als für Südkroatien? Warum sollte man besonders im Juli und August in Kroatien die Augen beim Wetter offenhalten? Thomas und Ümit fragen nach und legen offen, worauf man in Kroatien unbedingt achten sollte...

 










Sonntag, 11. September 2022

Sommertörn 22: Von Irland nach Kroatien (6): Unterwegs nach Gibraltar. Orcas!

In meinen vorangegangenen Posts über meine Reise von Irland nach Kroatien erzählte ich                        von Irland und den Scilly-Inseln, von Nordspanien und den hohen Wellen vor Portugal. Über meine Sorgen vor einer Begegnung mit den Orcas, die mich von Irland bis kurz vor Gibraltar begleitete, sprach ich bislang nicht.

Hier ein Bericht über meine glimpfliche Begegnung mit einem Orca vor Gibraltar.

Die Orcas.

Seit Dublin waren wir gewarnt. Dort hatte uns ein junger irischer Skipper erzählt, wie er eines Morgens auf der Heimreise hinter Gibraltar plötzlich einen schwarzen Brocken zwischen die Schwimmer seines großen Katamarans bekommen hatte. Im ersten Schreck dachte er an einen Felsen, bis sich der Fels, der 3/4 der Länge des Katamarans hatte, plötzlich zwischen den Schwimmern bewegte. 

Im Internet studierten wir Berichte, wie kleine Crews nah an der Küste der Begegnung mehreren Orcas ausgesetzt waren. Sie rammten mehrfach das Boot, bissen Teile des Ruders ab und spielten von den Augen des entsetzten Skipper-Paares mit den Bruchstücken. Wäre es nicht so ernst gewesen, man hätte es für jugendliches Rowdytum gehalten.

Während unserer Reise von Irland entlang der Küsten Nordspaniens und Portugals rufen Sven und ich immer wieder die empfehlenswerten Seiten  orcaiberica.org oder der Deutschen Stiftung Meeresschutz auf. Wir versuchen, ein Muster in den Attacken zu erkennen, die die spanischen Tierschützer "Interaktionen" nennen - als gäbe es keinen Unterschied zwischen einem Händeschütteln und einem Kinnhaken. 


Fünf Dinge zeichneten sich ab: 

• Die meisten "Interaktionen" fanden zwischen Cabo Trafalgar und Gibraltar statt. Vor dem Ort Barbate. Und meist im Frühsommer. Weshalb die spanischen Behörden das Gebiet mit den häufigsten "Interaktionen" zur "Exclusion Zone" erklärt hatten.

• Bevorzugtes Ziel der "Interaktionen": Segelboote bis 15 Meter Länge mit Spatenruder. Also sowas wie meine LEVJE. 

• Nur 50% aller "Interaktionen" enden mit Schäden am Boot. Wie hoch der Prozentsatz aller Boote war, die vor oder nach dem Passieren der Meerenge des Nachts oder tagsüber "Interaktionen" erlebten, ist nicht klar. Als grobe Schätzung gingen wir von 3%-10% aller Boote aus. Eine geringe Zahl. Aber im Angesicht der Gefahr ist Statistik kein wirklicher Trost.

• Die beste Taktik, um Interaktionen zu vermeiden: Nicht Nachts fahren. Bei Interaktion den Motor inklusive aller Bordgeräte abstellen. 

Ich kann mir nur schlecht vorstellen, stillzuhalten wie Buddha, während 7 Meter lange Orca-Bullen sich in mein Ruder verbeissen und aus Leibeskräften mein Boot rammen. Aber das war graue Theorie.

Als wir in  Ferragudo den Anker aufholen, gewittert es über der Algarve-Küste. Durch die ersten Böen motoren wir hinaus auf den Atlantik, wo alles ruhig und regnerisch ist und der Wind erst in der Abenddämmerung zunimmt. 

Die Nacht ist, als wolle der Atlantik uns verabschieden. Mit 25-30 Knoten bläst ein Nordwest von der Algarve südostwärts auf das schmale Nadelör namens Gibraltar zu, eine rasche Fahrt, die mich in meiner Koje unruhig macht und kaum Schlaf finden lässt, bis Sven in der Dunkelheit an meine Tür klopft, damit  ich ihn ablöse.

Schon viele Seemeilen vor Gibraltar spürt man die Nähe der großen Engstelle. Früh am Morgen - 80 Seemeilen westlich - nimmt die Großschiffahrt zu. Alle Arten von Frachtern, Containerschiffen, Tankern, Spezialtransportern, die eines gemeinsam haben: Kurs 270°. Amerika. Schon 40 Seemeilen fühlt man den großen Sog, mit dem das Mittelmeer uns anzieht. Wir nähern uns der "Exclusion Zone", für die die Tierschützer die bislang meisten Interaktionen registrierten. Unser schlichter Plan, eine Interaktion zu vermeiden: Am helllichten Mittag und weit südlich fernab der Exclusion Zone am äußersten Rand auf die Meerenge zuhalten. Viel mehr ist nicht zu machen.

Am späten Mittag beschäftigen mich mehr die Flottenmanöver, die die spanische Kriegsschiffe gerade eineinhalb Seemeilen hinter und neben uns abhalten. Hubschrauber-Landungen auf Achterdecks. In Linie fahren. Sich unsichtbar machen. Ich beobachte gerade die Fregatte hinter uns, als plötzlich schräg hinter uns ein massiger schwarzer Körper mit der charakteristischen Rückenflosse in 300 Meter Entfernung aus dem Wasser auftaucht und auf uns zuhält. Ein Orca! 

Anders als ich erwartet hatte, bin ich nicht ängstlich, sondern beobachte das Tier eher neugierig. Vor allem wegen seines ausgeprägten Schwimmstils, der am ehesten dem des sogenannten Delphin-Stils gleicht: Kurz auftauchen, kurz untertauchen. Ein bucklig Auftauchen, ein bucklig Untertauchen in schnellem Wechsel, ein fesselnder Anblick. Das Tier hält zielstrebig auf Levje zu. 

Dann überlegt es sich doch anders. Ändert die Richtung schnurstracks auf das Heck der spanischen Fregatte zu, als hätte es heute Appetit auf ein herzhafteres Ruder als das von Levje. Eine Weile sehe ich dem Orca noch zu, wie er Richtung Kriegsschiff durch die Wellen buckelt. Dann ist er verschwunden. 


Nachtrag.

Wir hatten Glück. Mehr Glück als die portugiesische Segelyacht, die wenige Wochen nach uns die Meerenge ansteuerte und vor dem portugiesischen Hafen Sines am 31.7.22 bei einer Interaktion durch Orcas versenkt wurde.

Berichte über die Interaktionen begleiteten mich auf dem Rest meiner Reise von Gibraltar über die Balearen, Sizilien, Westgriechenland bis nach Kroatien. 

Es scheint klar zu sein: 

• Die Interaktionen die seit Mai 2020 stattfinden, ebben nicht ab, sondern werden immer mehr zur erlernten Methode der intelligenten Groß-Delphine, mit Segelyachten umzugehen.

• Laut www.orcaiberica.org verlagert sich der Schwerpunkt der Interaktionen vom ersten Halbjahr 2022 von der Straße von Gibraltar auf die portugiesische und spanische Küste. Siehe die registrierten aktuellen Interaktionen auf orcaiberica.org.

• Ob die Tiere ihr aggressives Verhalten noch einmal ablegen werden? Es erscheint mir unwahrscheinlich, auch wenn die Zahl der Interaktionen überschaubar ist.

Ich würde zu gerne noch einmal die Route aus dem Mittelmeer heraus nach Irland befahren. Sie gehört mit zu reizvollsten, was ich seglerisch je unternommen habe. Ich habe dieser Route ein Buch gewidmet. Ob ich das wirklich einhand tun werde wie 2018, steht vor allem wegen der Orcas in den Sternen.

Im nächsten Post kommende Woche: Gibraltar. Über die Stromschnellen. Den Felsen. Und die Affen.



Dienstag, 30. August 2022

Unterwegs in Kroatien 2022: Die heimlichen Elaphiten-Inseln.

Vor wenigen Tagen bin ich auf meiner Reise von Irland nach Kroatien in Dubrovnik angekommen         und gestern weiter nach Norden zu den Elaphiten gesegelt. Hier ein kurzes Porträt dieser Inselgruppe, die zwischen Mljet und Dubrovnik liegt und wenig bekannt ist. Zu Unrecht.


Die einzigen Nachbarn in der weiten Bucht Ende August...







Wo sind die Elaphiten?

Berge. Burgen. Einsame Buchten. So erlebe ich Ende August die  Inseln der Elaphiten, die man auch nach dem griechischen Wort "Elaphos" die Hirschinseln nennt. Warum weiß keiner. Die Handvoll Inseln beginnt am Südende Mljets mit der einsamen Insel Olipa und endet wenige Seemeilen vor Dubrovnik. Gemessen an den bekannten "Stars" unter den Inseln wie Hvar oder Brac kennt die Elaphiten-Inseln kaum jemand. Die Inseln Olipa, Jakljan,  Sipan, Lopud und Kolocep kennen nur wenige mit Namen, meist will man schnell weiter auf dem Weg von Split nach Dubrovnik. Oder sucht die etwa 5 Seemeilen entfernte ACI-Marina Slano auf, die vor den Elaphiten liegt. 

Eine Überraschung ist für mich, wieviele versteckte und anscheinend einsame Buchten es auf den Elaphiten gibt. Als ich gestern Abend bei strammem Nordwest bis 22kn von Dubrovnik her aufkreuzte und nach einem geschützten Unterschlupf für die Nacht suchte, stieß ich auf die Bucht Stipisce. Sie liegt zwischen dem Südende der Halbinsel Ston im Norden und dem unbewohnten nördlichsten Elaphiten-Inselchen Olipa. Die Ankerlichter zweier Yachten führten mich in der Dunkelheit in die weite Bucht. Ankermanöver in einer mir unbekannten finsteren Felsbucht sind nicht mein Favorit, in windigen Nächten sehe ich schon gerne, auf was für Grund mein Anker fällt. Doch meine Sorge war unberechtigt. Beim zweiten Mal hielt der Anker den Fallböen stand, die von den 200 Meter hohen Hängen Stons herunter pfeifen. Wenn man sich etwas ans Ufer quetscht, findet man auf 6 Meter Wassertiefe krautigen Lehm und Sand, der den Anker gut hält. Aber das sah ich erst am Morgen.

... Stupisce am Morgen Richtung Festland und Sonnenaufgang.

Eigentlich ist die Bucht Stipisce nur als Tagesankerplatz beschrieben. Aber da die Nacht hier sehr angenehm war und bei Nordwest ausgezeichneten Schutz bot, gehört sie zu meinen Lieblingen unter den kroatischen Buchten. Sämtliche Fotos dieses Posts habe ich heute morgen aufgenommen. Schade ist nur,

dass man nicht mit Fotos eine Dosis der typischen Inselgeräusche und Inselgerüche hinzufügen kann. Das Lärmen der Zikaden. Das Uferplätschern. Den Duft nach sonnenbeschienenen Wildkräutern und harzigen Kiefernnadeln wären als Charakteristika der Uvala Stipisce es wert.

Und wer es noch romantischer liebt: Auf jeder der drei größeren Elaphiten-Inseln Lopud, Kolocep und Sipan gibt es eine geschützte Bucht, in der der Insel-Hauptort samt Burg liegt, die einst die Partrizier Dubroviks zum Schutz ihrer dortigen Sommersitze gegen Piratenüberfälle hier errichteten. 

Wo kann ich mehr über die Elaphiten als Segelrevier erfahren?

Wer mehr wissen will: Im REVIER KOMPASS KROATIEN SÜD habe ich den Elaphiten ein Kapitel gewidmet, das die schönsten Buchten und Liegeplätze der Inselgruppe und in Dubrovnik vorstellt.


Insiderwissen für deinen Traumtörn in Kroatien: 

     Von Slowenien bis Kornaten:         Von der Krka bis Kotor:

https://millemari.de/shop-kategorie/buecher/   

Beide REVIER-KOMPASSE sind nicht nur als Print, sondern auch als eBook erhältlich. Das Ebook ist allerdings ausschließlich über millemari.de erhältlich. Es wird - um beste Bildqualität bei den Wimmelbildern zu bieten - persönlich für jeden Nutzer auf Anfrage erstellt.



Echte Lesermeinungen in 2022:

"Der Revier-Kompass Kroatien - jeden einzelnen Cent wert!
...ein hochwertiges Werk,das einerseits durch die hochwertige grafische Gestaltung und andererseits durch viele Hintergrundinformationen hervorsticht."
www.kristian-antic.com 22.8.22

"Nicht nur die genialen Wimmelbilder, die auf einen Blick einen hervorragenden Überblick über alles Wissenswerte geben, auch die vielen auf den Punkt gebrachten Informationen halfen uns bei der Törnplanung und gaben uns täglich wertvolle Orientierung."


"Vielen Dank für die beiden Revier Kompasse.

UND für die vielen angenehmen Stunden mit Ihren Büchern.

Ihre Art zu Beschreiben mag ich sehr und macht Lust auf Meer, und mehr!"


"Der Revier-Kompass Kroatien war auf unserem Chartertörn ständig in Gebrauch."


"Außer den inzwischen verfügbaren, recht brauchbaren Apps mit Revierinformationen und diesem Führer haben wir keine weiteren Revierhandbücher verwendet und auch nicht vermisst."


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Noch mehr über Kroatien erfahren? Jetzt auch im Podcast SEGELN IST MEER! hören:

"Das Gewitter kam unverhofft und aus heiterem Himmel"

Kroatien 2022: Günstiger Urlaub oder teures Pflaster?

Die 65 kroatischen Marinas erhöhen aktuell die Preise für Kurzzeit-Liegeplätze um 9%. Thomas und Ümit gehen dem Mythos "Kroatien ist teuer!" auf den Grund. Klären auf, wo Kroatien teuer ist, wie man um teure Ecken auf der Reise meidet - und kommen zu einem überraschenden Schluss...


Kroatien? Ist doch ein Einsteigerrevier!

Für viele - und vor allem die, die noch nicht da waren, ist Kroatien gleichbedeutend mit Badehosensegeln. Was ist dran am Mythos? Und warum ist Kroatien kein Einsteigerrevier? Wieso gelten für Nordkroatien andere Regeln als für Südkroatien? Warum sollte man besonders im Juli und August in Kroatien die Augen beim Wetter offenhalten? Thomas und Ümit fragen nach und legen offen, worauf man in Kroatien unbedingt achten sollte...






Dienstag, 23. August 2022

Schwere Unwetter auf See über Korsika - ist das auch in Kroatien möglich?

Das schwere Unwetter über Korsika und Italien zeigt die Gefahren, die für Yachten von Gewittern ausgehen. Sind Wetterextreme wie auf Korsika auch in Kroatien möglich? Und wie verhält man sich im Fall von aufziehenden Gewittern? Ein Grund, Mythen über Stürme und Gewitter auf See näher zu betrachten.

1. "Das Unwetter über Korsika kam unversehens und aus heiterem Himmel."









Heftige Unwetter auf See kommen niemals überraschend. Drohende Gewitter sind bereits am Vormittag für einen aufmerksamen Beobachter anhand einfacher Wolkenformationen erkennbar.

Selbst die allgemeinen Wetterdienste wie www.wetteronline.de weisen auch im Ausland 24-48 Stunden zuvor zuverlässig auf mögliche Gewitterlagen hin. Große Gewitterfronten in Deutschland kündigen sich manchmal auch Tage vorher durch schwere Unwetterschäden in Frankreich an.

www.windy.de oder www.windfinder.de sind weniger zu empfehlen und für Gewittervorhersagen nicht ausreichend. Sie sind eher reine Windvorhersageseiten und weniger Wetterseiten. In windy sind Gewitterlagen in einem eigenen Untermenü "versteckt", und zweitens finde ich die grafische Aufbereitung - anders als bei den windy-Windvorhersagen - unbefriedigend und wenig aussagefähig. Doch dazu unten mehr.

2. "Die Böen trafen uns vollkommen unvorbereitet."

Die Seite www.blitzortung.org empfahl ich bereits in der ersten Ausgabe meines Buches GewitterSegeln. Ich nutze die Seite, die vergangene Woche auch auf SPON empfohlen wurde, seit fast 10 Jahren konsequent in Gebieten mit Gewittergefahr. Warum? Blitzortung.de zeigt zuverlässig nicht nur ein Gewitter an, sondern vor allem dessen Ausmaße und Zugrichtung.

Das obige Foto zeigt einen Screenshot des Unwetters über Korsika vom 18. August Stunden vor dem Einsetzen der ersten Böen. Erstens ist daran die schiere Größe der Gewitterfront beeindruckend. Sie reicht praktisch von Menorca bis Genua, was in etwa der Distanz München - Hamburg entspricht. Was am 18.8.  aufzog, war eine Riesenfront und kein Regenschauer.

blitzortung.org zeigt auch klar die Zugrichtung eines Gewitters, nämlich nach Nordwesten. blitzortung.org registriert weltweit jeden einzelnen Blitz. Und markiert ihn in der Grafik mit einer Art Zeitstempel:
• roter Kreis: aktueller Blitz
• weiße Punkte: neueste Blitze innerhalb der letzten 20 Minuten
• gelbe Punkte: mittelalte Blitze innerhalb der letzten 40 Minuten
• rote Punkte: alte Blitze innerhalb der letzten 100 Minuten

Ein Unwetter zieht immer in Richtung der neuesten Blitze - also stets von "rot" nach "weiß".

3. Ist ein derartiges Unwetter auch in Kroatien möglich?

Ja. Und es gibt sie auch jedes Jahr. Vor allem im August und September. 

Warum? 

Im Monat August erreicht das gesamte Mittelmeer traditionell seine höchsten Wassertemperaturen. In diesem Jahr werden vor allem am Enstehungsort des Korsika-Unwetters sehr hohe Wassertemperaturen gemessen: Zwischen Mallorca und Barcelona aktuell weiterhin fast 30°, nördlich von Sizilien ebenso. Ebenfalls sehr hohe Wassertemperaturen herrschen zur Zeit im östlichen Mittelmeer. Dies sind ungewöhnlich hohe Temperaturen - aber sie passen ins Bild der laufenden Klimaveränderung. 

Das Mittelmeer und seine Teilmeere sind wie ein riesiger Solarspeicher, der die Sonnenenergie in sich aufnimmt und speichert. Jagt ein Tiefdruckgebiet größere Kaltluftmengen über die erwärmte See, beginnt die Wetterküche. Heftige Unwetter sind nur eine Frage der Zeit.

Die aktuellen Wassertemperaturen in der Adria liegen aktuell niedriger als die genannten Rekordwerte. Beispielsweise heute in Hvar bei 24° oder Cres bei 25°. Für heftige lokale Unwetter reicht das allemal. Eine gute Quelle für Wassertemperaturen ist ebenfalls www.wetteronline.de oder seatemperature.org/mediterranean-sea.

Bei den hohen Wassertemperaturen um die Balearen, im Tyrrhenischen Meer und im östlichen Mittelmeer dürften Gewitter und Unwetter bis weit in den Herbst wahrscheinlich sein. "Medicane"- und weitere sogenannte heftige "Derecho"-Ereignisse (große Gewitterfronten mit stärksten Sturmböen) sind dort wahrscheinlich.

4. Wie verhalte ich mich in Kroatien richtig?

Neben vielen Tipps von Versicherungs- und Gewitterschadensexperten im Buch Gewittersegeln sind vor allem drei Dinge wichtig:

1. Auch während Schönwetterperioden: Konsequent morgens Wetterberichte aufrufen. Selbst allgemeine Webseiten wie www.wetteronline.de kündigen wirksam bereits Tage vorher Gewitter an - und zwar effizienter als die bevorzugten Seewetterseiten wie www.windy.com oder www.windfinder.de, in dessen einfacher Version zwar Niederschläge, aber keine Gewitter erwähnt werden. Im Auge des Seglers, der diese Seiten nutzt, entsteht so ein "blinder Fleck".

2. Jeden Vormittag und Nachmittag in www.blitzortung.org nachsehen, ob sich wie im Foto oben Gewitterfronten ausbilden auf den Standort zubewegen.

3. Einheimische fragen. Niemand kennt das Wetter über dem Kvarner besser als die Hafenmeister von Mali Losinj oder Cres.

Ist ein Unwetter unausweichlich, Schiff und Crew gewissenhaft auf Schwerwetter vorbereiten.

5. Wo ist man im Gewitter sicherer: Im Hafen? Auf See? Oder in einer Bucht?

Klingt einfach. Ist es aber nicht. Die meisten Gewitterschäden ereignen sich nach Auskunft der befragten Seeversicherer im Hafen (Quelle: Gewittersegeln, aktuelle Ausgabe). Der einzige, aber wichtige Unterschied sei, dass im Hafen im Notfall schneller Hilfe verfügbar sei, so teilt PANTAENIUS im Buch mit.

Und in der Bucht? Nach vielerlei Gewitter- und Unwettererfahrungen in kroatischen Buchten, die ich auch im Revier Kompass Kroatien geschildert habe, halte ich Buchten - sofern sie nicht über ein gut gewartetes Bojenfeld verfügen - für die schlechteste Alternative. Hier muss man sich seines Ankers schon sehr, sehr sicher sein. 
Denn: "In einem Gewitter ist alles möglich." Vor allem im August und September.


Insiderwissen für deinen Traumtörn in Kroatien: 

     Von Slowenien bis Kornaten:         Von der Krka bis Kotor:

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Beide REVIER-KOMPASSE sind nicht nur als Print, sondern auch als eBook erhältlich. Das Ebook ist allerdings ausschließlich über millemari.de erhältlich. Es wird - um beste Bildqualität bei den Wimmelbildern zu bieten - persönlich für jeden Nutzer auf Anfrage erstellt.



Echte Lesermeinungen in 2022:

"Der Revier-Kompass Kroatien - jeden einzelnen Cent wert!
...ein hochwertiges Werk,das einerseits durch die hochwertige grafische Gestaltung und andererseits durch viele Hintergrundinformationen hervorsticht."
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"Nicht nur die genialen Wimmelbilder, die auf einen Blick einen hervorragenden Überblick über alles Wissenswerte geben, auch die vielen auf den Punkt gebrachten Informationen halfen uns bei der Törnplanung und gaben uns täglich wertvolle Orientierung."


"Vielen Dank für die beiden Revier Kompasse.

UND für die vielen angenehmen Stunden mit Ihren Büchern.

Ihre Art zu Beschreiben mag ich sehr und macht Lust auf Meer, und mehr!"


"Der Revier-Kompass Kroatien war auf unserem Chartertörn ständig in Gebrauch."


"Außer den inzwischen verfügbaren, recht brauchbaren Apps mit Revierinformationen und diesem Führer haben wir keine weiteren Revierhandbücher verwendet und auch nicht vermisst."


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Noch mehr über Kroatien erfahren? Jetzt auch im Podcast SEGELN IST MEER! hören:

Kroatien 2022: Günstiger Urlaub oder teures Pflaster?

Die 65 kroatischen Marinas erhöhen aktuell die Preise für Kurzzeit-Liegeplätze um 9%. Thomas und Ümit gehen dem Mythos "Kroatien ist teuer!" auf den Grund. Klären auf, wo Kroatien teuer ist, wie man um teure Ecken auf der Reise meidet - und kommen zu einem überraschenden Schluss...


Kroatien? Ist doch ein Einsteigerrevier!

Für viele - und vor allem die, die noch nicht da waren, ist Kroatien gleichbedeutend mit Badehosensegeln. Was ist dran am Mythos? Und warum ist Kroatien kein Einsteigerrevier? Wieso gelten für Nordkroatien andere Regeln als für Südkroatien? Warum sollte man besonders im Juli und August in Kroatien die Augen beim Wetter offenhalten? Thomas und Ümit fragen nach und legen offen, worauf man in Kroatien unbedingt achten sollte...








Donnerstag, 28. Juli 2022

Sommertörn 2022: Von Irland nach Kroatien (5). Portugal. Wie man mit einer alten Motorradkette ein Leck abdichtet.

In meinen vorangegangenen vier Posts über meine Reise von Irland nach Kroatien erzählte ich von Irland und den Scilly-Inseln. Von Nordspanien und den hohen Wellen vor Portugal. Doch eines habe ich verschwiegen: Dass ausgerechnet in den hohen Wellen plötzlich Wasser aus einem undichten Ruderlager ins Schiff lief. Sollten wir das Boot aus dem Wasser nehmen? Oder gab es andere Möglichkeiten? Hier mein Bericht, wie wir gleich nach unserer Ankunft im Süden Portugals in Portimao am Fluss Arade eine Lösung fanden.

Der Abendhimmel über Portimao an der Algarve, zwischen Faro und Lagos. Schon einmal hat mich dieser Ort fasziniert auf meinem Weg von Sizilien nach England vor vier Jahren. Auch diesmal ist es ein defektes Teil, was mich den Menschen näher bringt.

"Wir brauchen eine Motorradkette", sagte Sven. "Eine alte Motorradkette. Denk Dir was aus, wo wir eine herkriegen. Ich denk mir was aus, wie wir damit das Leck am Ruderlager abdichten." Wir lagen vor Anker im Fluss und dachten über das Problem unseres Lecks nach. So ist es immer, wenn wir gemeinsam segeln. Sven, Maschinenbauer und einsamer Kämpfer gegen den Zerfall aller technischen Dinge dieser Welt, den wir Laien "kaputtgehen" nennen, ersinnt eine Lösung. Ich bin für die Beschaffung zuständig. 

Diese Arbeitsteilung ist nicht zufällig. Sven ist für Machen und Ausdenken verantwortlich, sein Hirn ist voller Zahlen und Koeffizienten. Meins ist voller Sprache. Mein Werkzeug ist Reden. Und darum dachte ich jetzt darüber nach, wo ich mitten auf dem Fluss im Süden Portugals fragen könnte, um an eine alte Motorradkette heranzukommen. 

Es konnte nicht so schwer sein. Portugal ist ein Mittelmeerland, schreibt man mit M wie Moped. Die gibts hier reihenweise - also muss es hier auch irgendwo eine Motorradwerkstatt geben. Also Google gefragt. Zu zweit an Land gerudert. Und unter dem eifrigen Geklapper der Störche, die das Flussdelta des Arade 

zu Hunderten bevölkern und auf allem und jedem nisten, was irgend in die Höhe ragt und sich für den Nestbau eignet, in der feuchten Hitze des Flusses. Wir pilgern unter den klappernden Störchen durch die Werkstätten von Portimaos Vorstädten. Dann bin ich dran. Rein in die Motorradwerkstatt. Der Händler hat nur eine neue Kette. 25€. "Das gilt nicht", denke ich mir. "Wenn schon, denn schon. Ausgemacht ist: es muss eine alte Kette sein..."

Einen Kilometer weiter. Segeln hat, wenn man sein Boot selber repariert, unglaublich viel mit Laufen zu tun. Laufen in feuchter Hitze. Wer Geld hat, lässt reparieren. Oder lässt sich per Taxi chauffieren. Wir laufen lieber. Die nächste Werkstatt. "Klar", sagt der Chef, als er von einem Moped-Motor aufblickte, "hab ich. Da in dem Eimer in der Ecke." Er grinst. In dem Blecheimer liegen mindestens fünf Altöl-besudelte Ketten.  Ich schaue kurz auf meine sauberen Hände. "Darf ich mir eine nehmen?", spiele ich sein Spiel mit. "Aber

Eine alte Motorradkette? Aber gern. Sowas treiben wir täglich auf... aber was will Sven damit? Und wie kann man sie verwenden, um ein leckes Ruderlager abzudichten?

gern", sagt der Mann und hat sichtlich Spaß bei dem Gedanken, wie ich mich gleich einsauen würde. Ich gehe zum Papierhalter an der Wand, reiße mir drei Blätter herunter, fische mir damit eine Kette aus dem Eimer, die Sven nach strengem Blick für gut befindet. Dann trollen wir uns, nicht ohne dem grinsenden Motorradmann 10€ in die schmutzige Hand zu drücken - "Eis für seine Kinder".

Svens Werkzeug zum Ruderlager abdichten.

Es kommt nun Svens Stunde. Und die der Menschen von Portimao. Für einen Segler mit Reparaturbedarf ist Portimao ein Paradies, wie es auf den 3.000 Seemeilen zwischen Dublin und Triest nur wenige gibt. Hier ist nicht nur eine Werft zuhause, hier gibt es ein Dutzend Shops, vom Ersatzteilhändler über Segelmacher und YANMAR-Mechaniker bis zum Teakdeck-Schreiner ist alles da. Eine Männerwelt, die ich schon auf meiner ersten Reise nach Norden in meinem Buch AUF DEM MEER ZUHAUSE beschrieb und die sich zum Mittagessen unter dem Baum neben dem Fast-Food-Wohnwagen des tätowierten Kochs versammelt, mit dem jeder, ausnahmslos jeder auf der Werft gut Freund zu sein scheint. 

Hier hatte Sven am Vormittag bei unseren Streifzügen nach Ersatzteilen einen Edelstahlschlosser entdeckt, der - wie unter Technikern üblich - wortlos verstanden hatte, was Sven da im Sinn hatte. Joao hatte einen Griff gefertigt, und während Sven und Joao wortlos darüber diskutierten, wie man am besten die 

Joao, der Schlosser, in seiner Werkstatt im Werftgelände und Sven.

Kettenglieder aufbekommen könnte, erhebt sich in der Ecke eine junge Frau. Großgewachsen, gertenschlank, lange rot lackierte Fingernägel, die jedem Star zur Ehre gereicht hätten und mit denen ich in der Männerwelt von Portimao am allerwenigsten gerechnet hatte. 

Bestimmt Joaos Enkelin auf Besuch, denke ich. Aber gelegentlich bin sogar ich helle genug und begreife: Nur Klappe-halten ist noch besser als Reden. "Ich bin Joaos Tochter", sagt sie. "Bin Schlosserin und helfe meinem nach meiner Gesellenprüfung hier in der Werkstatt, bis ich weiß, was ich weiter machen will." Sie streift sich eng sitzende Handschuhe über ihre makellosen Hände mit dem makellosen roten Nagellack. Dann setzt sie sich an den großen Bohrständer, schraubt gekonnt den Bohrer ein und bringt die Bohrungen an, wie ihr Vater es ihr mit zwei Worten beschrieb. Die Menschen hier am Arade: Sie verblüffen mich.

Svens Werkzeug ist fertig. Statt einer großen Rohrzange, um die große Mutter oben am Ruderlager anzuziehen, hat Sven aus der Kette einen Schlüssel gebaut, der sich nahtlos um die Mutter auf der Ruderwelle legt. Als wir zu

zweit in meiner Koje liegend mit Kraft anziehen, bewegt sich die Mutter am Ruderlagerkopf etwa 1,5cm im Uhrzeigersinn. Vielleicht reicht das ja schon? Wir werden es auf dem nächsten Schlag herausfinden, der uns weiter nach Süden bis zu den Orcas vor Gibraltar führen wird, vor denen mir schon jetzt etwas mulmig ist. 

Ein Abend am Fluss Arade. 

Unser Ankerplatz am Rio Arade, vom Restaurant aus gesehen.

Ein lauer Abend unter dem Vollmond, den es hinter dem diesigen Schleier nur in einem Flussdelta wie dem Arade geben kann. Ein Kellner, klein und krummbeinig wie ein Jockey, schenkt Wasser ein, er tut es achtsam, als wäre es kostbarer Wein.

Eine junge Frau, fast noch ein Mädchen, bringt Brot. Auf die Frage, was wir unter freiem Himmel essen sollen, legt sie den Kopf in den Nacken und blickt lange hinauf, als müsste sie den Himmel bemühen, um ein Gericht für uns zu finden. Der Wein, den sie bringt und vorsichtig öffnet, ist süß und trocken und rätselhaft wie die Nacht. Die Gerichte, die sie vorschlägt, sind einfach und nicht auf der Karte. Berberecho-Muscheln in weißen Bohnen. Polenta mit Muscheln. Noch einmal Muscheln in scharfer Sauce. Ein heißer Eintopf von Fischen, von denen wir nie hörten. Essen aus einem anderen Jahrhundert als diesem. Essen der einfachen, hart arbeitenden Tagelöhnern am Fluß, das sie einst mit groben Holzlöffeln in schwieligen Händen löffelten. Gerichte, die keiner mehr bestellt. Einstiges Arme-Leute-Essen wie Pasta Bolognese oder Spaghetti allo Scoglio aus Resten vom Markt, heute Luxus. Wie erriet die junge Frau, die in den Himmel schaute, dass es war, was wir suchten?

Der Wirt kommt zwei mal mit besorgtem Gesicht, wir hätten zu viel bestellt. An einem einfachen Grill auf der anderen Straßenseite am Fluss zwei Weissbärtige in schwarzem Ornat, die Fische aus den Restaurants kunstvoll aufs qualmende Holzkohlenfeuer legen. Ein Abend unter dem dunstigen Vollmond, den so nur ein Flussdelta am Meer hervorbringen kann. Ein Ort von Werden und Vergehen, ein Abend wie eine Mahnung daran, wie reich unser Leben ist. Wie vieles in uns ungelebt ist, ungeahnt und dürstet, gelebt zu werden. 

Der krummbeinige Kellner, der berichtet, dass er hier in Ferragudo lebt sein Leben lang. Dass er das ganze Jahr arbeitet, Sommer und Winter, Sonntag und Werktag, nur den Januar habe er frei, in dem er sein Häuschen reparieren würde. Nirgendwo anders wolle er leben als hier in Ferragudo, wo er sein Leben lang war. Denn hier, in Ferragudo, gingen sie achtsam um miteinander. 

Ich glaube ihm, was er sagt. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.





Sonntag, 24. Juli 2022

millemaris 44. Neuerscheinung. Weltumsegelung: Traum? Oder Alptraum? Oder beides?


Soeben als 44. Titel bei millemari erscheinen:
Almut Laings spannender Band über Traum und Wirklichkeit einer Weltumsegelung.


Almut fasst einen ungewöhnlichen Entschluss, als ihr Mann nach einem arbeitsreichen Leben seine Firma verkauft und plötzlich ohne Perspektive dasitzt: Sie lässt sich ihm zuliebe auf das große Abenteuer Weltumsegelung ein, auch wenn sie alles andere als eine leidenschaftliche Seglerin ist. 

Ihre Begründung: Die große Chance, endlich all ihren Ängsten zu trotzen - vor allem der einen, großen von der Unumkehrbarkeit ihrer Entscheidungen. Denn nichts anderes ist für sie bereits die Überquerung des Atlantik von Teneriffa bis Barbados - was immer dort geschehen wird: Umkehr, ein Zurück gibt es nicht.

Auf ihrer Reise folgt Almut eisern ihrem Vorsatz. Lernt allein an Bord den frisch erworbenen Weltumsegeler-Katamarans Fat Cat in engen Hafenbecken zu wenden. Lernt tauchen, auch wenn sie die lauernde Tiefe unter sich fürchtet. Sie erlebt die Weltumsegelung zunächst nicht als Erfüllung eines Traums, der nie der ihre war, sondern vor allem als scheinbar nüchterne Analytikerin und kluge Beobachterin, die nach zahllosen Lektionen nicht umhin kommt, festzustellen: Nichts ist so heilsam wie der Ozean.


Ein verblüffendes Buch zum Thema Auszeit auf See und darüber, was eine Weltumsegelung bringt. Die Geschichte einer Heilung, die bis heute nachwirkt und von Träumen, die unser Leben bestimmen - bis das Leben selbst mit Macht die Dinge in die Hand nimmt.


Mehr Infos? Hier klicken!