Mittwoch, 28. Februar 2018

Unsere Vorträge auf der AUSTRIAN BOATSHOW in Tulln, 1.3.-4.3.2018

Die AUSTRIAN BOATSHOW in Tulln bei Wien mag keine große Messe sein - aber während die Düsseldorfer BOOT vom Publikum eher Nord- und Ostsee-Interessierte anspricht, ist die AUSTRIAN BOATSHOW eine reine Mittelmeer-Messe. Fast 50.000 Menschen werden in 4 Tagen dorthin kommen. Ich bin gespannt, weil wir dort die vier Tage mit Stand sein werden und der Veranstalter so angetan von unseren Themen war, dass Susanne Guidera und ich fast an jedem Tag zwei Vorträge halten. Ich freue mich also auf Tulln - und auf die Zuhörer, die sich im für unsere Mittelmeer-Themen interessieren - im Tagungszentrum der Halle 3:

1. Wetterextreme. 
Segeln in Starkwind, Gewitter & Sturm.

Link zum Buch: Hier!

Ein Foto und seine Geschichte: In meinem 45-minütigen Vortrag erzähle ich nicht nur die Geschichte jenes legendären Fotos von Bodo Müller, in dem er den Moment einfing, als ein kanadischer Segler im Sturm sein Yacht verlor. Sondern stelle neben anderen Sturmgeschichten auch die markantesten Windphänomene des Mittelmeeres aus unserem Buch STURM vor.

Termine:
Donnerstag, 1. März 2018: 12.00-12.45 Uhr
Samstag, 3. März 2018:      12.00-12.45 Uhr
Sonntag, 4. März 2018:       15.00-15.45 Uhr 


2. MARINA REPORT KROATIEN 2018 - 
Wo man hingeht. Wo besser nicht.

Mehr erfahren und bestellen: Hier
Oder bei AMAZON.
Er klingt ja schon motzig, der Untertitel, den wir unserem vor zwei Tagen erschienenen MARINA REPORT KROATIEN SÜD und seinen beiden Folgebänden verpasst haben. Tatsächlich geht es genau darum: Jeden Skipper - egal ob er auf 5 Meter oder 50 Fuß unterwegs ist - vor dem jährlich heftiger spürbaren Verdruss in kroatischen Marinas zu bewahren. Neben Hinweisen zu den neuen Bestimmungen bei Aufenthaltsgebühr und Permit gibts vor allem Hinweise auf offensichtliche, aber auch verdeckte Preis- und sonstige Fallen rund um die kroatischen Marinas - von A wie ACI bis T wie Trogir.
Termine:
Donnerstag, 1. März 2018: 15.00-15.45 Uhr 
Freitag, 2. März 2018:      15.00-15.45 Uhr
Sonntag, 4. März 2018:       12.00-12.45 Uhr 


3. Ein Sommer lang Sizilien


Mehr erfahren: Hier!
Nach so viel harter Kost einfach was Schönes: Jede Menge schöner Fotos von einem Sommer, der mich rund um Sizilien und die umgebenden Inseln Malta, Äolische und Ägadische Inseln führte. Und von den Tugenden eines Seemanns, von sizilianischen Meisterköchen oder der faszinierenden Art der Sizilianer, einen harmlosen Vereinsabend in ein großes, chaotisch-lärmendes Gesamtkunstwerk zu verwandeln.

Termine:
Samstag, 3. März 2018: 15.00-15.45 Uhr 


3. Einhand durchs Mittelmeer.

Mehr erfahren? Und reinlesen in die Leseprobe: Hier!
Eigentlich wird mein neues Buch ja erst in fünf Wochen, am 10. April erscheinen. Es erzählt davon, was passiert, wenn man sich vier Jahre lang acht Monate im Mittelmeer herumtreibt. Von namenlosen Insel tief in der Türkei bis zu den großen Inseln wie Sizilien und Mallorca weit im Westen segelt - und auf jeder der 35 Inseln ein Stück unserer ureigenen Geschichte entdeckt - von der Steinzeit bis in die Jetzt-Zeit. Wer schon mal reinlesen will - der Verlag hat vor wenigen Tagen eine Leseprobe eingestellt: Hier! 
Ein bisschen werde ich Vortrag über dieses Buches erzählen - aber vor allem darüber, wie es ist einhand im Mittelmeer zu segeln.
Termin:
Freitag, 2. März 2018: 12.00-12.45 Uhr 

4. Gewittersegeln
Susanne Guidera stellt unser gemeinsames Projekt GEWITTERSEGELN vor - und vermittelt, was es über Gewitter an Wahrheiten, Halbwahrheiten und Überraschungen zu wissen gibt.

Termin:
Freitag, 2. März 2018: 13.00-13.45 Uhr 

5. Zwischen Pasta und Prosecco
Die Marinas in Friaul und Julisch-Venetien
Susanne Guidera - vom Pass her Italienerin, von der Abstammung Sizilianerin und vom Liegeplatz Friulanerin - stellt ihr aktuelles italienisches Lieblingsrevier vor. Und bietet eine Liegeplatz-Beratung aus allererster Hand.

Termine:
Donnerstag, 1.3.2018: 14.00 Uhr
Samstag 3.3.2018: 14.00 Uhr 
Sonntag, 4.3.2018: 13.00 Uhr 

Sonntag, 25. Februar 2018

Die 21. Neuerscheinung bei millemari.: Ein kritischer Törnführer über den Süden Kroatiens.

Paperback. € 19,95. Jetzt bestellen. Hier

Kroatien. Nicht nur dem Bootsreisenden zauberte dieses Wort den Geschmack  „der einfachen Sommerfreuden am Meer“ auf die Zunge. Auf Sonne und kristallklares Wasser. Auf einfaches Essen vom Grill und niedrige Preise. Auf „einfach Seele baumeln lassen.“

Die Sonne ist immer noch da. Das kristallklare Wasser auch. Mit den niedrigen Preisen ist es nach drei Jahren touristischem Ansturm vielerorts an der kroatischen Küste vorbei. „Man könne bald bloß noch in Istrien und im Norden unterwegs sein“, klagen die einen. Die anderen  schwärmen von der Schönheit der 1.200 vor Kroatien liegenden Inseln. Und nehmen dafür sündteure, doch mangelhafte Marinas, lärmige Ankerplätze, mittelmäßiges Essen stillschweigend einfach in Kauf. Die Inseln seien es wert.

Seit ich im Sommer vergangenen Jahres für zwei YACHT-Reportagen die Küste rauf, die Küste runter reiste, ging mir nicht mehr aus dem Kopf, wie sehr die kroatische Küste ihr Gesicht verändert. Es ging mir, der ich die Küste zum ersten Mal 1998 - nach dem Krieg -besucht hatte -  nicht mehr aus dem Kopf, was ich gesehen hatte: Wie der Tourismus, aber auch Begehrlichkeiten plötzlich die Stimmung an der Küste veränderten. 

Irgendwann im vergangenen Herbst beschloss ich, ein Buch über diese zweimonatigen Erfahrungen zu schreiben. Nicht um den 22 vorhandenen Kroatien-Törnführern einen überflüssigen 23. hinzuzufügen. Erst recht nicht, um dem so verdienstvollen Buch von Karl-Heinz Beständig - das ich auch in der neuesten 31. Auflage sehr schätze - etwas entgegenzusetzen. Ich hatte das Gefühl, dass am Markt etwas fehlt. Etwas anderes. Ein Törnführer der anderen Art, der Skipper nicht vor den Gefahren der See warnt, sondern vor dem, was beim Landgang Frust erzeugt. Ein Törnführer, der sich die Leistungen von Marinas und Restaurants kritisch ansieht. Denn dort, im Hafen beginnt immer noch jeder Törn. Und dort endet er. Und fürs Sightseeing sucht man ihn auch auf.

Deshalb ein Buch:
  • Das kritisch auf Marinas, ihre Gebühren, Preise und Leistungen sowie der Restaurants berichtet
  • das mit den Augen eines erfahrenen Skippers draufschaut, der zum ersten Mal in eine Marina kommt
  • und gleichzeitig zu jeder Kritik auch konkrete ALTERNATIVEN zu überfüllten Marinas, zu mittelmäßigen Restaurants und steigenden Preisen zu bieten.
Das Ergebnis liegt seit gestern aus der Druckerei vor mir:

Paperback. 19,95€.Mehr Infos hier.
Oder: bei AMAZON.
Er ist der erste von drei Bänden über Kroatien. Er hat nur 72 Seiten - aber die haben es in sich. Es gab viele Testleser, die nach der Lektüre sagten: Das wäre Ihnen ein zu kritischer Törnführer. Zu viele frustrierende Tabellen über aktuelle Gebühren. Und die teuersten/die günstigsten Marinas. Kein Wunder. Das Thema ist Kroatiens Süden, in dem sich vieles ballt, weil sich die Region dort am spürbarsten dem Geschäft mit internationalen Chartergästen verschrieben hat.

Jetzt liegt der knallrote Band vor mir. Ich gestehe, ich habe etwas Angst. Ein solches Buch zu schreiben, ist irgendwie, wie ein Kind in die Welt zu setzen. Während es im eigenen Inneren heranwächst, brodelt alles im Kopf. Man macht man sich allerhand Sorgen: Hab ich alles richtig gemacht? War ich kritisch genug? Ist es auch ordentlich geworden? Ist alles richtig daran? 

Jetzt, wo es da ist, ist meine Sorge nicht weniger. Dieses Buch ist so kritisch, dass es nicht jedem gefallen wird. Wir werden damit  „anecken“: Bei manchem kroatischen Marinabetreiber. Bei manchem, der im Moment gutes Geld mit der kroatischen Küste verdient.

Das alles kann ich in Kauf nehmen. Denn: Dieses Buch ist kompromisslos für Skipper geschrieben - egal er ob auf 50 Fuß oder 5 Metern unterwegs ist. Und wenn es nur einen Skipper gibt, der sagt: „Wow, die Tipps für Südkroatien haben mich echt davor bewahrt, irgendwo reinzufallen und mich zu ärgern“: Dann haben sich auch meine Sorgen gelohnt.

Entscheiden Sie also selbst.

Und wenn Sie's lesen wollen: Tun Sie's auf alle Fälle vor Ihrem nächsten Kroatien-Törn.


PS: Der MARINA REPORT KROATIEN MITTE wird Ende März 2018 erscheinen. Der MARINA REPORT KROATIEN NORD im April 2018.







Montag, 5. Februar 2018

Sizilische Geschichten (8): Die 3.000 Gesichter des Don Filippo Bentivegna.

Wenn ich in Sizilien bin, 
und wenn es mich nicht mehr auf meinem Boot, auf Levje, hält,
breche ich zu Wanderungen rund um das sizilische Städtchen Sciacca auf.
Und finde in diesem Ort am Rand Europas ungewöhnliche Geschichten. Wie diese.

Was weiß man eigentlich wirklich, was die eigenen Nachbarn in ihren vier Wänden so treiben? Und wenn man es wüsste: Was dächte man drüber?

Es scheint, dass Don Filippo Bentivegna zu seinen Lebzeiten nicht immer einen leichten Stand hatte bei seinen Nachbarn in Sciacca. Ein bisschen wunderlich war er. Lebte eigenbrötlerisch und allein auf einem außerhalb gelegenen Grundstück an den Hängen des Monte Kronio im Osten der Stadt von Sciacca. Vielleicht hielten sie ihn für ein bisschen verrückt, für den "Matto del paese", den Verrückten im Dorf, wie jedes Dorf einen hat.

Dabei tat Don Filippo Bentivegna wenig, was diesen Ruf gerechtfertigt hätte. Er war nur der Sohn eines Fischers, einer von vielen, die rausfuhren aufs Meer, um mehr schlecht als recht den Unterhalt für die vielköpfige Familie zu verdienen. Als Filippo 25 war, zogen schlechte Jahre auf. Die Fischgründe draußen vor Sciacca über jener magischen Untiefe, dem Korallenriff, das nie einer gesehen hatte und das sie alle nur "il Corallo" nannten, waren leergefischt. Filippo beschloß, sich auf den Weg nach Amerika zu machen, wie viele andere aus Sciacca. Das war 1913, kurz bevor auch in Italien der große Krieg begann.

Es scheint, dass es ihm schwerfiel, in Amerika Fuß zu fassen. Er irrte von Stadt zu Stadt. Es scheint, dass Filippo sich dort verliebte. Sei es, dass das Mädchen einem anderen versprochen war oder ein anderer ein Auge auf sie geworfen hatte: Es kam zum Streit, in dessen Verlauf einer der Kontrahenten handgreiflich wurde. Und Filippo einen schweren Schlag auf den Kopf erhielt. Er fiel ins Koma.



Als er erwachte, war er nicht mehr derselbe. Stammelte wirres Zeug. Wurde in den Staaten für arbeitsunfähig erklärt. Kehrte zurück nach Sciacca, von wo er sechs Jahre vorher aufgebrochen war. Er zog sich zurück auf jenes Grundstück seiner Eltern im Osten der Stadt. Das war 1919. Da war er 31.

Er begann, in seinem steinigen Garten über dem Meer Köpfe aus Stein zu meisseln. Erst einzelne Gesichter, frontal in den Stein gemeisselt, und überlebensgroß. Dann andere, im Profil. Fast alle



gleich groß, er wurde nicht müde, sie wieder und wieder aus den scharfkantigen Kalksteinen zu schlagen, als wollte er all die Menschen abbilden, jeden einzelnen, der ihm in den Städten auf der anderen Seite des Atlantik auf seiner Reise begegnet war.

Irgendwann waren es zehn Köpfe. Dann 30. Als es hundert waren, konnte Filippo immer noch nicht aufhören, Köpfe aus dem Gestein zu meisseln. Jetzt gings erst richtig los. Doch irgendwann gingen Don Filippo die Steine auf seinem Grundstück aus. Weil er neue brauchte, hackte er sich in den Fels. Grub mannshohe Kammern, Höhlen und Schächte ins Gestein. Die Nachbarn schüttelten die Köpfe. Tuschelten. Den Verrückten von Sciacca nannten sie ihn, doch selbst wenn Filippo es hörte, so nahm er es nicht wahr. Nur die Gesichter zählten. Er ließ sich gelegentlich mit "Excellenza" anreden von den Dörflern, ein König war er. König in einem verzauberten Schloß, einem "castello incantato". Manchmal tauschte er einen der Köpfe ein, gegen Essen, Werkzeug.



Ob Filippo die Köpfe zählte? Ob er sich ein Glas Rotwein extra gönnte, wenn wieder 5 oder 10 fertiggestellt waren? Ob er mit seinem Hund redete? Wir wissen es nicht. Filippo meisselte weiter. Unentwegt, besessen. Köpfe, wie sie nur die Romanik kennt, einfach, kraftvoll. Andere nur hinskizziert in den Stein. Weder andere wie Dämonen, geschaffen, um das Böse abzuhalten wie die Sphinx. Filippos riesiger Garten unter den Oliven füllte sich mit den Gesichtern.



Noch ein Krieg war übers Land hereingebrochen, wir wissen nicht, ob Filippo davon überhaupt Notiz genommen hat. Er war nun 51. Jahre später kam ein schwedischer Maler in Filippos Garten, redete mit ihm, staunend ob der schieren Menge an Gesichtern, die Filippo in seinem Olivengarten erschaffen hatte. Er sei auf der Suche nach der großen Mutter, sagte Filippo bloß, als mehr und mehr kamen, Künstler, Journalisten, Professoren, Schriftsteller, um ihn staunend bei seiner täglichen Arbeit zu beobachten. Filippo nahm sie war, sprach freundlich mit ihnen, geduldig, wie mit Kindern. Er meisselte einfach weiter Gesichter in den gnadenlos harten Kalkstein.




79 Jahre, nachdem er als Sohn eines einfachen Fischers geboren worden war, fast 50 Jahre, nachdem er jenen verhängnisvollen Schlag auf seinen Kopf erhalten hatte, stirbt Don Filippo Bentivegna, "Filippo mit den Gesichtern". Sein Garten liegt verwaist, niemand kümmert sich um die Köpfe, die achtlos herumliegen, Witterung und Verfall preisgegeben. Es war Jean Dubouffet, der ein Jahr später im Garten in Don Filippos Garten erschien, der Künstler der "Art brut", der "rohen Kunst", wie er sie nannte, der Kunst der Außenseiter und psychisch Erkrankten. Er rettete in Don Filippos Garten, was noch zu retten war, von den Gesichtern.

Es waren über 3.000.



Die Gesichter des Don Filippo Bentivegna kann man heute immer noch sehen. In Sciacca im Olivengarten des Filippo, der heute immer noch "Castello incantato" heißt.


Noch mehr sizilische Geschichten? Hier.