Donnerstag, 8. Oktober 2015

Die vergessenen Inseln: Skorpios. Oder: Die Insel, auf der Aristoteles Onassis Jacqueline Kennedy heiratete.


Wir schreiben das Jahr 1919. Fast überall in Europa, ob bei denen, die sich Sieger nennen oder denen, die Verlierer sind, sind Menschen auf der Wanderung. Heere von Männern, die zertrümmert an Körper und Seele zurückfluten, irgendwie, an den Ort, von dem sie vier Jahre vorher mit Leuchten in den Augen aufgebrochen waren. Die meisten jedenfalls. Lange Trecks von Flüchtlingen nach Österreich hinein, in das Zehntel [[????]]] des riesigen Habsburgerreiches, das die Sieger [[[????]]]] übrig liessen und das nun die Aufnehmen muss, die Österreicher waren in Kroatien, in Serbien, Siebenbürgen, Ungarn, Rumänien ... Das Gesicht Wiens ist noch heute von diesen Jahren gezeichnet.

Das Mittelmeer war vergleichsweise ein Nebenschauplatz gewesen in diesem Krieg. Vielleicht lag es daran, dass der Krieg im wesentlichen Südosteuropa verschont hatte, dass einflußreiche Kreise in Griechenland um den Präsidenten Evangelos Venizelos den großen Traum träumten. Davon, sich nach der Niederlage des osmanischen Reiches im ersten Weltkrieg größere Stücke Kleinasiens einzuverleiben und die seit 2.500 Jahren von griechisch sprechenden, orthodox gläubigen Griechen mitbesiedelten kleinasisatische Küste unter die griechische Flagge zu holen - samt der Hauptstadt: Konstantinopel. Der Traum, die "Megali Idea", die große Idee: sie sollte militärisch umgesetzt werden. Unter Duldung der Alliierten landeten griechische Truppen im türkischen Smyrna und marschieren weit, weit ins Landesinnere der scheinbar wehrlosen Türkei. Erst 50 Kilometer vor Ankara wird der Vormarsch der Griechen vom energischen Widerstand eines Mannes aufgehalten: Mustafa Kemal, dessen Bild, dessen Schriftzug wie ein magisches Auge, das Böses verhindern soll, heute in der Türkei von jedem Auto, in jedem Büro, auf jedem Boot prangt und der sich später Kemal Atatürk nennen wird, organisiert den Widerstand. Und dreht den Spieß um. Es beginnt, was die Griechen bis heute die "kleinasiatische Katastrophe" nennen. Nach der Schlacht von Dumlupinar, ihr Jahrestag 30. August ist heute noch als "Bayram Zafer", als "Tag des Sieges" einer der höchsten türkischen Feiertage, treiben die Türken die griechischen Truppen zurück nach Smyrna. Sie erobern die Stadt, Pogrome gegen die Griechen beginnen, 40.000 Einwohner griechischer und armenischer Herkunft werden unter den Augen der tatenlos im Hafen liegenden britischen Flotte umgebracht, deren Stadtviertel abgebrannt. 

Im Jahr darauf wird im Vertrag von Lausanne zwischen Griechen und Türken die Zwangsumsiedlung vereinbart: 1,25 Millionen kleinasiatische Griechen zwischen Marmara-Meer und Antalya werden vertrieben. Und nach Griechenland zwangsumgesiedelt. Mit einem Schlag ist jeder vierte Einwohner Griechenlands ein "Bewohner mit migrationstechnischem Hintergrund". Flüchtling. 500 Tausend Türken vornehmlich von den Ägäis-Inseln werden in die Türkei vertrieben und ebenfalls zwangsumgesiedelt. Man schätzt, dass allein 10.000 auf jeder Seite Flucht und Vertreibung nicht überlebten. Das alte Name Smyrna, er verschwand. In den Landkarten heißt der Ort heute Izmir. Und ist viertgrößte Stadt [????????] der Türkei.

Zu denen, die es 1922 aus dem belagerten Smyrna irgendwie schafften herauszukommen, gehörte auch ein Sechzehnjähriger aus gutem Hause, Sohn des reichen Maklers Socrates Onassis. Seine Mutter war gestorben, als er sechs war, seine protestantische Großmutter hatte ihn erzogen. Der Sechzehnjährige mit Namen Aristoteles Onassis schlug sich alleine nach Argentinien durch. Verdingte sich dort zunächst als Kurier und Telefonist. Begann dann, vermutlich mit alten Verbindungen nach Smyrna, orientalische Zigarettentabake zu importieren und unter dem Namen OMEGA zu vertreiben. Die wollte aber niemand so recht rauchen. Erst als er sie argentinischen Produzenten zur Beimischung anbot, machte Aristoteles seine erste Million. Danach exportierte der junge Onassis Häute, Futtermittel und Getreide in ein Europa, das in die Wirtschaftskrise taumelte. Und weil er hierfür immer mehr Transportkapazitäten benötigte, kaufte er inmitten der Weltwirtschaftskrise 1932 kandischen Reedern sechs Schiffe ab. Aristoteles Onassis, der griechische Reeder war geboren. Mit 26.

Zu Beginn des zweiten Weltkriegs liefen unter seiner Flagge knapp 50 Schiffe, Tanker und Frachter. Der Krieg, und vor allem die Alliierten, benötigten unendlich Transportkapazitäten. Am Ende des zweiten Weltkriegs belief sich sein Vermögen auf 100 Millionen Dollar. Einen Teil davon invesierte er in die darniederliegende deutsche Werft- und Stahl-Industrie, die er mit Krediten und Aufträgen versorgte. Ein moderner Rhett Buttler, vom Winde verweht aus seinem Land in die Neuzeit, mit einer unglaublichen Mischung an Herz und Hirn fürs Geschäft.

Es muss in jenen Jahren gewesen sein, dass Onassis über eine Insel nachdachte. Eine Insel, die sein Eigen wäre. Eine Insel als Rückzugsort. Es gab Pläne, sich auf Levkas niederzulassen, auf einem großen Stück Land. Aber 1960 entschied sich Onassis zum Kauf der Insel Skorpios vor dem Ort Nidri, er erwarb sie, wie Rod Heikell, Kenner dieses Reviers beschreibt, für kleines Geld: "for what the Nidri locals say was a 'song'." (S. 137). Er ließ eigens Sand aus Salamis herankarren für die Badebuchten, pflanzte 200 verschiedene Baumarten an, baute drei Sommerresidenzen und einen Hubschrauberplatz und eine Farm mit Kühen und Pferden. Und umgab die Insel am Ende mit einer Straße und noch heute funktionierenden Alarmsystemen, Gerüchte sagen, er selber habe niemals auf der Insel übernachtet und blieb stattdessen lieber auf seiner Yacht, der Christina, auf der er in der Nordbucht ankerte, da, wo auch die heutigen Besitzer ihre großen Yachten liegen haben.

Was seine Yacht, die Christina angeht, war Onassis ein überaus pingeliger Mensch. Er liebte das Schiff, das als kanadische Fregatte gebaut worden war und an der alliierten Landung in der Normandie teilgenommen hatte. Aristoteles Onassis hatte sie zum Schrottwert erworben und ließ sie aufwändigst umbauen: Im Schwimmbad ein 3.500 Jahre altes Mosaik der Minoer aus Knosssos. Die Barhocker in der Bar mit der Vorhaut von Walen überzogen, was den 1,58 großen Aristoteles Onassis gegenüber Greta Garbo, die auf einem Hocker Platz genommen hatte, zu der schönen Gesprächseröffnung hinriss: "Sie sitzen auf dem größten Penis der Welt, Madame."
In einem sehr freimütigen Interview erzählt der langjährige Kapitän, wie sich Onassis, Frühaufsteher, am Morgen nach einem Gastgelage über die Flecken Olivenöls auf dem weißen Deck erregte. Hinfort waren auf der Christina eingelegte Oliven vom Speiseplan gestrichen. Die illustren Gäste aber, die kamen weiterhin auf die Christina, in jenen Jahren bot sie "das größte anzunehmende Ausmaß an Luxus. Wo immer wir hinkamen, kamen Prinzen, Könige und Neureiche an Bord." Fürst Rainier von Monaco kam mit Grace Kelly. Winston Churchill mit Zigarre, insgesamt acht Mal. Und 1968 eine Amerikanerin namens Lee Radziwill mit ihrer Schwester, geborene Jacqueline Bouvier.

Jacqueline muss ein Mensch von unglaublichem Zauber gewesen sein. Charakter schon als Mädchen, ein eigenes Köpfchen. Gewann mit elf Reittourniere, stürtzte sich mit 12 in Französisch-Privatunterricht, beschloß für ihr Leben "not to be a housewife". An der Uni Studium Geschichte, Literatur, Kunst und Französisch. Ein Jahr in Paris.

"Being away from home gave me a chance to look at myself with a jaundiced eye. 
I learned not to be ashamed of a real hunger for knowledge, something that I had always tried to hide, and I came home glad to start in here again but with a love for Europe that I am afraid will never leave me."

Zurück als Journalistin in Washington, interviewt sie für die WASHINGTON TIMES-HERALD Polit-Start-ups wie Richard Nixon oder den Mittdreißiger John Fitzgerald Kennedy. Noch so einer, mit Ausstrahlung. Kein Jahr später ist sie seine Frau. Vier Jahre später Mutter. Und mit 31 die Frau des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Und beginnt, mit eisernem Besen den Nachkriegs-Mief aus dem Weißen Haus zu kehren. Krempelt die Ausstattung um. Macht mit Fernsehteams Führungen durchs Weiße Haus, die im Februar 1962 rekordverdächtige 56 Millionen Amerikaner vor das neue Medium holen. Sie umgibt sich mit Künstlern und hält sich strikt aus dem politischen Kampf ihres Mannes um mehr Bürgerrechte heraus. Entwickelt einen ganz eigenen Kleidungsstil aus ihrer großen Vorliebe für die französische neue Couture. Pillbox-Hut und und große Sonnenbrille werden ihr Markenzeichen - auf Zeit und Ewigkeit, und sie zum modischen Vorbild. Ein fortwährender Zauber, der sie umgibt. Ausländische Staats-Chefs, die ihr zu Füssen liegen, eine First Lady, die fließend Französisch, Italienisch, Spanisch spricht. Der mächtigste Mann der Welt, der sich auf Staatsbesuch in Frankreich vor die Kameras stellt und sich vorstellt:

"I am the man who accompanied Jacqueline Kennedy to Paris - and I have enjoyed it!"

Der Zauber und Camelot: sie enden am 22. November 1963 auf dem Rücksitz eines Lincoln Continental Convertible. Neben ihr wird Mann von vier Kugeln getroffen, sein Schädel zerfetzt. Die Hintergrund sind bis heute nicht restlos aufgeklärt.

14 Tage später verläßt sie Washington und zieht mit ihren beiden Kindern in ein Appartment nach New York in die 5th. Avenue. Und verbirgt sich mehr oder weniger vor der Öffentlichkeit. Im Juni 1968 wird ihr Schwager, Justizminister Robert Kennedy vor laufenden Kameras ermordet. Sie fürchtet um die Sicherheit ihrer Kinder, "I want to get out of this country". Wenige Monate später lernt sie Aristoteles Onassis auf dessen Yacht Christina kennen. Wiederum wenige Monate später heiraten die beiden - auf der Insel Skorpios, vor Levkas. Eine Heirat mit einem Griechen? "Die schwerste Beleidigung der amerikanischen Männer seit Pearl Harbour", geifert die amerikanische Presse. "Jackie O. nennen die Medien sie fortan.

Auf Skorpios scheint sie kurze Zeit Frieden gefunden zu haben. Sie läßt sich ein kleines Refugium im weißen Stil der Kykladen am Sandstrand von Skorpios bauen, Aristoteles Onassis gibt ihr das Gefühl von Schutz und Sicherheit. Es gibt unzählige Fotos von ihr auf Skorpios an "ihrem" Strand, den Bungalow, den man heute umgebaut auf der Ostseite der Insel immer noch sehen kann:


Aber Jacquline's Leben an der Seite von Onassis ist kein glückliches. Zu groß sind Alters- und andere Unterschiede, Jacqueline stürzt sich in teure Einkaufs-Streifzüge, die ihr den Ruf einbringen, teurer als einer von Ari's Supertankern zu sein. Und Ari stürzt sich in Abenteuer mit anderen Frauen - Maria Callas, langjährige Wegbegleiterin, wird wieder an Ari's Seite gesehen. Auf Fotos ist die Diskrepanz zwischen Jacqueline und Aristoteles unverkennbar: Sie strahlt. Er knurrt. Diesmal hatten sich Herz und Geschäftssinn zu Onassis' Unvorteil entschieden. Im XXXXXXXX 1972, genau vor Jacqueline's kleinem Refugium auf Skorpios, dann Fotos, die in Europa einschlugen wie eine Bombe. Jackie O. Nackt. Beim Schwimmen. Beim Sonnenbaden. Fotos eines griechischen Paparazzo, die für mehrere Jahre um die Welt gingen. Und Jacqueline, in den Augen der Welt nur mehr "chronique scandaleuse".

Aristoteles Onassis reichte die Scheidung ein. Die Geschichte von Jacqueline Kennedy und Aristoteles Onassis ist damit vorbei. Eine Scheidung mehr in der Welt. Und Skorpios - vorbei.

Aber was wurde aus alledem?

Aristoteles Onassis starb wenige Monate später im November 1973 in Paris an einer Lungen-Entzündung. Er überlebte den Tod seines Sohnes Alexander bei einem Flugzeugabsturz nur um Wochen. Und liegt bis heute neben seinem Sohn und seiner Tochter auf der Insel Skorpios begraben.

Jacqueline Kennedy ging zurück nach New York und arbeitete in den 80er und 90er Jahren als Lektorin  bei ....... Sie hat einige wichtige Bücher betreut, wie ..... und .... und engagierte sich für New York. Jacqueline Kennedy starb .... in ihrem Appartment in der 5th Avenue an Lymphdrüsenkrebs. Und liegt heute begraben neben ihrem ersten Ehemann John F. Kennedy in ......

Maria Callas? Wurde gemäß ihrem letzten Wunsch eingeäschert. Und ihre Asche vor der Insel Skorpios im Meer verstreut.

Die Yacht Christina, Onassis Liebe? Seine Tochter schenkte sie dem griechischen Staat. Aber der versuchte seit den 90ern, die Yacht aus Kostengründen abzustoßen - mehrere Jahre erfolglos. Bis sie der griechische Reeder Ionis Pavlos Papanokolaou erstand und aufwändigst erneuern ließ - der gesamte Rumpf ist neu, 150 Tonnen Stahl. Und manch anderes auch. Mosaik und Barhocker blieben. Seitdem lief die Yacht in Charter, "for the happy few", für angeblich 450.000 Euro die Woche. Christina blieb sich treu, denn wieder kamen alle: Paul McCartney. Tommy Hilfiger. Prinz Andrew mit Ehefrau Sarah. Mitte 2014 stand die Yacht dann erneut zum Verkauf. 25 Millionen...

Und Skorpios? Die vergessene Insel gibt es noch heute, da, wo sie immer war. Bis vor wenigen Jahren war die Insel im Besitz der Enkelin von Aristoteles Onassis. Aber da sie kaum griechisch spricht und in Sao Paolo lebt, hatte sie kein Interesse mehr an der Insel und versuchte, sie abzustoßen. Kaufinteressenten wie William Gates III. flogen samt Gattin Melinda ein, mit Giorgio Armani war der Deal fast perfekt. Und platzte doch. Im April 2013 ging Skorpios an die 24jährige Jekaterina Rybolowlewa, Tochter des russischen Dünger-Milliardärs Dimitri Rybolowlew, in eine 100jährige Pacht. Aristoteles Onassis hatte in seinem Testament verfügt, dass die Insel immer in Familienbesitz bleiben solle. Und sollte es seiner Familie nicht mehr möglich sein, Skorpios zu unterhalten: dann solle die Insel  entweder an seine Fluglinie OLYMPIC gehen. Oder an den griechischen Staat...









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