Dienstag, 12. August 2014

Unter Segeln: Wie verlässlich ist welcher Wetterdienst?


Mein Freund Sven sagt, er habe in 25 Jahren fast jede Schraube auf unserer Feeling 36 gelöst. Technisch könne da nur noch wenig überraschen. Die letzte Herausforderung bliebe: das Wetter. 
Und Pat, der sich seit zwölf Jahren auf seinem Katamarran in der Ägäis herumtreibt, speichert seufzend den siebten Wetterdienst auf seinem Android, weil die vorherigen sechs Wetterdienste alle nicht das Gelbe vom Ei waren. Es ist, wie Sven sagt: das Wetter bleibt für jeden Segler die große Herausforderung.

Betrachten wir den heutigen Tag unter Segeln: Sämtliche Wetterberichte verkündeten alle NW bis NNE, mit zwei bis sechs bft.. Was ich dann draußen ab Mittag auf offener See vor den Inseln Milos und Kimolos antraf, war ein NNE in Spitzen bis 35 Knoten. Der ursprüngliche Kurs zur Insel Sifnos war nicht mehr wirklich zu halten, ich beschloss, abzulaufen zur Insel Kimolos und dort eine windgeschützte Ecke zu suchen. 



Gehen wir den Dingen auf den Grund: Vier Internet-Wetterdienste im Vergleich: wie gut, wie schlecht haben sie die heutigen Verhältnisse prognostiziert?

1. www.windguru.cz
Seit Jahren meine "first choice", ausgenommen regionale Dienste wie in Italien "Kanal 68" oder in Slowenien/Kroatien die jadran-Seite aus Rijeka. Windguru sagte vorher:


Bis Mittags 6 bft. aus N, dann auf NNE drehend.

2. www.windfinder.com

Vergleichbar der Windguru-Prognose. Tatsache ist, dass beide Wetterseiten ihr Angebot und ihre Prognosen auf "windige Leidenschaften" spezialisiert haben. Sowohl Windguru als auch Windfinder richten sich überwiegend an Paraglider, Kite-Surfer, Segler, Surfer.


3. Der offizielle griechische Wetterdienst


In der Vergrößerung erkennt man am linken Bildrand den Peloponnes und rechts davon, etwa in Bildmitte - "wie ein schwimmendes Entchen" - Milos und Kimolos. Die Windvorhersage für Milos/ Kimolosist NW 2.



4. Pocketgrib
Ein neuer Wetterdienst als App, downloadbar für € 5,95, gefällt durch die gute Windanimation und geringste tägliche Downloadmengen. Die Vorhersage sah so aus, wiederum in Bildmitte "im Fadenkreuz" Milos und nordöstlich davon Kimolos:


Die Vorhersage also 15 Knoten Wind aus N.



Fazit:

1. Windguru und Windfinder hatten die Nase vorn. Klare Ansage "in Böen 6" ist zwar noch nicht richtig,  weil 35 Knoten deutlich mehr ist: aber in der Tendenz sind beide Wetterdienst richtig.

2. Der nationale griechische Wetterdienst lag diesmal sehr daneben.

3. Ebenso PocketGrib. Hier fällt auf, dass die gesamte Modellierung für die Ägäis eigentlich "zu einheitlich" ist: die größeren Windbewegungen - zum Beispiel der stärkere Meltemi in der Ostägäis - finden keine Berücksichtigung, lokale Windphänomene zwischen einzelnen Inseln ebensowenig. Aus meiner Sicht schneidet Pocketgrib klar als letzter ab.

Mein Schluß, den ich aus diesem Wetterdienst-Test ziehe, ist:
Die auf Windnutzer spezialisierten Dienste scheinen mit ihrer Spezialisierung auf Kiter, Glider, Surfer, Segler offensichtlich doch die besseren Windmodelle errechnen zu können. Auch auf dem offenen Meer. Wenn beide Prognosen für den Tag auch zu schwach waren: in der Tendenz waren sie richtig. 

Lokale Effekte und Phänomene, Kap- oder Düsen-Effekte, Winddrher vor oder zwischen zwei Inseln bleiben von fast allen Diensten unberücksichtigt. Das kann in Insel-Revieren wie Kroatien oder Ägäis erhebliche Auswirkungen haben.

Unsere Wettermodelle und Wetterdienste sind erheblich besser als alles, was den Menschen in 3.500 Jahren Seefahrt zur Verfügung stand. Obwohl das, womit wir uns heute hinauswagen, um so Vieles besser ist als die Wetterdienste selbst vor 20 Jahren: Das Wetter bleibt, was es ist: die große Herausforderung.

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Ein Film darüber: Was Segeln ist.



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Was passiert, wenn das Leben die gewohnten Bahnen verlässt? 
Was geschieht, wenn man sich einfach aufmacht und fünf Monate Segeln geht? 
Darf man das? Und wie ändert sich das Leben?
Der Film einer ungewöhnlichen Reise, der Mut macht, seinen Traum zu leben.



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Einmal München - Antalya, bitte. 

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